Griechenland
Rehhagel will es noch einmal wissen

Er ist Titelverteidiger, aber doch nur Außenseiter. Dabei muss Griechenlands Trainer Otto Rehhagel eigentlich nur alles so machen wie schon vor vier Jahren.

Fünf Minuten lang war der Trainingsplatz von Europameister Griechenland die Bühne des Otto Rehhagel. Der Trainer versammelte seine Spieler im Mittelkreis um sich, redete fast ohne Unterbrechung auf sie ein, gestikulierte wild mit den Armen und deutete mit hastigen Schritten immer wieder Tacklings und kurze Sprints an. Die Vorstellung war so eindringlich, dass Co-Trainer und Dolmetscher Ioannis Topalidis die deutschen Worte Rehhagels kaum zu übersetzen brauchte.

"Wir arbeiten seit sieben Jahren mit ihm zusammen. Nichts hat sich in dieser Zeit an seiner Philosophie oder an seiner Arbeit verändert", sagte Kapitän Traianos Dellas über seinen Chefcoach. Er meinte dies mit Hochachtung. Weil sie genau wissen, woran sie sind, vertrauen die Spieler Rehhagel blind und gehen trotz schwacher Leistungen in der Vorbereitung mit der festen Überzeugung in die Endrunde in Österreich und der Schweiz, dass eine erfolgreiche Titelverteidigung nicht ausgeschlossen ist.

"Wir müssen nach vorne blicken"

"Vor uns liegt eine neue Aufgabe und ein neues Turnier. Wir sind bereit, es wieder erfolgreich zu bestreiten", meinte Dellas. Rehhagels Abwehrchef und wichtigster Spieler warnte allerdings vor allzu häufigen Blicken auf den sensationellen EM-Titel vor vier Jahren in Portugal: "Die Erinnerungen an 2004 sind wunderschön, aber wir müssen sie jetzt hinter uns lassen und nach vorne blicken."

Der überzeugte Traditionalist Rehhagel, der noch immer kaum ein Wort Griechisch spricht, lässt die Erinnerungen vor den Gruppenspielen gegen Schweden, Russland und Spanien allerdings immer wieder aufleben, indem er alles genauso handhabt wie vor vier Jahren in Portugal. Dazu gehört eine völlige Abschottung der Mannschaft im mondänen Teamhotel "Jagdhof" in Hof bei Salzburg, nur unterbrochen durch die öffentlichen Trainingseinheiten in Seefelden, bei denen er den Kontakt der Spieler zur Presse auf ein Minimum beschränkt.

Der Geist von 2004

Einen Tag vor dem ersten Spiel gegen die Schweden am Dienstag (20.45 Uhr/live in der ARD) stößt Theo Zagorakis zum Tross der Griechen. Der Rekordnationalspieler und Kapitän der Helden von Lissabon soll offenbar mithelfen, den Geist von 2004 wiederzubeleben.

Rehhagel selbst sagt zu den Medien wie immer im Vorfeld eines Länderspiel nichts. Auf der offiziellen Pressekonferenz am Montag will sich "König Otto" erstmals in Österreich öffentlich äußern. Seine Spieler hat der 69-Jährige allerdings derart gut im Griff, dass deren Worte durchaus auch seine eigenen sein könnten. Das Turnier werde sehr hart werden, meinte Mittelfeldspieler Angelos Basinas, die Mannschaft müsse wie 2004 wieder "den Weg finden, auf dem wir die Spiele gewinnen".

Dämpfer für die Euphorie

Insgesamt elf Europameister hat Rehhagel nominiert, darunter auch Angelos Charisteas von Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg, der 2004 im Finale gegen Gastgeber Portugal das goldene Tor zum 1:0-Sieg erzielte. Der Stürmer konnte aber ebenso wie fast alle seine Teamkollegen in der Vorbereitung keine Glanzlichter setzen. Der 2:0-Sieg gegen Zypern war schon nicht gerade berauschend, das 2:3 in Ungarn und das 0:0 in Offenbach gegen Armenien versetzte der EM-Euphorie der Fans einen herben Dämpfer.

Immerhin: Mit Ausnahme von Mittelfeldspieler Georgios Karagounis, der sich bei einem Tackling gegen seinen Gegenspieler im Spiel gegen Armenien selbst am Knie verletzte, ist kein Spieler ernsthaft angeschlagen.

"Natürlich war das nicht berauschend, was wir gegen Armenien geboten haben. Aber für uns zählt nur der 10. Juni und das erste Spiel gegen Schweden", sagte Nikos Spyropoulos von Panathinaikos Athen. Auch dieser Satz hätte von Otto Rehhagel stammen können.

© SID

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