Griechische Gastfreundschaft
Gute-Laune-Papageien

Eines kann man den Griechen sicher nicht absprechen: Die Motivation beim Versuch, den Gästen aus aller Welt Gute-Laune beizubringen.

Das Spektakel Olympia 2004 geht in die zweite Woche, und endlich scheint sich alles nur noch um den Sport zu drehen. Nach all dem Rummel um überbordende Sicherheitsvorkehrungen, leere Stadien und die nicht enden wollende Doping-Affäre Kenteris haben die Spiele das gleichermaßen nötig wie verdient. Wenn man den Griechen eines nicht absprechen kann, dann ist das die Motivation beim Versuch, den Gästen aus aller Welt gute Laune beizubringen.

Beispielhaft sind jene jungen Helferinnen, die im schicken Olympiazentrum auf Schiedsrichter-Hochstühlen sitzen, die Region überwachen und mit einer bewundernswerten Ausdauer "Welcome, Welcome, Welcome!" in ihre Megafone trällern. Oder wahlweise "Kalispera, Kalispera, Kalispera!" Immer in dreifacher Ausführung, immer freundlich.

Das klingt ein bisschen nach Papagei, ist aber nett gemeint und provoziert regelmäßig den Widerhall der Menschheit. Wenn sich nach einem großen Leichtathletik-Abend Zehntausende auf den Heimweg begeben, wünschen sich also Griechen, Afrikaner, Chinesen und andere Papageien winkend Gute Nacht. Und wenn die Zuschauer am nächsten Morgen wiederkommen, können sie sicher sein, dass die Mädels auf ihren Hochsitzen bereits Platz genommen haben: "Kalimera, Kalimera, Kalimera!" heißt es dann. Die Welt ist zu Gast bei Freunden, soll die Botschaft heißen. Und die (Vogel-)Welt bei Olympia kann richtig fröhlich sein - direkt hinter der Sicherheits-kontrolle.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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