Größter Druck lastet auf der Frauen-Staffel
„Jeder soll Bestzeit schwimmen“

Cheftrainer Ralf Beckmann setzt Deutschlands Schwimmer vor den ersten WM-Starts am Sonntag in Barcelona unter Druck und nimmt sie in die Pflicht. "Wir wollen eine erfolgreiche WM", sagte Beckmann, "wir erwarten von jedem Einzelnen, dass er schneller schwimmt als im Vorjahr. Jeder soll persönliche Bestzeit schwimmen. In dem einen oder anderen Fall wird das Europa- oder sogar Weltrekord bedeuten."

HB/dpa BARCELONA. Dem Erfolg hat sich alles unterzuordnen. Mit Blick auf Staffel-Einsätze und Medaillen-Chancen müssen manche auf Mehrfachstarts verzichten. Beckmann nennt das vor Athen 2004 eine "vorolympische Bestzeit-Übung."

Der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) rechnet "mit einer WM auf einem Niveau, wie wir es noch nie hatten. Es gibt hier Weltrekorde, mehr als eine Hand voll". Und da soll auch das 30- köpfige deutsche Team im 12 000 Zuschauer fassenden Stadion "Palau San Jordi" kräftig mitmischen.

Nach dem einwöchigen Abschlusstraining auf Mallorca gibt es keine Ausreden mehr. Der größte Druck lastet auf der Frauen-Staffel, die am Sonntag den Titel über vier x 100 m Freistil zu verteidigen hat. Um einen freien Platz wird noch "gestritten". Sandra Völker, Petra Dallmann und Antje Buschschulte sind gesetzt. Katrin Meißner, in Fukuoka 2001 ebenfalls Mitglied des Gold-Quartetts, muss sich erst noch im Vorlauf empfehlen. "Ich denke schon, dass wir eine Chance haben, den Titel zu verteidigen", sagt die Hamburgerin Sandra Völker, "wir werden alles dafür tun." Und Petra Dallmann: "Die Konkurrenz ist stärker geworden. Aber ich denke, wir können mithalten." Die Heidelbergerin nimmt den Erfolgsdruck an: "Über 100 und 200 Meter sind Bestzeiten Pflicht."

Auch für Dreifach-Starterin Hannah Stockbauer gilt kein Bangemachen. Die Weltmeisterin über 800 und 1500 m Freistil nimmt ihre Favoritenrolle gelassen. Schon am Sonntag schwimmt sie über 400 m um Gold. "Die Testergebnisse sind besser als je zuvor, das stimmt mich zuversichtlich. Über 400 Meter kann ich schon mal ordentlich testen, was ich wirklich drauf habe." Der auf Mallorca verstauchte Finger ist kein Thema mehr. "Mit Schmerztabletten geht das Training echt super." Sie will es wissen.

"Wir gehen mit einer hohen Zielsetzung in diese WM", so Beckmann, "wir wollen in Europa die Nummer eins bleiben und Rang drei in der Welt hinter Australien und den USA behaupten." In Fukuoka holte das DSV-Team, wie in Barcelona ohne Superstar Franziska van Almsick, 15 Medaillen - drei aus Gold, sechs aus Silber, sechs aus Bronze.

Gold soll diesmal auch Sandra Völker holen. Beckmann hat der 29 Jahre alten Hanseatin deshalb eine Konzentration der Kräfte auf die 50 m Rücken und die Staffel verordnet. Der Start über 100 m Rücken wurde abgesagt. Beckmann: "Sie soll ohne weitere Belastung die 50 Meter Rücken angehen, wo wo sie als Weltrekordlerin auch Titel- Ambitionen hat. Alles andere wäre Tiefstapelei."

Von Tiefstapelei hält auch Rekordjäger Thomas Rupprath nichts. "Über 50 Meter Rücken habe ich eine absolute Titelchance", sagt der Wuppertaler, "über 100 Meter Schmetterling will ich Platz eins bis drei."

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