Größtes Privatisierungsvorhaben der Region
HVB bietet nicht mehr für Komercni Banka

"Da werden 900 Millionen Euro geboten. Das ist ziemlich irrational", hieß es am Montag in den Bankkreisen. HVB-Chef Albrecht Schmidt hatte die drittgrößte Bank Tschechiens in der vergangenen Woche als einziges Akquisitionsobjekt für das laufende Jahr bezeichnet.

Reuters Frankfurt/München. Die HypoVereinsbank AG ist nach Angaben aus Bankkreisen aus dem Rennen um die Übernahme der Mehrheit an der tschechischen Komercni Banka ausgestiegen. Eine Sprecherin sagte, die Bank wolle erst nach Ende des Privatisierungsverfahrens Stellung nehmen, das eigentlich bereits im Frühjahr abgeschlossen sein sollte. Einzelheiten dazu werden noch im Lauf der Woche erwartet. Das Finanzministerium in Prag lehnte eine Stellungnahme ab. Neben dem Münchener Institut hatten noch die französische Societe Generale und die Unicredito Italiano Gebote für den zum Verkauf stehenden Anteil von 60 Prozent an der bisher mehrheitlich staatlichen Bank abgegeben. Berichten zufolge hatte die HVB bisher den niedrigsten Preis geboten, den sie nun offenbar nicht aufstocken will. Das Finanzministerium geht nach jüngsten Angaben von einem Erlös von 35 Milliarden bis 38 Millionen tschechischen Kronen (1 bis 1,12 Milliarden Euro) aus. Das sei nicht mehr refinanzierbar, hieß es in den Kreisen. 900 Millionen Euro wären 22 Prozent mehr als der Börsenwert der Komercni Banka.

Der Verkauf des Prager Instituts gilt als eines der letzten großen Privatisierungsvorhaben in der Finanzbranche der Region. Die Komercni Banka wies zum Ende des ersten Quartals 2001 eine Bilanzsumme von 402 Milliarden Kronen (11,8 Milliarden Euro) aus. Sie besitzt ein großes Filialnetz und ein recht bedeutendes Firmenkundengeschäft. Die Investmentbank Goldman Sachs soll bis Ende der Woche den Käufer ermitteln, den die Regierung in Prag bis zum folgenden Montag bekannt geben will.

HVB-Vorstandschef Schmidt hatte auf der Hauptversammlung im Mai erklärt, der Akquisitionshunger der zweitgrößten deutschen Bank in Mittel- und Osteuropa sei vorerst gestillt, wenn sie den Zuschlag für die Komercni Banka erhalte. Die "Bank der Regionen" solle ab 2002 verstärkt in Süd- und Westeuropa erweitert werden. Bankenexperten erwarten nun, dass die HypoVereinsbank mit einem Teil der eingesparten Mittel ihre eigene Tochter in Tschechien ausbauen will, die nach der Fusion mit den Filialnetzen von Bank Austria und Creditanstalt dort schon jetzt die Nummer vier ist. In der Slowakei waren die HVB und die Bank Austria zuletzt der Erste Bank der österreichischen Sparkassen im Ringen um die Slovenska Sporitelna unterlegen.

Dennoch verfügt die HVB seit der Übernahme der Bank Austria über eines der dichtesten Banknetze in Mittel- und Osteuropa. In Polen ist die fusionierte BPH/PBK die drittgrößte Bank des Landes. Neben Tschechien ist die HypoVereinsbank mit eigenen Vertretungen auch in der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien und seit kurzem auch in Jugoslawien vertreten.

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