Größte Demonstration seit den Terroranschlägen
Kabul: Afghanen brandschatzen ehemalige US-Botschaft

Bei einer anti-amerikanischen Großdemonstration in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist die frühere US-Botschaft in Brand gesteckt worden. Aufgebrachte Demonstranten zündeten am Mittwoch Augenzeugen zufolge mehrere Fahrzeuge an.

afp KABUL. Daraufhin sei das Feuer auf Nebengebäude der diplomatischen Vertretung übergesprungen. Feuerwehrleute der regierenden Taliban hätten versucht, den Brand unter Kontrolle zu bringen, Taliban-Kämpfer hätten die aufgebrachte Menge in Schach gehalten. Die US-Botschaft steht seit der Einnahme Kabuls durch die Taliban im Jahr 1996 leer. Unterdessen erzielten die Nordallianz der Taliban-Gegner nach eigenen Angaben weitere Geländegewinne im Norden Afghanistans. Angesichts erwarteter US-Angriffe wegen der Terroranschläge vom 11. September sieht sich die Nordallianz derzeit im Aufwind. Sie soll von den USA massiv mit Waffen und Material versorgt werden.

An der größten Demonstration in Kabul seit den Terroranschlägen in den USA am 11. September nahmen Tausende Menschen teil, unter ihnen Staatsbedienstete, Studenten und Ladeninhaber. Die Demonstranten riefen Losungen wie: "Tod den Vereinigten Staaten", "Tod für Bush" und "Lang lebe der Islam". Auf mitgeführten Bannern protestierten sie gegen die von den USA angekündigten Vergeltungsangriffe. Die USA sind dabei, Afghanistan militärisch immer mehr einzukreisen. Sie beschuldigen die dort herrschenden radikalislamischen Taliban, dem Moslemextremisten Osama bin Laden Unterschlupf zu gewähren. Washington sieht ihn als Drahtzieher der Anschläge in New York, Washington und Pennsylvania an.

Die bewaffnete Opposition habe in der nördlichen Provinz Takhar sechs strategische Positionen der Taliban erobert, sagte ein Sprecher von Mohammad Fahim, dem Militärchef der Nordallianz. Die Offensive konzentriere sich auf die Distrikte Hasar Bagh und Siarat, etwa 25 Kilometer von der Provinzhauptstadt Talokan entfernt. Die Nordallianz rechnete mit einem Gegenangriff der Taliban. Diese meldeten der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge die Rückeroberung des Saare-Distrikts in der Provinz Balk. Auch der Kades-Distrikt in der benachbarten Provinz Badgis sei wieder in ihrer Gewalt, teilte der Taliban-Gouverneur der Provinz Herat mit. Am Dienstag hatte die Nordallianz militärische Erfolge an der Grenze zu Tadschikistan und Usbekistan gemeldet. Die Taliban kontrollieren etwa 90 Prozent des afghanischen Staatsgebiets.

In der südpakistanischen Hafenstadt Karachi verboten die Behörden am Mittwoch wegen befürchteter Zusdammenstöße mit militanten Moslems eine Anti-Terror-Demonstration. Pakistan unterstützt die USA im Kampf gegen den Terrorismus. Dem mehrheitlich islamischen Land, in dem es zahlreiche Anhänger bin Ladens gibt, droht deshalb eine Zerreißprobe.

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