Groß- und Außenhandelsverband will kleine Beteiligungen bündeln
Eigenkapital-Fonds für den Mittelstand

Mit einem neuen Finanzierungsmodell über Fonds sollen kleine und mittelständische Firmen ihre chronische Unterfinanzierung mit Eigenkapital beseitigen können.

pk/nw FRANKFURT/M. Die Idee von Anton F. Börner ist bestechend einfach: Tausende kleine Beteiligungen aus allen Regionen und quer durch alle Branchen werden zusammen geführt. Das senkt die Kosten, erhöht dadurch die Renditeaussichten und streut obendrein das Risiko. Das Finanzierungsmodell des Präsidenten des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandelsverbandes verspricht, ein Problem zu lösen: Eigenkapitalbeteiligungen für kleine Unternehmen scheitern oft daran, dass der Aufwand nicht lohnt und die Renditeaussichten in traditionellen Branchen zu niedrig sind, um Kapitalgeber wirklich zu begeistern.

Während es für Kredite solche fondsähnlichen Lösungen bereits gibt - Banken bündeln kleine Kredite in einem Pool, verbriefen diese Forderungen als Wertpapiere und verkaufen sie an Investoren - ist das Modell für Eigenkapital neu. Dabei ist gerade Eigenkapital dringend benötigte Ressource im Mittelstand. Börner sieht die geringe Eigenkapitalbasis - im Schnitt unter 18 Prozent - als Ursache einer hohen Risikobewertung der Unternehmen, die wiederum die Finanzierung von Neuinvestitionen und teilweise auch den laufenden Geschäftsbetrieb gefährden. Höhere Zinskosten seien aufgrund des geringen Eigenkapitalanteils unausweichlich.

Börner, als ehemaliger Devisenhändler mit Finanzmärkten gut vertraut, will nun ein Portfolio bilden, das repräsentativ die Volkswirtschaft branchen- und regionenübergreifend abbildet. Die in dem Portfolio enthaltenen Beteiligungen - in Form atypisch stiller Beteiligungen - starten bei 25 000 Euro. Das Kapital kommt von Fondsgesellschaften und anderen institutionellen Investoren, beispielsweise Versicherungen. Vertrieben wird es über die bisherigen Hausbanken. Die Schnittstelle zwischen Unternehmen und "Börner-Fonds" ist also der Firmenkundenbetreuer der Bank. "Einige Banken und Sparkassen haben bereits starkes Interesse signalisiert", sagt Börner.

Die Anteile an dem Portfolio sollen Kapitalgeber mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Wünschen ansprechen. Daher will Börner drei Varianten anbieten: Eine Senior Tranche, die vergleichbar einem erstrangig besicherten Kredit eine regelmäßige Verzinsung von rund 0,4 % über Euribor bietet; außerdem eine Mezzanine-Tranche mit eigenkapitalähnlichen Eigenschaften und einer höheren Verzinsung von etwa 3,25 % über Euribor. Für besonders risikofreudige Investoren werde es eine Equity-Tranche geben mit einer Rendite von 28 % - aber diese Investoren müssen auch die ersten Ausfälle im Portfolio komplett übernehmen. Für die Firmen ergebe sich eine Gesamtbelastung von 13,25 %, hat Börner zusammen mit Investmentbankern von Morgan Stanley ausgerechnet. Dieses Eigenkapital-Modell unterstützen neben Börners Verband auch der Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften (BVI) und der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK).

"Solche Konstruktionen können nur flankierende Maßnahmen sein", sagt Professor Stephan Paul von der Uni Bochum. Zwar sei der Gedanke der Risikostreuung im Börner-Modell grundsätzlich zu begrüßen. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liege aber eher in der Steuerpolitik. Sie müsse den Mittelstand in die Lage versetzen, mehr Eigenkapital im Unternehmen zu binden. Das Börner-Modell habe einen gewissen Charme, weil es den Gedanken der Risikostreuung aufnimmt und Mechanismen entwickelt, um Unternehmensbeteiligungen an einen größeren Anlegerkreis zu platzieren, sagt Reinhard Kudiß, Finanzierungsexperte des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Allerdings sollten über seine Reichweite keine Illusionen aufkommen. Als flächendeckendes Instrument sei der Ansatz kaum geeignet, wohl aber für im Kern gesunde, erfolgreiche Unternehmen, die sich die geforderten Renditen von 13,25 % und mehr leisten können und wollen. Firmen mit strukturellen Problemen, von denen es in Deutschland nicht wenige gebe, dürften nur wenig Chancen haben, von der Initiative zu profitieren.

Quelle: Handelsblatt

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