Größe und Komplexität des Modernisierungsprogramms der Streitkräfte zwingen Unternehmen zur Zusammenarbeit
IT-Berater pokern um Bundeswehrauftrag

Die IT-Dienstleister in Deutschland buhlen um die Bundeswehr als Kunden. Grund: die geplante Modernisierung der Kommunikations-Infrastruktur der Streitkräfte. Verteilt über die nächsten zehn Jahre wird die Aufrüstung der Netze, so schätzen Branchenexperten, 13 Mrd. DM kosten. Dies sei, auch am internationalen Maßstab gemessen, "ein Auftrag im absolut oberen Feld".

FRANKFURT/M. Die noch bis Ende November laufende Ausschreibung mit dem bezeichnenden Namen "Herkules" kommt den IT-Beratern gerade recht. Das eigentliche Stammgeschäft mit Unternehmen läuft derzeit nur schleppend. "Wir klagen auf hohem Niveau. Zwar sind die Umsätze weiter gestiegen, aber die Auftragseingänge sind im ersten Halbjahr gefallen", erklärt Peter Strabel, Chef von CSC Ploenzke. Gerade weil der öffentliche Sektor konjunkturunabhängig sei, werde er als Kunde immer interessanter.

Die Bundeswehr will in den kommenden zehn Jahren die Rechenzentren, Datennetze und Software modernisieren. Um Kosten zu sparen, soll ein Teil der Dienstleistungen von privaten IT-Unternehmen finanziert werden, die dafür im Gegenzug von der Bundeswehr jahrelang mit Aufträgen versorgt werden. Daneben sollen externe Investoren für eine ausreichende Finanzierung des Projekts sorgen. Das Dach solcher Outsourcing-Projekte könnten von Bundeswehr und Unternehmen gemeinsam getragene Firmen sein (Public-Private-Partnership).

Die IT-Dienstleister stehen damit vor neuen Herausforderungen. "Für ein Projekt wie das mit der Bundeswehr wird so viel unterschiedliches Know-how benötigt, dass kein Anbieter in Deutschland in der Lage ist, dies allein umzusetzen", sagt Wilhelm Alms, Vorstandsvorsitzender der IT-Unternehmensberatung Mummert+Partner: "Das Bauprojekt Potsdamer Platz in Berlin hat auch nicht ein einziges Unternehmen realisiert." Konsortien hätten sich gebildet.

Dieser Trend wird nun auch in der IT-Dienstleistungsbranche Einzug halten. Aus Wettbewerbern werden für einzelne Projekte Partner, gleichzeitig sind sie an anderer Stelle Wettbewerber. Ploenzke-Chef Strabel bestätigt: "Zurzeit redet jeder mit jedem."

Für den Großauftrag der Bundeswehr zeichnen sich derzeit drei Gruppen ab: T-Systems, das Systemhaus der Deutschen Telekom, will mit Siemens und IBM zusammenarbeiten, CSC Ploenzke mit EADS und Mobilcom sowie MCI Worldcom mit EDS. Allerdings steht die endgültige Konstellation noch nicht fest. "Auch wir haben Interesse an einer Projekt-Beteiligung", macht Harald Wieland von Cap Ernst deutlich.

Die Betriebsamkeit der IT-Dienstleister ist verständlich. Branchenkenner sehen in dem Bundeswehr-Auftrag ein Modell für künftige Aufträge der Öffentlichen Hand. "Wer dabei ist, kann sich frühzeitig in diesem Bereich positionieren", glaubt Analyst Knut Woller von der Hypo-Vereinsbank.

"Wenn man etwa nach Großbritannien oder in die USA schaut, hat der deutsche öffentliche Sektor beim Thema Outsourcing noch einen großen Nachholbedarf", sagt Woller. In Amerika hat die US-Marine für 6,9 Mrd. US-$ ihren landgestützten IT-Bedarf für die nächsten acht Jahre an EDS vergeben. Konkurrent CSC wiederum hat den Zuschlag für die 2,5 Mrd. US-$ teure Betreuung des militärisch-medizinischen Informations-Management-Systems erhalten.

Bundeswehr-Modell könnte Schule machen

Allerdings warnen Experten vor zu großen Erwartungen in Deutschland. "Ein solches Projekt wie das der Bundeswehr wird es so schnell nicht wieder geben", glaubt Wieland von Cap Doch auch wenn künftige Projekte einen deutlich kleineren Umfang haben werden, spricht vieles dafür, dass das Bundeswehr-Modell Schule machen könnte. Das zeigt das Beispiel der Stadt Leipzig. Zusammen mit Branchenprimus IBM hat die Stadt Anfang des Jahres die "Leipziger Computer und Systemhaus GmbH (LeCoS)" gegründet, das sämtliche IT-Systeme der kommunalen Einrichtungen betreut und weiterentwickelt.

Mit 51 % der Gesellschaftsanteile hat dort die IBM Global Services das Sagen und trägt zugleich aber das unternehmerische Risiko. Diese Konstruktion ist typisch für solche privat-öffentlichen Partnerschaften. Ohne sie gäbe es keine externen Finanzinvestoren. Deren Beteiligung ist aber bei Milliardenprojekten wie dem der Bundeswehr dringend notwendig.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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