„Groß und brutal“
Diplomatisches Gezerre geht in die nächste Runde

Noch einmal kommen die Außenminister der Mitgliedstaaten des Uno-Sicherheitsrates an diesem Freitag zu einer öffentlichen Irak-Debatte zusammen. Es könnte die letzte dieser Art vor dem Beginn des Krieges werden.

HB/dpa NEW YORK. Selbst Uno-Chefinspekteur Hans Blix, der den Ministern Fortschritte bei der Waffensuche im Irak melden will, scheint kaum noch daran zu glauben, dass die amerikanische Kriegsmaschine zu stoppen ist. Seine rund 250 Waffenkontrolleure im Irak, sagte er Reportern, seien nun darauf eingestellt, das Land innerhalb von 24 Stunden nach einer amerikanischen Warnung zu verlassen.

Sie wird nach Einschätzung von Uno-Diplomaten in Form eines höflichen Anrufs bei Uno-Generalsekretär Kofi Annan kommen. Ein höherer US-Beamter, vielleicht gar Außenminister Colin Powell, werde anraten, die Sicherheitslage des Uno-Personals richtig einzuschätzen. "Annan wird verstehen und die Empfehlung umgehend an Blix weiterleiten", sagt ein hochrangiger Uno-Diplomat.

Dass die für Freitag erneut erwarteten Wortgefechte zwischen Gegnern und Befürwortern eines Irak-Krieges noch etwas an dessen baldigem Ausbruch ändern, gilt in Uno-Kreisen als wenig wahrscheinlich. In den nächsten zwei Wochen soll die Zahl der in der Golfregion aufmarschierten US-Truppen die 300 000-Grenze überschreiten. Worauf ihr Kommandeur, General Tommy Franks, dann nur noch wartet, hat er nach einem Treffen der wichtigsten Militärplaner um US-Präsident George W. Bush am Mittwoch gesagt: "Auf den Einsatzbefehl."

Danach werde es "groß und brutal" zur Sache gehen, wie sich die Zeitung "New York Daily News" ausdrückte. Generalstabschef Richard Myers versprach "einen Schock" für das Regime Saddam Husseins. Es werde rasch begreifen, dass das Ende unvermeidbar ist. Das soll nach Informationen der "New York Times" mit rund 3000 ferngesteuerten Bomben und Raketen in den ersten 48 Stunden des Krieges erreicht werden.

Auch das Veto gegen eine weitere Irak-Resolution, mit dem Frankreich und Russland zwei Tage vor neuen Ratsdebatte so deutlich wie nie zuvor drohten, dürfte den Krieg kaum noch verhindern können. US-Präsident Bush hat stets erklärt, dass der Irak mit oder ohne neue Uno-Resolution "entwaffnet" wird. Gebetsmühlenartig wiederholen seine Diplomaten in den Uno-Fluren, dass die im November vergangenen Jahres einstimmig beschlossene Resolution 1441 einen Krieg "bereits ausreichend legitimiert" habe.

Damit war dem Irak unter Androhung "ernster Konsequenzen" "eine letzte Chance" zur Abrüstung eingeräumt worden. Die neue Resolution, um die seit Tagen erbittert gerungen wird, stellt in ihrem Kernsatz schlicht fest, dass Bagdad diese Chance nicht genutzt habe. Die Uno-Waffenkontrolleure sehen das durchaus anders.

Blix erklärte jetzt, Bagdad betreibe mit der Zerstörung von Al- Samoud-Raketen ungeachtet vieler offener Fragen "reale Abrüstung". In den letzten Wochen habe der Irak "aktive Kooperation" gezeigt. Blix will die Inspektionen fortsetzen. Die Waffenkontrolleure würden - in völliger Übereinstimmung mit allen UN-Resolutionen, die ihren Einsatz regeln - in Kürze gerade erst die volle Arbeitsfähigkeit erreichen. Doch Washington macht kein Hehl daraus, dass es ihm nicht um erfolgreiche Inspektionen, sondern um den Sturz Saddam Husseins geht.

Ein "Regimewechsel" sei unumgänglich, erklärte Präsidentensprecher Ari Fleischer. Manche US-Politikwissenschaftler sind überzeugt, dass die Macht über die nach Saudiarabien zweitgrößten Erdölreserven der Welt das eigentliche Ziel ist. Wer immer den Fluss des Öls am Persischen Golf kontrolliere, könne andere in den "Würgegriff" nehmen, schreibt Michael T. Klare, Professor für Sicherheitsstudien am Hampshire College in Massachusetts. "Die Ersetzung Saddam Husseins durch jemanden, der den USA dankbar sein muss, ist ein wichtiger Teil der Strategie zur dauerhaften Sicherung der globalen Dominanz Amerikas."

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