Größte europäische Franchisekette für Heimtierbedarf sucht Geldgeber für Expansion
Fressnapf hat Hunger auf frisches Kapital

Die Zoo-Handelskette Fressnapf hat ehrgeizige Wachstumspläne: Unternehmenschef Torsten Toeller will in fünf Jahren den Umsatz auf eine Milliarde Euro verdoppeln - und das bei einem stagnierenden Markt. Der Kampf um das, was Hund und Katze wünschen, wird härter.

KREFELD. Mit einer Verkaufsfläche von 1 600 Quadratmetern und einer Investition von zwei Mill. Euro hat die Krefelder Franchisefirma Fressnapf Tiernahrungs GmbH in Berlin die bisher größte Zoohandlung inklusive begehbarem Piranha-Becken und Voliere für exotische Papageien eröffnet. "Wir wollen solche Erlebnis-Märkte in allen größeren Städten einrichten," sagte Fressnapf-Geschäftsführer und-Inhaber Torsten Toeller dem Handelsblatt. Bislang verkaufen knapp 90 der 441 Fressnapf-Läden lebendige Tiere. Nach und nach will das Unternehmen nun aufrüsten.

Toeller gilt als der Shooting-Star der Branche. Mit einem 50 000 DM-Darlehen seiner Eltern startete er in die Selbstständigkeit, nachdem sein ehemaliger Arbeitgeber Markant ein von ihm nach dem Vorbild US-amerikanischer Pet-Stores entwickeltes Tierfachmarkt-Konzept verworfen hatte. Im Jahr 1990 eröffnete er seinen ersten Markt im rheinischen Erkelenz. Der Erfolg kam mit der Einführung des Franchise-Systems. Heute ist Fressnapf die größte europäische Franchise-Kette im Heimtierbereich.

Toeller, der Fressnapf gerne mit der Optiker-Kette Fielmann vergleicht, will in Deutschland und Europa zügig weiter expandieren. Für das angepeilte Wachstum braucht Fressnapf aber frisches Geld. Das will sich Toeller spätestens 2003/04 an der Börse oder - angesichts des trüben Börsenklimas - über eine Finanzbeteiligung besorgen. Verschiedene Venture Capital Gesellschaften hätten bereits vorgefühlt. "Wir können unsere Wachstumspläne nicht aus dem Cash-Flow stemmen", sagte Toeller. Expansion in der Tierbedarfsbranche bedeutet in Deutschland beinharter Verdrängungswettbewerb über den Preis. Fressnapf setzt dabei auf Einkaufsmacht und bietet neben den großen Marken wie Kitekat, Frolic und Whiskas auch eigene Niedrigpreis- und Premium-Marken an.

Den Markt beziffert der Industrieverband Heimtierbedarf auf 2,8 Mrd. Euro. Er stagniert bei einer Wachstumsrate von 0,1 %. Mit 0,8 % auf 945 Mill. Euro legte das Katzenfutter am stärksten zu. Hundefutter kommt auf knapp 850 Mill. Euro (plus 0,1 %). Fressnapf konkurriert nicht nur mit Franchise-Ketten wie Zoo & Co. (110 Standorte) oder "Das Futterhaus" (85), sondern auch mit Discountern wie Aldi und dem Lebensmitteleinzelhandel, über den etwa 75 % der Fertig- nahrung und 16 % der Bedarfsartikel verkauft werden.

Fressnapf plant den Bau eines zweiten Logistikzentrums in Süddeutschland für knapp 40 Mill. Euro. In Krefeld steht das erste Lager, aus dem die Läden mit über 10 000 Artikeln vom Hundefutter über Katzenstreu bis hin zu getrockneten Schweineohren beliefert werden. Außerdem führt Toeller Verhandlungen über den Einstieg der Kette in Italien und Frankreich. In den Niederlanden (17 Läden), Österreich (18), der Schweiz (14) und Luxemburg (1) ist Toeller präsent.

Fressnapf steigerte 2001 den Umsatz um 32 % auf 371,5 Mill. Euro. Knapp 8 % davon erzielte die Gruppe im Ausland. Auf bestehender Fläche betrug das Umsatzplus 8 %. Etwa zwei Drittel der Erlöse entfielen auf Tiernahrung und ein Drittel auf Zubehör, vor allem für Hunde und Katzen. Gewachsen ist Toeller auch durch den Einstieg einiger bestehender Fachmarktketten und Zoofachhändler. Im Jahr 2001 stieß etwa Deutschlands größter Zoofachhändler Kölle Zoo hinzu.

In diesem Jahr will Toeller mit 500 Läden 470 Mill. Euro Umsatz erzielen, in fünf Jahren soll es doppelt so viel sein. Jedes Jahr sollen rund 100 Filialen hinzu kommen, davon knapp die Hälfte in Deutschland.

Das Interesse der Franchisenehmer sei ungebrochen, sagte Toeller. Die Franchisegebühr beträgt 1 % vom Bruttoumsatz. Beschäftigt werden inzwischen knapp 2 000 Mitarbeiter. Toeller sagte, dass die Umsatzrendite vor Steuern der Franchisenehmer mit durchschnittlich 7 % deutlich über der im Einzelhandel üblichen Rendite liege. Doch eine Sprecherin des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe warnt: "Man sollte nicht alles glauben, was die Unternehmen behaupten."

Quelle: Handelsblatt

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