Größter Auftrag im Rahmen der Rentenreform
Allianz wird Konsortialführer der Metall-Rente

Der Münchener Allianz-Konzern wird als Konsortialführer mit seiner Tochter Dresdner Bank die ab 2002 staatlich geförderte betriebliche Altersvorsorge für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche organisieren. Damit hat Europas größter Allfinanz-Konzern den größten Auftrag erhalten, der im Zusammenhang mit der Rentenreform in Deutschland zu vergeben war.

Reuters BERLIN. Als weitere Anbieter ihres Vorsorgewerks präsentierten die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall am Dienstag in Berlin die Victoria Versicherung, den Finanzdienstleister BHW und die Westdeutsche Landesbank. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel schätzt, dass bereits in zwei Jahren über eine Million Beschäftigte Beiträge in die Metall-Rente einzahlen werden.

Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatten im September die Metall-Rente aus der Taufe gehoben, in die die Beschäftigten bis zu vier Prozent ihres Einkommens für eine staatliche geförderte Zusatzrente einzahlen können. Für die Geldanlage wird die Allianz zusammen mit den anderen Konsortialmitgliedern sowohl die Möglichkeit eines Pensionsfonds als auch einer Pensionskasse und die Alternative einer Direktversicherung anbieten. Daraus sollen die Unternehmen Angebote für ihre Beschäftigten auswählen können. Erste Angebote sollen in den ersten drei Monaten 2002 auf den Markt kommen.

Im Oktober hatten bereits die Tarifparteien der chemischen Industrie die Münchener Hypo-Vereinsbank mit der Gründung eines Pensionsfonds für die rund 600 000 Beschäftigten ihrer Branche beauftragt.

Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser machten bei der Präsentation in Berlin klar, dass die Metall-Rente für weitere Branchen offen sei und sich auch weitere Finanzdienstleister daran beteiligen könnten. Die Stahlindustrie, die westdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie und das textile Dienstleistungsgewerbe hätten sich bereits dafür entschieden. Damit käme die Metall-Rente auf annähernd vier Millionen potenzielle Beitragszahler.

Zwickel sagte, er erwarte, dass anfangs bis zu 400 000 Beschäftigte von dem neuen Angebot Gebrauch machen werden. Eine durchschnittliche Jahreszahlung von 1000 ? je Beitragszahler vorausgesetzt, würde die Metall-Rente im ersten Jahr auf ein Beitragsvolumen von 400 Mill. ? kommen. Innerhalb von zwei Jahren werde die Zahl der Beitragszahler vermutlich eine Million übersteigen. IG-Metall-Vize Jürgen Peters zeigte sich optimistisch, dass in zehn Jahren die Beitragsgrenze von zehn Mrd. DM überschritten werde. Die Beiträge werden von den Arbeitnehmern zunächst allein aufgebracht. In künftigen Tarifrunden will die IG Metall nach eigenen Angaben aber eine Beteiligung der Arbeitgeber durchsetzen.

Ford bietet als erster die Metall-Rente an

Mit wachsendem Beitragsvolumen könnten weitere Finanzdienstleister zu dem Konsortium hinzustoßen, sagte Zwickel weiter. Er fügte hinzu, das Interesse in den Betrieben "enorm". Als erstes Großunternehmen bieten die Kölner Ford-Werke ihren Mitarbeitern die Metall-Rente an. Mit dem deutsch-amerikanischen Autokonzern DaimlerChrysler wird nach Angaben der Metall-Tarifparteien noch darüber verhandelt. Zahlreiche andere Großunternehmen - darunter Volkswagen - bieten ihren Beschäftigten eigene Altersvorsorgemöglichkeiten an. Deshalb richtet sich die Metall-Rente in erster Linie an kleinere und mittelständische Firmen, die kein eigenes Angebot aufstellen wollen.

Als besonderen Vorteil der Metall-Rente hob der Geschäftsführer des Vorsorgewerks und frühere Leiter der Tarifabteilung der IG Metall, Heribert Karch, hervor, dass durch Gruppenversicherungsverträge bei der Metall-Rente erheblich geringere Kosten anfielen als bei Einzelverträgen. Dadurch könne die Metall-Rente rentabler sein als andere vergleichbare Angebote von Versicherungen und Banken.

Erste Angebote kommen im ersten Quartal auf den Markt

Anders als nach US-Modell wolle die Gewerkschaft keinerlei Einfluss auf die Anlagepolitik des Pensionsfonds nehmen. "Davon grenzt sich die Metall-Rente bewusst ab", sagte Karch weiter. Nach seinen Worten soll ein Ausschuss des Vorsorgewerks lediglich Anlagegrundsätze festlegen, innerhalb deren Grenzen das Konsortium in der Geldanlage frei sein soll. Erste Angebote der Metall-Rente sollen in den ersten drei Monaten 2002 auf den Markt kommen.

Verbraucherschützer begrüßten die Angebote der betrieblichen Altersvorsorge und rieten Beschäftigten zu dieser Anlageform. Deren Kollektivverträge seien wesentlich günstiger als privat abgeschlossene Einzelverträge, sagte der Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Carlos Mari. Einzelverträge seien wegen hoher Verwaltungskosten und Vermittlungsprovisionen oftmals "Renditekiller".

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