Größtes deutsches Institut baut Geschäft mit Privatkunden um
„Deutsche Bank 24“ wird Deutsche Bank

Josef Ackermann macht Ernst. Der künftige Konzernchef der Deutschen Bank baut das Geschäft mit Privatkunden um. Es soll deutlich schlanker und vor allem profitabler werden. Künftig wird der deutsche Branchenprimus das Geschäft mit kleinen Privat-, mittelständischen Firmen- und vermögenden Privatkunden bündeln.

fs/pga/po FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank hat sich entschieden: Sie hält an ihrem Privatkundengeschäft fest. Allerdings will der designierte Konzernchef Josef Ackermann den bislang enttäuschenden Geschäftsbereich neu ausrichten und verschlanken, um die Profitabilität zu erhöhen. Das Geschäft mit den Kleinkunden soll in Zukunft mit dem mittelständischen Firmenkundengeschäft und der Beratung vermögender Privatkunden unter einem Dach zusammen gefasst werden.

Um den Klassenunterschied zwischen den verschiedenen Kundengruppen einzuebnen, wird die Deutsche Bank 24 nach Informationen des Handelsblatts künftig nur noch Deutsche Bank heißen. Durch die Neuordnung macht das Institut die Ausgliederung der Deutschen Bank 24 zumindest teilweise wieder rückgängig, die erst vor rund zweieinhalb Jahren umgesetzt wurde.

Vor wenigen Wochen hatte Ackermann, der dem jetzigen Vorstandschef Rolf-E. Breuer am 22. Mai an die Spitze folgen soll, seiner Führungsgruppe zwei Lösungen für das Privatkundengeschäft vorgestellt. Modell eins: Es sollten nur noch 20 bis 30 % der wichtigsten Kunden in Europa gehalten werden und zudem eine Konzentration auf Deutschland, Italien und Spanien erfolgen. Modell zwei: Die Deutsche Bank verbündet sich mit anderen Instituten wie etwa Credit Lyonnais und beteiligt sich mit 20 bis 30 % an deren Retailgeschäft. Zugleich sollte für die Deutsche der Status als bevorzugter Partner angestrebt und damit vor allem Produkte des blauen Instituts vertrieben werden. Die kritische Größe im Privatkundengeschäft in ganz Europa hätte nach Einschätzung der Bank bei 40 bis 50 Millionen Kunden gelegen. Derzeit kommt sie auf rund 14 Millionen Klienten.

Die Führung der Bank hat sich für Modell eins und damit für die kleinere Lösung entschieden. Ackermann hält am Privatkundengeschäft fest, weil er einen guten Vertriebskanal für Investmentbanking-Produkte benötigt. Die Aufnahmekraft von Private Banking und Vermögensverwaltung macht die Deutsche in den Augen der Kunden des Investmentbanking als Geschäftspartner attraktiver.

Während sich 2001 vor allem das Retailgeschäft der Deutschen Bank 24 gut entwickelte, blieb das Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Private Banking) hinter den Erwartungen zurück. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern sank auf magere 3 %. Ackermann hatte bereits reagiert und mit seinem Landsmann Pierre de Weck einen neuen Leiter dieses Geschäftsfeldes zur Deutschen Bank gelotst. De Wecks Gehalt liege "deutlich im zweistelligen Millionen-Bereich", heißt es aus der Deutschen Bank. Ihre neue Lösung für das Privatkundengeschäft will die Deutsche Bank am kommenden Montag zusammen mit ihren Zahlen für das erste Quartal 2002 vorstellen. In den ersten drei Monaten hat das Institut seine Bilanz durch Beteiligungsverkäufe kräftig aufpoliert und Aktien von Münchener Rück sowie Allianz über rund 1,1 Mrd. abgestoßen. Durch die Verkäufe reduzieren sich die Beteiligungen an der Münchener Rück von 7,2 % auf 5,51 % und an der Allianz von 4 % auf 3,66 %. Händler sehen die Maßnahme eher kritisch: "Der Markt nimmt negativ auf, dass die Deutsche Bank ihr Tafelsilber verkauft. Dadurch wollen die doch nur ihre Zahlen aufpolieren." Mit den Verkäufen setzt die Deutsche Bank ihre bereits angekündigte Strategie fort, das umfangreiche Beteiligungsportfolio weiter abzubauen.

Dank der Veräußerungen dürfte die Deutsche Bank im ersten Quartal nach den Verlusten im Vorquartal wieder ein deutliches Plus ausweisen; Analysten gehen von einem Vorsteuergewinn von mehr als 1 Mrd. aus. "Die Beteiligungsverkäufe haben die Deutsche Bank gerettet", sagt Konrad Becker von Merck Finck. Zudem wirke sich positiv aus, dass die Bank keine Abschreibungen auf den Firmenwert (Goodwill) mehr vornehmen müsse. Ohne die Sondereffekte sehen die Analysten nur ein leichtes Plus für den deutschen Branchenprimus. Georg Kanders, WestLB, rechnet mit einem Rückgang des operativen Gewinns um 57 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 320 Mill. . Die Risikovorsorge bleibt hoch, Analysten erwarten, dass sie unter den 556 Mill. des Vorquartals bleibt.

Quelle: Handelsblatt

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