Größter Belastungsfaktor ist wie so oft die Inflation
Prozente ins Depot

Aktien schlagen langfristig Renten - diese oft zitierte Grundregel für die Geldanlage wurde durch zwei schlechte Börsenjahre in Frage gestellt.

Und die Statistik liefert auch nur bedingt Argumente für die These. Das Handelsblatt hat für Deutschland ausgerechnet: Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von zehn Jahren mehr Geld mit Aktien zu verdienen als mit Anleihen, lag seit 1971 nur etwa bei 50 Prozent. In den USA lagen die Aktien hingegen deutlich besser. Ob wir uns zurzeit in einem Aktienjahrzehnt befinden, ist ungewiss: Nach dem Boom der 90er-Jahre ist trotz des zwischenzeitlichen Rückgangs eine ähnliche Entwicklung nicht unbedingt noch einmal zu erwarten. Also auf Renten setzen?

Helmut Kaiser, Leiter der strategischen Anlageberatung bei der Deutschen Bank, warnt vor übereilten Entscheidungen: "Wir stehen am Anfang eines neuen Zinszyklus, und der Markt ist gerade dabei, das in die Renditen einzupreisen." Nach den Zinssätzen, die an den Terminmärkten gehandelt werden, gehen die Börsianer derzeit davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen bis zum Jahresende um 75 Basispunkte und die US-Notenbank sogar um 200 Punkte erhöhen wird (ein Basispunkt = 0,01 Prozentpunkt). Diese Befürchtungen mögen sich als übertrieben herausstellen. Sie zeigen aber, dass der Zinstrend am Rentenmarkt momentan nicht gerade abwärts gerichtet ist - die Kurse mithin fallen.

Mittlere Laufzeiten werden besonders gerne und häufig empfohlen

Größter Belastungsfaktor ist wie so oft die Inflation. "Wir erleben derzeit, wie eine Phase mit Staatsüberschüssen in den USA übergeht in eine, in der die Finanzierung militärischer Operationen einen größer werdenden Teil des Etats verschlingt", beobachtet Kaiser. "Und steigende Staatsausgaben, das zeigt die Vergangenheit, haben bisher noch jedes Mal für steigende Inflationsraten gesorgt."

Dennoch: Anleihen sollten bei einem langfristigen Vermögensaufbau in keinem Depot fehlen, um das Risiko der Aktien abzufedern. Doch welche Papiere empfehlen sich? Eine entscheidende Größe ist die so genannte Restlaufzeit, also die Frist bis zur planmäßigen Einlösung des Papiers. Peter Knacke von der Commerzbank empfiehlt zurzeit "eine Verkürzung der Laufzeit" oder sogar Papiere mit einem variablen Zins. Er glaubt wie viele andere Experten, dass sich die Konjunktur wieder erholt und die Zinsen steigen werden. Da empfiehlt es sich, vor dem Einstieg in lang laufende Papiere auf bessere Zeiten mit höheren Renditen zu warten. Knacke weist darauf hin, dass jetzt schon an guten Börsentagen die Anleihenkurse unter Druck geraten, weil die Investoren in Aktien umschichten.

Möglicherweise bieten gerade solche Tage aber gute Einstiegskurse. Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus setzt zurzeit eher auf eine Verlängerung der Laufzeiten - bis hin zu sieben oder acht Jahren. Vielleicht sei das Timing nicht optimal, gerade jetzt einzusteigen, meint er, aber mittelfristig eingestellte Investoren können ruhig zugreifen. Er glaubt, dass die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihe bis Jahresende auf 4,7 Prozent sinken werden. Zurzeit verkauften viele japanische Anleger ausländische Papiere - auch im Euroraum, sagt er. Dies drücke die Kurse, aber nach seiner Einschätzung wird dieser Effekt bald nachlassen. Danach seien die sehr niedrigen Inflationserwartungen wieder maßgeblich.

Welche Papiere empfehlen sich?

Die WGZ-Bank geht davon aus, dass das Zinsniveau stabil bleibt oder moderat ansteigt. Nach Einschätzung der LBBW wird sich der Anstieg der Renditen ebenfalls in Grenzen halten. Sie empfiehlt den Anlegern kurze bis mittlere Laufzeiten. Als Gesamtbild ergibt sich also überwiegend die Erwartung eines mäßigen Anstiegs der Renditen mit entsprechend leicht zurückgehenden Kursen. Um die Risiken zu begrenzen, sind mittlere Laufzeiten angesagt.

Wer den Rentenmarkt über die Jahre beobachtet, stellt allerdings fest, dass mittlere Laufzeiten besonders gerne und häufig empfohlen werden. Das ist kein Zufall. Die Kurse lang laufender Papiere geraten bei einem Anstieg des Zinsniveaus besonders stark unter Druck, weil sie den Anleger für eine lange Frist schlechter stellen als die neuen, besser rentierenden Titel. Deswegen sind "Langläufer" nur in einer Marktsituation, wo ein Zinsanstieg sehr unwahrscheinlich ist, die erste Wahl - und so eindeutig ist die Marktlage selten. Daher lautet die häufigste Empfehlung, mittlere Laufzeiten zu wählen.

Das Problem dabei: Langfristige Papiere bringen einen höheren Zins als kurz- oder mittelfristige. Der Abstand zwischen fünf- und zehnjährigen Bundesanleihen schwankte seit 1998 zwischen null Prozentpunkten Mitte 2000 und über 0,7 Prozentpunkten 1999 und 2001, zurzeit liegt er bei einem mittleren Wert von rund 0,4. Wer zehn Jahre lang auf durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte Rendite verzichtet, dem entgehen aber (ohne Zinseszins) bei 100 000 Euro Anlage immerhin 4 000 Euro.

Eine mögliche Langfriststrategie besteht also auch darin, einfach lang laufende Papiere zu kaufen und nach Möglichkeit bis zur Fälligkeit zu behalten - ohne auf den Rat der Experten zu hören. Wirklich langfristig orientierte Anleger gehen damit kein erhöhtes Risiko ein - wer die Papiere als kurzfristige Reserve hält, allerdings schon.

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