Größter Nutzfahrzeughersteller der Welt sucht nach Synergien
Daimler legt seine Lkw-Strategie fest

Der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler stellt heute wichtige Weichen für die künftige Asienstrategie bei Nutzfahrzeugen. Es geht dabei vor allem um ein stärkeres Engagement bei Mitsubishi Motors. Damit könnte der Konzern seinem Ziel deutlich näher kommen, bei Nutzfahrzeugen auch in Asien ein wichtiger Spieler zu werden.

HB/brb STUTTGART. Die Aufsichtsräte der Daimler-Chrysler AG treffen sich heute am amerikanischen Konzernsitz in Auburn Hills, um schwierige Entscheidungen zu treffen. Sie sollen einem stärkeren Engagement bei Mitsubishi Motors (MMC) zustimmen, was für die gesamte Nutzfahrzeugsparte im Daimler-Konzern von großer Brisanz ist. Bisher ist Daimler-Chrysler an dem japanischen Unternehmen mit gut 37 % beteiligt.

Im Vorfeld sind schon etliche Details über eine engere Zusammenarbeit durchgesickert, zu der die Aufsichtsräte grünes Licht geben sollen. MMC soll seine Nutzfahrzeugsparte Fuso in eine selbstständige Gesellschaft ausgliedern. An dieser neuen Gesellschaft planen Daimler und MMC offenbar, je 40 % der Anteile zu übernehmen. Die restlichen 20 % sollen Aktionäre aus dem Konzernverbund von Mitsubishi übernehmen. Daimler und die kleinere Mitsubishi-Aktionärsgruppe sollen insgesamt 120 Mrd. Yen, umgerechnet 1,05 Mrd. Euro Kapital einbringen. Auf Daimler entfallen davon rund 700 Mill. Euro. Der Daimler-Konzern hat diese Zahlen bisher nicht bestätigt.

Wie das Handelsblatt erfahren hat, sehen einige Aufsichtsräte weitere hohe Investitionen bei MMC kritisch. Denn noch sind die teuren Sanierungsfälle Chrysler und Freightliner, die US-Nutzfahrzeugtochter des Konzerns, aber auch MMC, keineswegs abgeschlossen.

Fuso-Engagement nicht so kostspielig wie befürchtet

Intern ist im Daimler-Konzern zu hören, dass das Fuso-Engagement nicht ganz so kostspielig sein würde wie befürchtet. Zwar sei die Ausgestaltung des deutsch-japanischen Gemeinschaftsunternehmen noch nicht bis ins Detail fertig. Angedacht ist aber offenbar, dass die Mercedes-Benz-Nutzfahrzeugsparte ihr Know How bei Motoren und Getrieben einbringt. Ein Konzernsprecher wollte das am Mittwoch nicht bestätigen. Einen ähnlichen Weg ging der Stuttgarter Konzern aber schon bei der Lkw-Sparte von Hyundai in Korea. Seit zwei Jahren ist Daimler dort an der Mutterfirma Hyundai Motor mit gut 10 % beteiligt. Vor einem Jahr haben beide das Gemeinschaftsunternehmen Daimler Hyundai Truck für die Motorenfertigung gegründet. Daimler hat hier Lizenzen für den Bau mittelschwerer Lkw-Motoren eingebracht. Den Stuttgartern winken jetzt Lizenzgebühren.

Sollten die Daimler-Aufsichtsräte heute den Fuso-Plänen zustimmen, käme der Konzern bei seiner Asienstrategie einen großen Schritt voran. Bisher verkauft Daimler nur wenige Nutzfahrzeuge in Asien, mit Fuso im Gepäck würde das Unternehmen zu einem wichtigen Spieler werden. Fuso ist neben der Toyota-Tochter Hino einer der Marktführer in Japan mit einem Anteil von derzeit 30 %. In Westasien ohne China beträgt er 24 %. Schon heute ist Daimler-Chrysler der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt.

Das neue Gemeinschaftsunternehmen Fuso soll Wilfried Porth führen. Er ist ein Vertrauter des Konzernchefs Jürgen Schrempp. Damit wäre MMC endgültig dem Einflussbereich von Daimler-Chrysler zuzurechnen. Seit Sommer führt bereits der deutsche Daimler-Manager Rolf Eckrodt MMC. Allerdings soll auch weiterhin vermieden werden, das hochverschuldete japanische Unternehmen in die Daimler-Bilanz voll einzubeziehen.

Mit Hochdruck arbeitet Daimler-Nutzfahrzeug-Vorstand Eckhard Cordes daran, seine Sparte stärker zu vernetzen. Die amerikanischen und asiatischen Töchter sollen künftig überwiegend von Mercedes-Benz die Technologie für Motoren und Getriebe verwenden. Neue Motoren- und Getriebegenerationen sollen nur noch einmal für alle Konzerntöchter entwickelt werden. Um schneller voranzukommen, sind bereits wichtige Schlüsselpositionen im Management von Freightliner und von Detroit Diesel, der US-Motorentochter für Nutzfahrzeuge, neu besetzt worden. Bis Ende des Jahrzehnts soll der globale Verbund funktionieren.

Quelle: Handelsblatt

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