Größtes Sorgenkind ist die Handysparte
Ericsson schockt die Börse

Der Telekomausrüster Ericsson erwartet im ersten Quartal einem kräftigen Verlust. Diese Vorhersage verursachte bei dem Unternehmen einen Kurssturz und drückte Technologieaktien auf neue Tiefstände

gil/rez/pga DÜSSELDORF. Ericsson hat mit seinen schlechten Prognosen den Druck auf die Technologieaktien verstärkt. Nach einer Gewinnwarnung des führenden Telekomausrüsters fiel die US-Wachstumsbörse Nasdaq nachhaltig unter die Marke von 2 000 Punkten. Sie liegt nun deutlich unter ihrem langfristigen Aufwärtstrend. Die Indizes der Wachstumsaktien in Frankfurt wie in New York fielen bis zum Abend um fünf bis sechs Prozent.

Als Folge der Gewinnwarnung wurde die Ericsson-Aktie an den Börsen vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme der Notierung gegen 16 Uhr fiel die Aktie um knapp 18 % und riss andere Technologietitel mit nach unten. Zum Schluß des Handelstages stand die Aktie bei 6-9/16 Dollar. Dies ist ein Minus von 25 Prozent.

Schwedens größtes Unternehmen erwartet für das erste Quartal des laufenden Jahres einen Verlust von rund 1 Mrd. DM und eine Stagnation des Umsatzes. Ericsson begründete die Gewinnwarnung damit, dass die schwächere Konjunktur alle Geschäftsbereiche erfasse. Besonders das Geschäft in den USA, wo Ericsson etwa 25 % seines Umsatzes erzielt, laufe schlecht. Auch in Westeuropa würden die Kunden ihre Investitionen verschieben.

Ende Januar hatte Ericsson in einem Ausblick auf das erste Quartal noch ein Umsatzwachstum von rund 15 % gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal erwartet bei einem etwa ausgeglichenen Ergebnis. Jetzt rechnet der Konzern mit einer Stagnation des Umsatzes und einem Verlust vor Steuern in einer Spanne von umgerechnet 920 Mill. bis 1,2 Mrd. DM. Ericsson kündigte an, in Kürze weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Kosten zu senken und die Kapitalrendite zu verbessern. Spätestens im April will das Unternehmen konkrete Schritte vorstellen.

Größtes Sorgenkind Ericssons ist seit geraumer Zeit die Handysparte. Der weltweit drittgrößte Produzent verliert Marktanteile an die Rivalen Nokia und Siemens. Vor allem aber schreibt Ericsson in der Handysparte beständig rote Zahlen, im vergangenen Jahr rund 1,8 Mrd. Euro. Da keine Besserung in Sicht war, hatte Ericsson-Chef Kurt Hellström bereits im Januar angekündigt, die gesamte Handyfertigung an den amerikanischen Konzern Flextronics abzugeben. Nur Entwicklung, Design und Vertrieb der Telefone will Ericsson in eigener Regie behalten.

Bisher konnte Ericsson die Verluste der Handysparte mit den Erfolgen in der Netzausrüstung ausgleichen, wo Ericsson klarer weltweiter Marktführer ist. Angesichts des schwächeren Geschäfts kann die Netzsparte jetzt die Verluste im Handygeschäft offensichtlich nicht mehr auffangen. Analysten hatten zwar schlechte Ericsson-Zahlen erwartet, doch "es kam noch schlimmer", sagt Adrian Hopkinson von der WestLB Panmure. Er hat die Aktie als unterdurchschnittlich eingestuft. Spannend bleibe nun, was Nokia mache, sagte Analyst Vidar Kalvoy von der DG Bank. Bei dem Konkurrenten erwartet er mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % eine Gewinnwarnung. Londoner Händler sehen im Moment keine Anzeichen dafür, dass Top-Firmen wie Nokia, Siemens und Alcatel Gewinnwarnungen veröffentlichen könnten.

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