Größter Erfolg der USA
Bin-Laden-Stellvertreter in Pakistan festgenommen

Mit der Festnahme des Bin-Laden- Stellvertreters Chalid Scheich Mohammed in Pakistan ist Terrorfahndern der bisher größte Schlag gegen das Terrornetzwerk El Kaida gelungen. Mohammed gilt nach Osama bin Laden und dem Ägypter Eiman el Zawahiri als Nummer drei der Gruppe und als Hauptplaner der Terroranschläge vom 11. September.

HB/dpa ISLAMABAD/WASHINGTON. Er stand auf der US-Liste der 22 meist gesuchten Terroristen und wurde am Sonntag den USA übergeben.

Mohammed soll die Attentäter des 11. September bei den Vorbereitungen in Hamburg besucht haben, berichtete die "New York Times" am Sonntag. Er wird zudem mit allen El-Kaida-Anschlägen der vergangenen Jahre in Verbindung gebracht, darunter auch dem Angriff auf die Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba. Dabei waren vor knapp einem Jahr 19 Menschen ums Leben gekommen, darunter 14 deutsche Touristen.

Das Weiße Haus warf Mohammed vor, nach dem 11. September weitere Anschläge in den USA vorbereitet zu haben, nannte aber keine Einzelheiten. Die Verhängung der zweithöchsten Terroralamrmstufe in den USA im Februar sei aber direkt auf die Aktivitäten Mohammeds zurückzuführen, hieß es in Washington. Geheimdienste hatten alarmierende Gespräche mutmaßlicher Terroristen über bevorstehende Anschläge aufgefangen. "Fantastisch", kommentierte US-Präsident George W. Bush die Festnahme.

Mohammed wurde am Samstag in Rawalpindi nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zusammen mit zwei weiteren Männern gefasst und am Sonntag den USA übergeben und aus Pakistan ausgeflogen. Er wurde an einem unbekannten Ort festgehalten. Rechtsexperten sagten im US- Fernsehen, die Vernehmung in einem Drittland sei möglicherweise einfacher, weil Mohammed dort nicht dieselben Rechte zustünden wie einem Angeklagten in den USA.

Mohammed ist pakistanischer Abstammung, wurde aber in Kuwait geboren und ist nach US-Angaben 38 oder 39 Jahre alt. Er wird mit dem Anschlag auf den US-Zerstörer "USS Cole" in Aden im Jahr 2000 und die Anschläge auf US-Botschaften 1998 in Kenia und Tansania in Verbindung gebracht. Dabei waren insgesamt 241 Menschen ums Leben gekommen. Außerdem soll er für die Entführung des US-Journalisten Daniel Pearl in Pakistan mit verantwortlich sein. Pearl war vor einem Jahr vor laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten worden. Auch an dem Anschlag auf einen Nachtclub in Bali im vergangenen Oktober mit rund 200 Toten soll Mohammed beteiligt gewesen sein. Die USA hatten 25 Mill. Dollar Belohnung für Hinweise auf Mohammed ausgesetzt.

Mohammed ist nach Bin Ladens Militärchef Abu Subaida und Ramzi Binalshibh, einem Angehörigen der Hamburger El-Kaida-Gruppe, der dritte führende Kämpfer des Terrornetzwerks, der in Pakistan gefasst wurde. Rashid Qureshi, Sprecher des pakistanischen Armeechefs und Präsidenten Pervez Musharraf, bezeichnete Mohammed als "zentrale Figur der El Kaida". Der pakistanische Geheimdienst habe bei seiner Festnahme ein zentrale Rolle gespielt.

Mohammed hatte in den 80er Jahren im US-Bundesstaat North Carolina Ingenieurwesen studiert. Der internationale Haftbefehl gilt seit einer Anklage 1996 in New York. Die US-Behörden werfen ihm vor, ein Jahr zuvor auf den Philippinen die Bombardierung amerikanischer Zivilflugzeuge geplant zu haben.

Der führende pakistanische Moslempolitiker Qazi Hussain Ahmed hatte die pakistanische Regierung kurz vor der Festnahme vor Hilfe für die USA gewarnt. Pakistan solle sich mit Indien aussöhnen, statt ein "Vasall der USA" zu sein, sagte Ahmed. Wegen der US-Politik gegenüber dem Irak und weil die Atommacht Pakistan Massenvernichtungswaffen besitzt, fügte Ahmed hinzu: "Wer kann garantieren, dass nicht ein ähnlicher Vorwand benutzt wird, um Pakistan anzugreifen?" Ahmed führt die islamistische MMA an, die drittstärkste Kraft im Parlament.

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