Größte Pleite der DTB-Geschichte
Olympia endet als Tennis-Schmach

Erstmals seitdem Profi-Tennis vor 20 Jahren in den Kreis der olympischen Sportarten aufgenommen wurde und Steffi Graf Gold geholt hatte, blieben die deutschen Tennisspieler ohne Medaille. Und noch nie haben sie dermaßen enttäuscht.

HB PEKING. Nach dem Offenbarungseid des deutschen Tennis bei den Olympischen Spielen in Peking trug am Donnerstag selbst der Himmel Trauer. Bei stundenlangem Regen herrschte Tristesse im Olympic Green Tennis Center, das Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler nach ihrem mehr oder minder blamablen Auftreten tags zuvor verlassen mussten.

Ohnehin durften nur zwei Spieler nach China reisen; die anderen waren zu schwach oder verletzt wie der Augsburger Philipp Kohlschreiber. Von den Damen des Deutschen Tennis Bundes (DTB) hatte nicht eine die Qualifikation geschafft. Und auch bei Schüttler bedurfte es erst eines Urteils des obersten Sportgerichtshofs CAS, ehe der Wimbledon-Halbfinalist die vom Tennis-Weltverband errichtete Hürde übersprungen hatte. Dass Kohlschreiber danach seine Teilnahme absagte, habe an einer Oberschenkelverletzung gelegen und nicht etwa daran, dass Kiefer eiligst vermeldete, nun doch lieber mit dem Korbacher im Doppel antreten zu wollen.

Die Entscheidung schien logisch zu sein, wenngleich sie einem Affront gegen Kohlschreiber gleichkam. Für Kiefer/Schüttler sollte Peking die Fortsetzung des olympischen Traums von Athen sein, wo beide vor vier Jahren Silber geholt hatten. Was daraus wurde, ist bekannt. Ärgerlich war die Art und Weise des Ausscheidens, das ohne erkennbare Gegenwehr gegen die Österreicher Julian Knowle/Jürgen Melzer geschah. Sie seien nach ihren schweren Einzel-Matches stehend k.o. gewesen, merkten beide an. Kiefer klagte zudem über eine ganze Reihe von Zipperlein, was die Frage provozierte, ob ein Turnier unter solch klimatisch schweren Bedingungen womöglich nichts mehr für 31- bzw. 32-jährige Tennis-Rentner ist.

"Das ist keine Frage des Alters", meinte Kiefer, blieb den Beweis gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu im Einzel-Achtelfinale aber schuldig. Kein Aufbäumen, keine Emotionen auf dem Platz - und auf den Rängen stummes Entsetzen über den saft- und kraftlosen Auftritt des bekennenden Olympia-Fans, der noch vorher von dem tollen Gefühl geschwärmt hatte, bei Olympia dabei zu sein. Motivation, das letzte aus dem müden Körper hervorzulocken, war dies offenbar nicht. Und so bleibt Olympia als Schmach für das deutsche Tennis in Erinnerung.

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