Größter Börsengang dieses Jahres
Citigroup bringt Versicherungs-Tochter erfolgreich an die Börse

In dem größten Börsengang dieses Jahres hat der Finanzkonzern Citigroup Inc. 21 % seiner Versicherungstochter Travelers Property Casualty Cor. für fast 4 Mrd. Dollar an der New York Stock Exchange platziert.

NEW YORK. Der Kurs der Aktie legte am Freitag um mehr als 5 % zu. Die erfolgreiche Platzierung gibt auch anderen Unternehmen Hoffnung, dass die Flaute auf dem Markt für "Initial Public Offering" (IPO), schon bald vorüber sein könnte. Sie zeigt, dass Investoren solide Werte bevorzugen und nicht kleine unbekannte Unternehmen wie zu Zeiten der Internet-Euphorie. 1999 lag die Zahl der IPOs noch bei 486, viele von ihnen Dot-Coms, die noch keine Gewinne vorweisen konnten. Für dieses Jahr dagegen werden nur 60 bis 70 Börsengänge erwartet - viele von ihnen traditionelle Namen oder Töchter von bereits gelisteten Unternehmen. Mit 3,9 Mrd. $ für 210 Millionen Aktien ist Travelers der bisher größte US-Börsengang einer Versicherung. Er überholt die Versicherung Prudential Financial, die im Dezember an der Wall Street 3 Mrd. Dollar Kapital aufgenommen hatte und steht insgesamt auf Platz 6 der Hitliste der größten IPOs. Mit 18,50 Dollar lag der Preis der Aktie, die im Vorfeld neunfach überzeichnet war, nur 50 Cent unter dem oberen Limit der Preisspanne. Am Vortag war die Nestlé SA-Tochter Alcon, an die Wall Street gegangen. Der weltgrößte Hersteller von Augenpflegeprodukten platzierte erfolgreich Aktien im Wert von 2,3 Mrd. Dollar. Töchter von soliden Konzernen sind derzeit beliebt bei Investoren. Ihr Vorteil: Die Geschäftsentwicklung lässt sich über mehrere Jahre verfolgen, man kauft also Bewährtes. Mit Travelers, dem 14. Börsengang dieses Jahr, machen die Unternehmenstöchter in diesem Jahr 71 % des IPO-Kapitals aus. Neue Börsengänge von Unternehmen, die noch gar nicht an der Börse waren, bleiben dagegen rar. Alcon und Travelers waren beide schon einmal an der Börse, bevor sie von den Konzernen aufgekauft wurden. "Travelers hat ein gutes Management und hohe Profitabilität. Die Umsätze haben sich über die letzten Jahre konstant gesteigert", begründet Kevin Callahan, Analyst des Century Funds, den Kauf der Aktie. Die Prämien für Haftpflichtversicherungen steigen derzeit um 15-20 %, erklärt er. Haftpflichtversicherungen sind wieder in Mode gekommen. Nachdem die Industrie rund 50 Mrd. Dollar durch die Terroranschläge vom 11. September verloren hat, konnte sie die Prämien für bestimmte Versicherungen zum Teil verdreifachen. Die Nachfrage nach Versicherungsaktien ist derzeit so hoch, dass auch der Mischkonzern General Electric überlegt, 20 % seiner Rückversicherungstochter Employers Reinsurance an die Börse zu bringen. Die GE-Tochter könnte insgesamt mit 8 bis 10 Mrd. Dollar bewertet werden. Einige Investoren fragen sich jedoch, warum der Citigroup-Chef Sanford Weill das Geschäft verkauft, wenn es so gut läuft. Weill gilt als geschickter Taktierer. Travelers soll bis zum Jahresende völlig selbstständig sein. Citigroup will die restlichen Aktien bis auf 9 % an die Aktionäre abgeben. Arthur Hogan, Marktanalyst bei dem Finanzhaus Jefferies & Company lässt sich dadurch nicht beirren: "Getrennt sind die beiden Unternehmen mehr wert als zusammen". Der Börsengang von Travelers wurde federführend von der Citigroup-Investmentbank-Tochter Salomon Smith Barney betreut. Travelers will demnächst auch Wandelanleihen für 800 Mill. Dollar platzieren.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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