Größtes Minus seit 5 Jahren: Dienstleister im Tal der Tränen

Größtes Minus seit 5 Jahren
Dienstleister im Tal der Tränen

Die deutschen Dienstleister haben im Januar überraschend den schärfsten Geschäftsrückgang seit mehr als fünf Jahren verzeichnet und blicken weiter pessimistisch in die Zukunft. Die schlechte Lage der Branche in Deutschland brachte auch den Dienstleistungssektor in der gesamten Euro-Zone nahe an die Stagnation.

Reuters LONDON. Der Reuters-Service-Index fiel auf saisonbereinigt 43,9 Punkte nach 45,4 Punkten im Dezember, wie die Forschungsgruppe NTC, die den Index im Auftrag von Reuters ermittelt, am Mittwoch mitteilte. Mit einem Wert unter 50 Punkten signalisierte der Index zum sechsten Mal in Folge einen Geschäftsrückgang. Vor allem die weiter sinkende Nachfrage aus dem Inland veranlasste die Firmen im Januar zum stärksten Personalabbau seit Umfragebeginn vor mehr als fünf Jahren.

Der Reuters-Service-Index Deutschland ist der einzige monatliche Indikator für die Geschäftsentwicklung im deutschen Dienstleistungsbereich. Er basiert auf einer Umfrage unter rund 500 Führungskräften aus dem privaten Dienstleistungssektor. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen leichten Anstieg des Index auf 45,5 Punkte erwartet.

Neuaufträge gehen weiter zurück

Nach Angaben von NTC berichteten mehr als ein Drittel der Befragten in Deutschland von Geschäftseinbußen gegenüber Dezember und drückten den zentralen Indexwert für die Geschäftstätigkeit auf einen neuen Tiefststand. Der Index für Neuaufträge sank auf 44,1 (Dezember: 45,6) Punkte.

Nach Angaben von NTC schoben die Kunden im Januar erneut wichtige Investitions- und Ausgabenentscheidungen auf: "Der Grund dafür waren die konjunkturelle Schwäche und die Zweifel vieler Unternehmer an einer baldige Erholung der Wirtschaft." Diese Unsicherheit schlug sich auch in den Daten zur Beschäftigung nieder - der entsprechende Index fiel auf den Tiefstand von 40,3 (42,6) Punkten.

Wettbewerb nimmt zu

Trotz des seit zehn Monaten andauernden Stellenabbaus berichteten die befragten Unternehmen erneut von Überkapazitäten. Der harte Wettbewerb um immer weniger Neuaufträge veranlasste die Unternehmen nach Angaben von NTC zu weiteren Preissenkungen. Nur 13 Prozent der Befragten konnten im Januar ihre Preise erhöhen. Auch die gesunkenen Zinssätze wurden als Grund für die Preissenkungen genannt, besonders von Firmen im Finanzsektor, deren Verkaufspreise am stärksten nachgaben.

Die Firmen beurteilten ihre Aussichten für dieses Jahr weiter sehr skeptisch, auch wenn ihr Pessimismus gegenüber Dezember etwas abnahm - dies signalisierte ein Anstieg des Index für Geschäftsaussichten auf 46,0 von 43,6 Punkten im Dezember. Mehr als ein Viertel der Firmen rechnete mit einem Geschäftsrückgang in den nächsten zwölf Monaten. Als Gründe dafür wurden das ungünstige Wirtschaftsklima, Steuererhöhungen, die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und ein möglicher Krieg im Irak genannt.

Trend in der Eurozone nicht einheitlich

In der Euro-Zone setzte sich der uneinheitliche Trend in der Dienstleistungsbranche NTC zufolge fort. Der Index für die Geschäftstätigkeit signalisierte mit einem Wert von 50,2 (50,6) Punkten nahezu Stagnation. Dabei verlief die Entwicklung in Italien, Frankreich und Spanien jedoch deutlich günstiger als in Deutschland. Der Index der Geschäftserwartungen stieg leicht auf 61,3 (59,8) Punkte und damit auf ein Vier-Monats-Hoch. In allen Ländern außer Deutschland waren die Erwartungen positiv.

Den stärksten Rückgang in der Umfragegeschichte verzeichnete NTC beim Teilindex Beschäftigung auch in der Euro-Zone. Der Wert fiel auf 45,6 von 47,0 Punkten im Dezember. Nur in Spanien wurde eine Zunahme der Beschäftigung in der Dienstleistungsbranche registriert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%