Größer als Franz Josef Strauß
Stoiber hat ein politisches Freilos gezogen

Es ist der Tag des Triumphs für Edmund Stoiber. Begeistert wird Stoiber von seinen Anhängern gefeiert. Von einem epochalen Ergebnis spricht der lachende CSU-Chef.

HB MÜNCHEN. Ministerpräsident Edmund Stoiber kann seine Freude kaum verbergen. Die Zweidrittelmehrheit für die CSU in Bayern sei ein "sensationelles und epochales Ergebnis", sagt der 61-Jährige am Sonntagabend bewegt. Nach der Niederlage als Kanzlerkandidat der Union vor einem Jahr ist der historische Rekord der CSU ein persönlicher Triumph für den ehrgeizigen Ober-Bayern.

Ein "Denkzettel" für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) müsse die Bayern-Wahl werden, hatte er seinen Zuhörern im Wahlkampf immer wieder eingehämmert. Für dieses Ziel arbeitete er in den vergangenen Wochen und Monaten wie ein Getriebener. Dabei gehe es ihm nicht um persönliche Revanche, sondern um die Sache, versichern Vertraute. "Man wird künftig vielleicht noch etwas mehr auf das Wort des bayerischen Ministerpräsidenten hören", sagt er selbst.

Mit seinem Traumergebnis vom Sonntag hat Stoiber ein politisches Freilos gezogen: Als stärkster Ministerpräsident der Union kann er in der Bundespolitik mehr denn je mitmischen. Auch das Bundespräsidentenamt würde ihm die Schwesterpartei CDU kaum verwehren - wenn er nur wollte. Parteifreunde sind aber der Meinung, dass Stoiber insgeheim am ehesten mit einer zweiten Chance als Kanzlerkandidat liebäugelt, auch wenn er selbst das schlicht "Unsinn" nennt. Bei der nächsten regulären Bundestagswahl im Jahr 2006 wäre er knapp 65 Jahre alt.

In der eigenen Partei hat der Prädikatsjurist mit dem grandiosen Wahlergebnis um 62 Prozent seinen einstigen Lehrmeister Franz Josef Strauß überflügelt. Der hatte als designierter Ministerpräsident sein Spitzenergebnis 1978 mit 59,1 Prozent. Strauß war es, der den selbstbewussten jungen Stoiber 1974 nach dessen Einzug in den Landtag "entdeckte" und bald zu seinem Generalsekretär, später zum Chef der Staatskanzlei machte.

1993 setzte sich Stoiber, inzwischen bayerischer Innenminister, im Machtkampf mit Ex-CSU-Chef Theo Waigel als Nachfolger von Max Streibl als neuer Bayern-Regent durch. Seit Anfang 1999 steht er auch an Spitze der Partei. Wie groß sein Rückhalt dort ist, zeigte das Rekordergebnis von 97 Prozent, das er auf dem Parteitag im Juli bei seiner Wiederwahl einfuhr.

Dass die Bayern mit der Arbeit ihres umtriebigen Landesvaters zufrieden sind, haben sie am Sonntag deutlich gezeigt. In den zehn Jahren seiner Regierungszeit hat Stoiber den weißblauen Freistaat unter dem Schlagwort "Laptop und Lederhose" zum High-Tech-Standort ausgebaut, wenngleich auch hier seit zwei Jahren der Konjunkturmotor stottert und die Opposition ihm in mehreren Landesaffären Versagen vorwarf.

Für Privates, den Sport, seine drei Kinder und zwei Enkel, bleibt Stoiber kaum Zeit. Ein Muss sind für den notorischen Fußballfan nur die Heimspiele des FC Bayern München. Als Alternative zur Politik könne er sich auch das Amt des Bayern-Präsidenten vorstellen, hat er einmal gesagt. Dieser Plan dürfte vorerst aufgeschoben sein.

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