Größte Pleite nach dem Krieg
Kirch-Gruppe hat Insolvenzantrag gestellt

Die Kirch-Gruppe hat einen Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft gestellt. Das sagte ein Sprecher des Amtsgerichts München am Montag der dpa.

HB/dpa MÜNCHEN. Gemessen am Schuldenstand handelt es sich um die größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Kirch-Gruppe ist mit mehr als 6,5 Milliarden Euro verschuldet.

Nach Angaben des Gerichts stellte Kirch den Antrag für die Kirch Media, zu der unter anderem der TV-Konzern ProSiebenSAT.1 und der Filmrechtehandel gehören. Außerdem gehören dazu die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga. Die KirchMedia beschäftigt 5 500 Mitarbeiter, in der gesamten Kirch-Gruppe sind es knapp 10 000 Beschäftigte. Die Banken wollen durch eine Auffanglösung verhindern, dass die KirchMedia zerschlagen wird.

Unklar ist noch, ob eine Auffanggesellschaft gegründet werden soll oder ob die Gesellschaft während des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung fortgeführt wird. Einzelheiten werden voraussichtlich heute Nachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

Gründung einer Auffanggesellschaft

Nach den Vorstellungen der Banken soll eine Auffanggesellschaft gegründet werden, die dann den sanierungsfähigen Teil, insbesondere das TV-Geschäft und den Rechtehandel, erwirbt. Das setzt jedoch das Einverständnis des Insolvenzverwalters voraus. Möglicherweise gehen die Beteiligten am heutigen Nachmittag bereits an die Öffentlichkeit.

Auch der Axel Springer Verlag will eine zentrale Rolle übernehmen. "Eine strategische Position in der Auffanggesellschaft erwarten wir schon", hieß es am Sonntag bei Europas größtem Zeitungskonzern. Insider sprechen von einem Anteil von 25 %, den Springer an der Auffanggesellschaft übernehmen will. Aus Bankkreisen verlautete, man sei für ein Engagement Springers offen, wenn der Verlag auch frisches Kapital mitbringe. Springer-Chef Mathias Döpfner hatte mit seiner Forderung über 767 Millionen Euro die Kirch-Krise im Januar ausgelöst. Jetzt steht er möglicherweise mit leeren Händen da, weil seine Forderung (Put-Option) mit der Kirch-Insolvenz nahezu wertlos werden könnte. Döpfner, der zuletzt erstmals Verluste für den Springer-Konzern ausweisen musste, wollte sich mit den Kirch-Geldern sanieren. Zudem wird die WAZ-Gruppe als Partner für die Auffanglösung gehandelt. Die bisherigen Kirch-Partner Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi sind dagegen mit der Insolvenz zunächst außen vor.

Gleichzeitig wurde aus der Kirch- Gruppe am Sonntag bestätigt, dass die Rechte an der Fußball-WM 2002 und 2006 voll an die Schweizer Tochterfirma Kirch-Sport übertragen wurden. Dies sei auf Wunsch des Weltfußballverbandes Fifa und mit Zustimmung der Banken erfolgt. Kirch und sein Vize Dieter Hahn könnten sich dadurch aber nicht persönlich bereichern.

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