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Größe zählt wieder

In der Krise spielen betriebswirtschaftliche Argumente wieder eine Rolle. Konzerne, die innerhalb einer Branche stark und breit aufgestellt sind, werden für Anleger interessant.

Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen." Dieser Spruch war das Mantra des inzwischen vorzeitig beendeten Internetzeitalters. Heute schauen Vorstände, Berater und Anleger wieder in die alten betriebswirtschaftlichen Lehrbücher. Und finden dort Begriffe wie "Fixkosten" und "Economies of Scale". Sie alle lehren, dass die Größe doch wichtig ist: Wer viel produziert, kann Kostenvorteile realisieren und sitzt damit gerade in Krisenzeiten am längeren Hebel. DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt sagt: "Oft haben große Unternehmen auch solidere Bilanzen. Darauf schauen die Anleger jetzt wieder mehr."

Die Tabelle unten bietet eine Auswahl von Aktien aus dem Index Dow Jones Global Titans 50, der 50 besonders große Börsenwerte vereinigt. In der Vergangenheit hat er sich nicht sehr viel anders entwickelt als die weltweiten Aktienmärkte insgesamt, wie die Grafik zeigt. Aber wer in der Krise auf Größe setzt, sollte diesen Aktien Aufmerksamkeit widmen. Die Titel in der Tabelle spiegeln eine möglichst breite Branchenvielfalt wider. Ausgesprochen weit gespannte Mischkonzerne, die in mehreren Branchen tätig sind, fehlen aber.

Die Risiken einer Anlagestrategie, die auf Größe setzt, sollen auch nicht verschwiegen werden: Häufig sind diese Unternehmen, weil sie viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, relativ hoch bewertet. DWS-Mann Gebhardt sagt: "Kleine Aktien bieten oft mehr Value, aber auch mehr Risiko."

Wie sich ein Depot aus globalen Riesen zusammensetzen sollte, ist auch eine Frage der Brancheneinschätzung. In dem Titanenindex sind viele Telekommunikationswerte enthalten, zum Beispiel AT&T, British Telecom und Vodafone. Weil diese Branche zurzeit mit starken Risiken behaftet ist, fehlt sie in der Tabellenauswahl unten weitgehend. Völlig unterbewertet ist in dem Index die Branche der Versorger - dieses Geschäft fängt zurzeit auch gerade erst an, sich zu globalisieren. Dagegen sind zahlreicher Ölaktien vertreten. Als ausgesprochener Konsumwert ist nur die Einzelhandelskette Wal Mart enthalten, außerdem im Bereich der Unterhaltungselektronik Sony.

DIE AUSWAHL: Wer sich für die ausgewählten Unternehmen interessiert, sollte jeden Wert einzeln anschauen. Hier einige kurze Hinweise:

Die Citigroup gilt als Musterbeispiel eines weltweit auftretenden Allfinanzkonzerns. Sie kann Schwankungen im stark von der Börse abhängigen Bereichen wie dem Investment Banking (unter der Marke Salomon Smith Barney) durch traditionelle Geschäfte wie Versicherungen und Konsumentenkredite ausgleichen. Die Aktie bekommt von Analysten zurzeit sehr gute Noten, zum Beispiel von Lehman Brothers. Allfinanz ist auch durch den Zusammenschluss von Allianz und Dresdner Bank wieder zum Thema geworden.

Microsoft steht unter Druck wegen des Monopolprozesses. Die Gates-Company ist aber ein Beispiel dafür, wie man sich von einem einzigen Kernprodukt aus, nämlich Windows, in viele Bereiche bis hin zum Musikvertrieb ausbreiten kann.

Über Nokia hängen die Schatten des risikoreichen Mobilfunkgeschäfts. Aber selbst wenn sich die Krise dort verschärft, dürfte der Marktführer die größten Überlebenschancen haben, denn er verbindet technische Kompetenz mit großem Erfolg im Bereichen wie Design und Marketing.

Nestlé ist das Musterbeispiel eines internationalen Themenkonglomerats: mit riesigem Produktprogramm von Nescafé bis Hundefutter. Die Gewinn- und Umsatzzahlen, die in dieser Woche bekannt gegeben wurden, haben die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Anleger reagierten allerdings zunächst mit Gewinnmitnahmen, der Kurs fiel.

Pfizer finden viele Analysten interessanter als den großen Konkurrenten Glaxo Smithkline - zum Beispiel Jeffrey Stevens von J.P. Morgan und David Beadle von UBS Warburg. Glaxo habe "wenig Wachstumstreiber im Portfolio", meint auch Giusep Demont von Vontobel. Die Medikamente, die Pfizer anbietet oder noch entwickelt, gelten als aussichtsreicher.

Totalfina Elf ist etwas kleiner als die Giganten BP und Royal Dutch. Die meisten Analysten trauen Total und zum Beispiel der italienischen Eni mehr Wachstum zu als etwa der britischen BP. Insgesamt sehen Analysten die Branche trotz der sinkenden Ölpreise als recht stabil an - möglich sei aber eine Stagnation auf hohem Niveau.

Toyota gilt als hervorragend gemanagter Autokonzern. Das Unternehmen leidet freilich unter der allgemeinen Schwäche in Japan.

Wal Mart ist der weltweit größte Einzelhändler mit Schwerpunkt im Billiggeschäft. Im Heimatmarkt USA hat der Gigant eine starke Position, in Europa tritt er gegen andere Riesen wie zum Beispiel die französische Carrefour an. Die meisten Analysten, zum Beispiel Nicholas Jones von Goldman Sachs und das Einzelhandelsteam von Crédit Lyonnais bevorzugen Wal Mart vor Carrefour. Eine Stärke des Betreibers von Hypermarkets: In der Krise kaufen die Leute auch ihre Textilien und Haushaltswaren lieber billig ein.

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