Größte Insolvenz in der internationalen Luftfahrtindustrie
United Airlines ist zahlungsunfähig

United Airlines, die zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt, ist zahlungsunfähig. Der wichtigste Partner der Lufthansa in der "Star Alliance" beantragte am Montag angesichts einer drückenden Schuldenlast Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Konkursrechts.

HB/dpa CHICAGO/FRANKFURT. Die Airline will nach dem für die Branche beispiellosen Konkurs ohne Unterbrechung weiterfliegen und hofft auf eine zügige Sanierung. Die Mitgliedschaft in der "Star Alliance" sei nicht gefährdet. Die Lufthansa prüft finanzielle Hilfen.

United will sich innerhalb von 18 Monaten sanieren und wieder Gewinne schreiben, betonte Konzernchef Glenn Tilton. "Ich will so rasch wie möglich aus dem Konkurs herauskommen." Der Antrag auf Gläubigerschutz für die Konzernmutter UAL Corp. und ihre Haupttochter United Airlines wurde in einem Konkursgericht in Chicago im Rahmen von Kapitel Elf des US-Konkursrechtes gestellt, der eine Weiterführung der Geschäfte und Sanierungsbemühungen unter Aufsicht eines Konkursrichters ermöglicht. United dürfte in dem Konkursverfahren nach Meinung von Luftfahrtexperten stark schrumpfen.

Die UAL-Aktie fiel im frühen Handel um rund zehn Prozent auf 0,84 Dollar. Noch Ende November hatte das Papier bei vier Dollar notiert, nach rund 100 Dollar im Jahre 1998. Die Aktienbesitzer dürften in dem Konkursverfahren ganz leer ausgehen. United ist hoch verschuldet, leidet unter extrem hohen Tarifkosten und unter einem drastischen Geschäftsschwund im Gefolge der Terrorattacken vom 11. September 2001. Hinzu kommen die schlechte Nachfrage bei Geschäftsreisen, die US-Konjunkturprobleme und der Siegeszug der Billigfluglinien Southwest und JetBlue.

Die US-Fluggesellschaften hatten im vergangenen Jahr Gesamtverluste von neun Milliarden Dollar verbucht, und für dieses Jahr dürften rote Zahlen von insgesamt acht Milliarden Dollar anfallen. Der United-Konkurs stellt die Pleiten traditionsreicher US- Fluggesellschaften wie Pan-Am, Eastern, Braniff und TWA weit in den Schatten. Mit UAL-Vermögenswerten von 24,2 Milliarden Dollar handelt es sich um den bisher siebtgrößten US-Konkurs überhaupt.

Lufthansa-Chef Jürgen Weber zeigte sich zuversichtlich, dass United eine Sanierung schaffen kann. "Wir prüfen zur Zeit, ob wir United Airlines zusätzlich zu den bereits eingeleiteten kommerziellen Maßnahmen auch ohne Risiko für Lufthansa finanziell unterstützen können", sagte er in Frankfurt. Mögliche Risiken für die Lufthansa seien gering und als beherrschbar zu bezeichnen. Tilton und Weber standen in diesen Tagen in engem Kontakt.

United kontrolliert 20 Prozent des gesamten US-Flugverkehrs und wichtige Transatlantik- und Pazifik-Strecken. Sie hat seit Anfang 2001 insgesamt 3,8 Milliarden Milliarden Dollar Verluste verbucht. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 16,1 Milliarden Dollar. Die United hat täglich fast 1800 Flüge und hat noch 83 000 Beschäftigte.

Die Airline hatte sich für die Fortsetzung ihrer Geschäfte während des Konkursverfahrens eine Gesamtfinanzierungen von 1,5 Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) beschafft und hat außerdem selbst noch 800 Millionen Dollar Barmittel verfügbar. Im vierten Quartal werden nach Angaben der United noch Schulden von 875 Millionen Dollar fällig. Hätte die Fluggesellschaft gezahlt, statt den Konkursantrag zu stellen, hätte sie kein Geld mehr in der Kasse gehabt.

UAL-Konzernchef Tilton will während des Konkursverfahrens "weitreichende und stärkere Kostensenkungsanstrengungen unternehmen". Die United-Mitarbeiter halten 55 Prozent der UAL-Aktien und drei der zwölf Sitze im Verwaltungsrat der United-Mutter. Sie hatten kürzlich 5,2 Milliarden Dollar Tarifzugeständnisse für die kommenden fünfeinhalb Jahre angeboten. Das war aber der Hilfsbehörde für die US-Airlines viel zu wenig gewesen. Sie lehnte deshalb in der vergangenen Woche eine staatliche Kreditgarantie von 1,8 Milliarden Dollar ab. Der Gang zum Konkursrichter wurde damit unvermeidbar.

Ein Sprecher der Flugbegleitergewerkschaft erwartet weitere Tarifkürzungen. Es sei eine "beispiellose Kooperation zwischen Mitarbeitern und Management notwendig, um die United wieder zu einer führenden Fluggesellschaft zu machen. Paul Whiteford, der Chef der United-Pilotengewerkschaft, geht ebenso wie Konzernchef Tilton davon aus, dass die United gestärkt aus dem Konkursverfahren herauskommt.

Lufthansa und United gehörten 1997 zu den Gründungsmitgliedern des weltweit führenden Airline-Bündnisses "Star Alliance". Erst in November hatten sie eine engere Kooperation vereinbart, die auch zu Einsparungen führen soll. Beschlossen wurde unter anderem, die Preis- und Marketingstrategien stärker aufeinander abzustimmen und auch bei Flugplänen, Verkauf und Kundendienst enger zusammenzuarbeiten.

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