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Griechisches Nationalteam als Friedensstifter

Faro/Athen (dpa) - Die EM-Auftritte des griechischen Nationalteams haben in der Heimat der Hellenen Hoffnungen auf ein Ende der grenzenlosen Gewalt in den Fußball-Stadien geweckt.

Faro/Athen (dpa) - Die EM-Auftritte des griechischen Nationalteams haben in der Heimat der Hellenen Hoffnungen auf ein Ende der grenzenlosen Gewalt in den Fußball-Stadien geweckt.

Durch Randale, Übergriffe und übelste Schmähgesänge haben organisierte Fan-Gruppen friedliche Anhänger längst aus den Arenen vertrieben. Attacken von Hooligans werden auch bei den in knapp zwei Monaten beginnenden Olympischen Spielen in Athen befürchtet. In dem Land mit rund 10,5 Millionen Einwohnern träumen viele dank Trainer Otto Rehhagel und dessen Top-Team nun wieder von friedlichen Fußball-Festen.

Die Situation ist mehr als alarmierend. Eltern trauen sich mit ihren Kindern so gut wie nicht mehr in die Stadien. Zu groß ist die Gefahr, Opfer der Gewaltausbrüche zu werden. Der Zuschauerschnitt sank dramatisch: 1985 kamen noch rund 100 000 Besucher an einem Spieltag, in der vergangenen Saison waren es nur noch 16 000 Fans.

In einem der jedes Mal höchst brisanten und gefährlichen Athener Derbys zwischen AEK und Meister Panathinaikos wurde der Schiedsrichter in der vergangenen Saison von einem Feuerwerkskörper aus dem AEK-Block getroffen und erlitt Verbrennungen ersten Grades. Der Athener Club, aus dessen Reihen fünf Profis in Rehhagels Auswahlkader stehen, musste zwei Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten. Drei Wochen vor der EM sorgten erneut AEK- Hooligans für einen Eklat: Nachdem einige Profis einen Rettungsplan zur Sanierung des mit 100 Millionen Euro verschuldeten Clubs abgelehnt hatten, stürmten sie das Trainingsgelände. Nationalspieler Vassilios Tsiartas musste sich verstecken, sein Auto wurde demoliert.

«Ich hoffe, dass dieser Erfolg, egal, wie weit wir kommen, dazu beitragen wird, dass wir in Griechenland endlich wieder in die Fußball-Stadien gehen können», betonte Auswahl-Verteidiger Traianos Dellas, der beim italienischen Renommierclub AS Rom unter Vertrag steht, in einem Fernseh-Interview. Allerdings fehle es ihm an dem Glauben daran, dass es wirklich so kommt.

Die Optimisten schöpfen ihre Zuversicht indes auch aus Synergie-Effekten durch die Olympischen Spiele. Von den neuen Arenen in Piräus, Patras, Thessaloniki, Heraklion und Volos, die viel mehr Komfort und auch einen erhöhten Sicherheitsstandard bieten, erhoffen sie sich einen spürbaren Aufschwung. Dann müssten aber auch die Vereinspräsidenten mithelfen, forderte die Zeitung «Kathimerini» in einem Kommentar.

Bis zum Beginn der Ägide Rehhagels vor drei Jahren waren die drei großen Clubs - Panathinaikos und AEK Athen sowie Olympiakos Piräus - das Maß aller Dinge im griechischen Fußball. Die Nationalmannschaft, die fast 40 Jahre lang den unrühmlichen WM-Rekord mit der höchsten Niederlage - 1:11 am 25. März 1938 in Budapest gegen Ungarn - hielt, fristete ein Schattendasein. Mit ihrem historischen Auftritt bei der EURO in Portugal hat sie sich nun ins Rampenlicht gespielt.

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