Größte Aktienplatzierung des Jahres – Weitere Investitionen geplant
Infineon wagt Großemission

Der Chipkonzern Infineon will trotz weit verbreiteter Skepsis die geplante Kapitalerhöhung schnell durchziehen. Mitten in der Krise sollen umfangreiche Investitionen die Grundlagen für bessere Zeiten schaffen.

cbu/ut MÜNCHEN. Knapp zwei Wochen nach einer Gewinnwarnung wagt sich der Münchener Halbleiterhersteller Infineon Technologies mit einer milliardenschweren Aktienemission an den Kapitalmarkt. Kritik am Zeitpunkt wies Infineon - Chef Ulrich Schumacher am Montag vehement zurück. "Sie müssen den unternehmerischen Mut haben, im Abschwung zu investieren", sagte Schumacher. Der Halbleiter-Markt sei sehr schnelllebig, "im Guten wie im Schlechten", meinte der Infineon - Chef. Deshalb sei es jetzt sinnvoll, in neue Technologien zu investieren. Schumacher hatte sich erst gestern im Handelsblatt skeptisch über die weitere Entwicklung der Chipmärkte geäußert. Er erwarte keine schnelle Erholung, sagte er

.

Bis Mitte Juli will Infineon bis zu 60 Millionen neue Aktien platzieren. Nach derzeitigem Kurs würde dies einen Erlös von gut 1,6 Mrd. Euro bedeuten. Dies wäre die bisher größte Aktienplatzierung eines deutschen Unternehmens in diesem Jahr. Die Deutsche Börse erlöste bei ihrem Börsengang etwa eine Mrd. Euro, der Frankfurter Flughafen rund 800 Mill. Euro.

Die Stimmung an den Kapitalmärkten ist derzeit sehr schlecht, kleinere Börsengänge wurden zuletzt abgesagt. Nach Angaben Schumachers hat Infineon deshalb in erster Linie institutionelle Investoren im Visier, vor allem aus den USA. Eine aufwendige Marketing-Kampagne für Privatinvestoren oder einen Rabatt für Kleinanleger werde es nicht geben. Siemens, derzeit noch mit 56 % an Infineon beteiligt, will kein frisches Kapital zuschießen. Der Siemens-Anteil an Infineon wird damit auf 51 % sinken.

Schumacher will den Erlös für Investitionen, Zukäufe und zum Abbau kurzfristiger Schulden verwenden. Ausgebaut werden soll vor allem das Infineon-Werk in Dresden. Dazu haben die Bundesregierung und das Land Sachsen eine Bürgschaft über 400 Mill. Euro gegeben. In Dresden wird die so genannte 300-Millimeter-Technologie umgesetzt. Dabei werden zur Chipproduktion größere Silizium-Scheiben als bisher verwendet. Infineon, bei dieser Technologie nach eigenen Angaben weltweit führend, hofft auf Kostenvorteile von rund 30 %.

Zwar meinte Finanzvorstand Peter Fischl am Montag, die erste Resonanz bei professionellen Anlegern im Vorfeld sei ermutigend gewesen. Der Markt ist aber skeptisch. Für manche Fondsgesellschaften ist es allein eine Frage des Preises. Bei einem Kurs zwischen 21 und 23 Euro sei ein Engagement überlegenswert, sagt etwa Beate Merdes von der Fondsgesellschaft Invesco. "Wir lehnen uns zurück und schauen, was passiert", meint Ioannis Papassavvas, Manager bei DIT-Technologie. Zu den jetzigen Kursen werde er jedenfalls bei der Kapitalerhöhung nicht dabei sein.

Auch Analysten erhoffen sich einen Preisabschlag. Schumacher erwartet dagegen einen Preis für die Aktien "in der Gegend des heutigen Kurses". Die Infineon-Aktie stand am Montagt zunächst unter Druck, stieg aber bis zum Abend um mehr als 2 %.

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