Größtes Tankstellennetz in Deutschland entsteht
Dea verbündet sich mit Shell

Zwei Energieriesen verbünden sich: Die Essener RWE AG und die Deutsche Shell wollen im Raffinerie- und Tankstellen-Geschäft gemeinsame Wege gehen und die Eon-Tochter Aral von der Spitze verdrängen.

beu/mr/rtr HAMBURG. Der Energiekonzern RWE legt seine DEA-Tankstellen mit denen des niederländisch-britischen Mineralölkonzerns Shell in einem gemeinsamen Unternehmen zusammen. Dadurch entstehe mit 3 200 Stationen das größte Tankstellennetz in Deutschland, teilte RWE am Mittwoch in Essen mit. Das neue Unternehmen soll unter dem Namen Shell & DEA Oil GmbH firmieren und seinen Sitz in Hamburg haben. Im Zuge der Zusammenlegungen sollen den Angaben von RWE zufolge 750 Stellen oder 10 % der Belegschaft abgebaut und jährlich mindestens 300 Mill. DM an Synergien erzielt werden.

Über eine Zusammenarbeit der beiden Unternehmen wurde schon länger spekuliert. Bereits seit November vergangenen Jahres ist bekannt, dass die RWE AG Essen, und die niederländisch-britische Royal Dutch/Shell miteinander sprechen. RWE hatte zuvor erklärt, dass die Mineralölsparte und das Tankstellengeschäft nicht mehr zu den Unternehmenskernen zählen. Deshalb würden Partner gesucht. Dies gelte allerdings nicht für die Erdgasparte.

Im September 2000 waren Verhandlungen der RWE mit dem britischen Ölkonzern BP über eine ähnliche Allianz am Widerstand der RWE-Dea-Zentrale gescheitert. Die neue Oil GmbH wird mit 3 196 Stationen das mit Abstand größte Tankstellennetz in Deutschland betreiben. Sie erreichen einen Marktanteil von 23,4 %. Das neue Unternehmen und Aral (19 % Anteil) sind künftig die beiden großen Spieler im Markt, die ihre nächsten Konkurrenten Esso (10 %) und BP (7 %) deutlich übertreffen. Auch im Raffineriegeschäft wird Shell/RWE-Dea mit einer Jahreskapazität von 33 Mill. t auf den ersten Rang vor der Eon-Tochter Veba Oel/Aral vorstoßen. Die RWE ist vor der Düsseldorfer Eon der größte deutsche Energiekonzern, Shell ist unter den Ölmultis weltweit die Nummer drei.

Kartellamt muss Deal noch genehmigen

Die Pläne von RWE und Shell Deutschland müssen durch das Bundeskartellamt genehmigt werden. Die Behörde sei noch nicht offiziell unterrichtet worden, sagte ein Sprecher in Bonn.

"In einem von Wettbewerb geprägten Markt ist Kostenreduktion nur ein Erfolgsfaktor", sagte Adrian Loader, der verantwortliche Shell-Produktmanager in Europa. Das neue Unternehmen kommt auf einen Umsatz von rund 70 Mrd. DM (35,8 Mrd. Euro). "Wir erwarten, dass die Mitarbeiterzahl im Rahmen des Zusammenschlusses um 750 Positionen verringert wird." Loader ließ offen, ob die Tankstellennetze der beiden Marken teilweise zusammengelegt werden sollen. Das werde das Management der neuen Gesellschaft zu entscheiden haben, ebenso wie den Standort der neuen Hauptverwaltung in Hamburg. Gegenwärtig sind Shell und DEA auf drei Standorte in der Hansestadt verteilt.

Entscheidend für den Erfolg des Vorhabens werde sein, unter dem Dach des neuen Unternehmens die beiden Marken Shell und DEA in eine Position zu bringen, die sowohl die Bedürfnisse der Kunden wie auch der Unternehmen in der Zukunft sichere. "Beides sind starke Marken mit einer klaren Positionierung und loyalen Kunden."

Das Joint Venture wird eine Raffineriekapazität von 34,3 Mill. Jahrestonnen zusammenbringen. Das ist ein knappes Drittel der deutschen Gesamtkapazität. Einsparungen sind vor allem durch die Zusammenarbeit zweier benachbarter Raffinerien in Köln-Godorf und Köln-Wesseling zu erreichen.

Bei Zusammenschluss ist kein Geld geflossen

Bei dem Handel ist nach Aussage von RWE-Chef Dietmar Kuhnt kein Geld geflossen. Die jeweils 50-%ige Beteiligung beider Unternehmen ergebe sich aus dem Wert der eingebrachten Unternehmensteile; sollten sich kleinere Abweichungen ergeben, würden sie ausgeglichen. Mittelfristig will Shell die Mehrheit oder aller Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen Oil GmbH übernehmen. Der RWE-Konzern konzentriere sich auf die Geschäftsfelder Strom, Gas, Wasser und Abfall. Dazu gehöre auch das Upstream-Geschäft der RWE-DEA, die Förderung von Öl und Gas. "Wir haben klare Optionen für die Zukunft getroffen und können unseren Anteil spätestens zum 1. Januar 2004 zu einem bereits festgelegten Preis verkaufen", sagte Kuhnt. Falls RWE diese Option nicht nutze, könne Shell 1 % der RWE-Anteile kaufen und damit die Kontrollmehrheit erreichen. Auch der erste Chef der neuen Firma werde von Shell kommen; der Name soll noch in dieser Woche veröffentlicht werden.

Nachdem die RWE-DEA bereits ihr Chemiegeschäft Condea verkauft habe, sehe er nun viel versprechende Perspektiven für die Förderaktivitäten im RWE-Konzern, sagte Kuhnt. RWE-DEA fördert unter anderem in einem Konsortium 1,8 Mill. Tonnen Erdöl jährlich im Wattenmeer vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und will die Förderaktivitäten international ausweiten.

Deal mit Shell zum günstigen Zeitpunkt

Der Deal kommt für RWE zu günstiger Zeit, denn der Teilkonzern RWE-Dea hat seinen Wert gesteigert und ist nach Angaben seines Vorstandschefs Dieter Dräger auf dem Weg, das beste Jahresergebnis seiner Geschichte einzufahren. Im ersten Halbjahr des Geshäftsjahres 2000/2001 hatte RWE Dea das Betriebsergebnis um 162 % auf 466,2 Mill. Euro gesteigert.

Als Grund nennt Dräger die gestiegenen Rohölpreise, die auch in der Verarbeitung zu besseren Preisen führten. Im Tankstellengeschäft schnitt RWE-Dea dagegen schlechter ab als im Jahr zuvor. Ein Grund ist der von RWE-Dea mit der Rabattkarte ("Payback") selbst ausgelöste Preiswettbewerb.

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