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Griechenland ist Europameister - 1:0 gegen PortugalDPA-Datum: 2004-07-04 23:30:38

Lissabon (dpa) - Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem «Wunder von Bern» hat Otto Rehhagel mit Griechenland die größte Sensation der Europameisterschafts-Geschichte vollbracht.

Lissabon (dpa) - Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem «Wunder von Bern» hat Otto Rehhagel mit Griechenland die größte Sensation der Europameisterschafts-Geschichte vollbracht.

Durch ein Tor des Bremer Bundesliga-Legionärs Angelos Charisteas in der 57. Minute setzte sich die hellenische Sensations-Mannschaft in Lissabon im EM-Endspiel überraschend 1:0 (0:0) gegen den favorisierten Gastgeber Portugal durch. 15 000 begeisterte Fans unter den 62 865 Zuschauern im ausverkauften Estadio da Luz feierten den ersten Titelgewinn ihrer Lieblinge bei einem Top-Turnier enthusiastisch und ließen «König Otto» mit lautstarken «Rehhagel-Rufen» hochleben.

Portugal blieb die erhoffte Revanche für das 1:2 im Auftaktspiel und vor allem die EURO-Krönung versagt. Im spielerisch schwächsten Finale der 44-jährigen EM-Historie bot der deutsche Referee Markus Merk eine souveräne Leistung und überzeugte durch seine klare Linie.

Erstmals bei Welt- und Europameisterschaften gewann damit ein Team mit einem ausländischen Trainer den Titel. Otto Rehhagel, der den ersten deutschen WM-Triumph vor einem halben Jahrhundert als 15-Jähriger erlebte, kann sich mit seiner tollen Mannschaft nach diesem Coup auf einen begeisternden Empfang in Athen freuen.

«Das ist ein ganz außergewöhnliches Ereignis für den griechischen und vor allem auch für den europäischen Fußball», meinte Rehhagel nach dem Erfolg strahlend. «Die griechische Mannschaft hat Fußball-Geschichte geschrieben und ich hoffe, dass das einen Widerhall finden wird.» Matchwinner Charisteas als «Spieler des Spiels» stammelte: «Es ist unglaublich - Griechenland ist Europameister. Heute müssen alle Griechen feiern, egal ob in Deutschland, Australien oder sonstwo.»

Im Beisein des portugiesischen Staatschefs Jorge Sampaio und des extra zum Endspiel eingeflogenen griechischen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis lieferten sich beide Mannschaften von Beginn an eine umkämpfte Partie. Die Griechen kehrten zu ihrem schon im Eröffnungsspiel erfolgreichen 4-4-2-System zurück, mit dem die Hausherren im Bemühen um konstruktive Angriffe erneut ihre liebe Mühe hatten. So entsprangen die ersten Chancen auch Einzel-Leistungen: Miguel scheiterte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze an Torwart Antonios Nikopolidis (14.), Nuno Maniche (18.) zielte knapp daneben.

Ansonsten lief wenig zusammen bei den Gastgebern. Das lag auch daran, dass Luis Figo, der durch seinen 14. Einsatz bei einer EM-Endrunde zu den Rekordspielern Zidane, Thuram (beide Frankreich) und Poborsky (Tschechien) aufschloss, ebenso wie Cristiano Ronaldo enttäuschte. Gegen den klug gestaffelten Gegner wirkten Star-Akteur Figo in seinem 110. und vielleicht letzten Länderspiel und Co. zunehmend hilf- und ratlos. Dies übertrug sich auf die Ränge: Die griechische Minderheit sorgte für tolle Stimmung und berauschte sich am immer frecheren Auftritt ihrer Elf. Die hatte in der ersten Halbzeit jedoch nur eine Chance: Charisteas (16.) konnte nach Zisis Vryzas' Hackentrick-Vorlage Keeper Ricardo nicht überwinden.

Nach Wiederanpfiff hofften die einheimischen Anhänger auf endlich mehr Angriffsdruck ihrer Mannschaft. Doch die Griechen, die nach dem Halbfinale einen Tag weniger Pause hatten, wirkten spritziger - und nutzten ihre zweite Einschussmöglichkeit konsequent zur Führung aus. Nach Angelos Basinas' Eckball war Charisteas per Kopf zur Stelle und markierte seinen dritten Turnier-Treffer. Dabei profitierte er noch von Ricardos Fehler, der viel zu spät aus seinem Kasten kam.

Luiz Felipe Scolari reagierte nun auf die trostlose Darbietung seines Teams und brachte in Rui Costa einen neuen Ideengeber und später mit Nuno Gomez auch noch einen weiteren torgefährlichen Stürmer in die Begegnung. Und das Spiel wurde besser, weil nun die Portugiesen endlich aus ihrer Lethargie erwachten und ihre Chance suchten. Ronaldo (59.) und Figo (64.) fanden bei ihren Schüssen im starken Nikopolidis ihren Meister.

In der portugiesischen Schlussoffensive hatten Ronaldo (75.) freistehend vor Nikopolidis und Ricardo Carvalho (81.) den Ausgleich auf dem Fuß, doch der bis dahin wenig geprüfte Keeper wurde immer mehr zum großen Rückhalt. Kurz vor Schluss rannte ein portugiesischer Fan auf den Platz, warf Figo die Fahne des FC Barcelona vor die Füße und legte sich dann ins Tornetz. Mit Figos letztem Schussversuch (90.) ging kurz danach aber auch Portugals letzte Chance vorbei.

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