Größte Dortmunder Brauerei leidet seit Jahren unter dem hohen Anteil von Billigbieren
Großaktionär bewahrt DAB vor Insolvenz

Die Dortmunder Actien-Brauerei ist so schwer angeschlagen, dass sie ohne Hilfe von außen wegen Überschuldung zum Konkursrichter gehen müsste. Diese Perspektiven vermittelte Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Kallmeyer, Vorstandsvorsitzender des Großaktionärs Binding AG, -Brauerei gestern in Dortmund.

kv DORTMUND. Die DAB, die in den Jahren zuvor unter dem Strich mit einigen Mühen stets ausgeglichen abschloss, muss für das Geschäftsjahr 2000 bei gut 200 Millionen Euro Umsatz einen Bilanzverlust von 30,5 Millionen Euro ausweisen. Davon entfallen etwa 8,5 Millionen Euro auf operative Verluste. und rund 22 Millionen Euro auf Nachholung von Rückstellungen für alte Pensionszusagen, die "durch die nachhaltige Verlustsituation der Gesellschaft notwendig geworden ist". Das Grundkapital der DAB von gut 17 Millionen Euro wäre damit aufgezehrt. Rücklagen sind lediglich mit 0,5 Millionen Euro vorhanden. Zur Vermeidung des gesetzlich vorgeschriebenen Insolvenzantrages hat die zur Oetker-Gruppe gehörenden Binding-Brauerei Darlehen in Höhe der Überschuldung gewährt.

Damit hat die Krise der DAB einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Grunde reicht die Misere bis in das Jahr 1972 zurück. Damals kaufte das Unternehmen auf Geheiß Oetkers die Dortmunder Hansa-Brauerei. Von den damit verbundenen hohen Zinslasten hat sich die DAB in der Folgezeit nicht mehr erholt. Die Mittel für die notwendigen Investitionen in den Markt waren nicht vorhanden. Das Abgleiten in den Billigmarkt war die Folge. Immer wieder waren Sanierungen notwendig, bei denen auch die Oetker-Gruppe einsprang. Die Aktionäre warten seit Anfang der 90er-Jahre auf eine Dividende.

Der DAB-Hauptversammlung am 29. Mai wird zur Kapitalsanierung zunächst ein Kapitalschnitt vorgeschlagen, mit dem das Grundkapital auf 666000 Euro herabgesetzt wird. Dadurch verringert sich der rechnerische Anteil je Aktie am Grundkapital auf einenEuro. Es werden keine Aktien zusammengelegt, wie es sonst bei Kapitalherabsetzungen üblich ist. Anschließend wird das Grundkapital im Verhältnis 1:8 auf 5,99 Millionen Euro aufgestockt. Bezugspreis der neuen Aktien soll 3,66 Euro sein. Die DAB-Aktie wurde jüngst zwischen 36 und 37 Euro gehandelt - jedoch auf Basis der 50-DM-Aktie (25,56 Euro). Binding will außer den Aktien, die auf die eigene Quote von 76% entfallen, alle weiteren neuen Papiere beziehen, die von anderen Anteilseignern nicht übernommen werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der DAB insgesamt 19,5 Millionen Euro neue Mittel zufließen. Dies reiche aus, um das negative Eigenkapital auszugleichen und das neue Grundkapital zu decken.

Mit der Kapitalsanierung soll es Binding-Chef Kallmeyer gelingen, auch alle wesentlichen Altlasten zu tilgen, deren Ursprünge teilweise Jahrzehnte zurückreichen und von denen die Lücke bei den Pensionsrückstellungen die gravierendste ist. Binding wird die DABauch 2001 weiter stützen müsen. Denn erneut fallen operative Verluste und Aufwendungen für Sparmaßnahmen an.

Nach bisherigen Ankündigungen sollen von den 576 Stellen der DAB 120 bis zum Jahr 2003 gestrichen werden. Dabei sollen die Bereiche Handel, Marketing und Export nach Frankfurt zur Binding-Brauerei verlagert werden. Außerdem wird sich die DAB von Billigbieren so schnell wie möglich trennen. Hier liegt nach Auffassung von Marktbeobachtern eins der Hauptübel für die Ertragsschwäche. Von den zuletzt 3,9 Millionen hl Ausstoß entfallen rund 2,9 Millionen hl auf Billigbiere.

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