Grönemeyer und Westernhagen lassen's krachen
Comeback der Alt-Rocker

Grönemeyer, Westernhagen und Nena: 2002 war das Jahr der Comebacks im deutschen Rock und Pop. Mit knapp zwei Millionen verkauften "Mensch"-Alben bescherte Herbert Grönemeyer der gebeutelten Industrie mehr als einen Hoffnungsschimmer - und sich selbst eine Befreiung aus dunklen Zeiten.

HB/dpa HAMBURG. Die Scheibe ist Grönemeyers persönliche Aufarbeitung schwerer Schicksalsschläge: des Krebstodes seiner Frau Anna und seines Bruders Wilhelm im Jahr 1998 - und seine erste Platte seitdem. "Das Album war sicherlich einer der schwersten Berge, die ich zu erklimmen hatte", sagte er kürzlich. Denn in der Zeit nach dem Tod habe er Angst bekommen, er werde keine Musik mehr machen können. Nun wird der 46-Jährige vermutlich als erfolgreichster deutscher Künstler des Jahres den Echo 2003 bekommen.

Ihm folgte auf dem Fuß sein früherer Spezi und heutiger Erzrivale Marius Müller-Westernhagen (54). Nach längerer Pause leitete dieser mediengerecht sein neues Album "In den Wahnsinn" mit einer Verbalattacke gegen Grönemeyer ein und verdrängte diesen von Platz eins - doch nur für eine Woche, dann eroberte "Herbie" den Spitzenplatz zurück. Musikalisch können sich nach Kritikermeinung beide Alben hören lassen: Handwerklich gut gemachte Platten, Grönemeyers nachdenklich-wehmütig, Westernhagens rotzig-frech.

Als Dritte im Comeback-Bunde ließ sich Neue-Deutsche-Welle-Star Nena feiern. Ihr Konzert zum 20. Bühnenjubiläum in Frankfurt war ebenso ein Erfolg wie das Album "Nena feat. Nena", auf dem die 42- Jährige ihre alten Hits wie "99 Luftballons" modern präsentiert.

Nach den Charts zu urteilen war zumindest die zweite Hälfte dieses Jahres eine äußerst deutsche: Neben Grönemeyer, Westernhagen und Nena fanden sich im November auch Die Ärzte, Die Toten Hosen und Wolfgang Petry in den hiesigen Top Ten - eine Hitparade ohne Parallelen.

Neulinge konnten hingegen kaum Akzente setzen. Immerhin bewies der Deutsch-Türke Kool Savas aus Berlin, dass der häufig bereits totgesagte deutsche HipHop noch lebt: Seine Platte "Der beste Tag meines Lebens" schoss von null auf sechs in der Album-Hitparade. Und Kanzlerimitator Elmar Brandt stürmte mit seinem "Steuersong" die Single-Hitparaden.

Ansonsten gab es wenig Neues 2002: Die beiden Retorten-Bands No Angels und Bro'Sis setzten ihre Erfolge aus dem Vorjahr mit gefeierten Tourneen fort. Sarah Connor blieb mit gewagten Outfits, Spekulationen um ihr Liebesleben sowie einer Zusammenarbeit mit US- Star Wyclef Jean im Gespräch.

International dominierten Rocker jenseits der 50 das Geschehen. Bruce Springsteen verarbeitete die Terroranschläge vom 11. September 2001 in seinem patriotisch-aufrüttelnden Album "The Rising" und belegte nicht nur in seiner Heimat Platz eins der Hitparaden. Auch die Tour des 53-jährigen "Boss" mit seiner legendären E Street Band ließ alte Stärke neu aufblitzen. Ebenso überzeugte der 55-jährige Carlos Santana auf den Konzertbühnen Europas, bevor er im Herbst sein neues erfolgreiches Album "Shamans" vorstellte. Da konnten nur junge Rock-Göhren den alten Herren ein wenig Paroli bieten: Die gerade 18 Jahre alt gewordene Kanadierin Avril Lavigne, das US-Partygirl Pink (23) und die kolumbianische Vollblutmusikerin Shakira (25) überzeugten durch ihre freche und ehrliche Art Fans und Kritiker.

Im HipHop machte vor allem wieder Skandal-Rapper Eminem (30) Schlagzeilen. Doch diesmal weniger wegen seiner berüchtigten Verbalattacken als durch sein künstlerisches Schaffen. Sein Album "The Eminem Show" belagerte wochenlang die Top Ten, bei den amerikanischen und europäischen MTV Awards räumte er insgesamt sieben Trophäen ab, sein erster Spielfilm "8 Mile" schoss auf Platz eins der US-Kinocharts.

Außerdem fiel die US-Rapper-Szene wieder durch Gewalt auf. Diesmal erwischte es mit Jam Master Jay, DJ der HipHop-Pioniere Run DMC, aber gerade einen, der nichts mit Gang-Machtkämpfen am Hut hatte. Der 37- Jährige wurde im Oktober von Unbekannten in einem New Yorker Studio erschossen.

Noch ein Altrocker sorgte 2002 für Schlagzeilen besonderer Art: Das enfant terrible des britischen Rocks, Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger (58), wurde nach 40 Jahren im Showgeschäft durch Queen Elizabeth II. zum "Sir" ernannt. Stilechter Kommentar seines Stones- Kollegen Keith Richards: "Jetzt ist er ja auch ein Arschkriecher."

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