Großaktionär droht bei weiteren Wertberichtigungen Verlustanzeige
Bankenkrise bringt auch Gold-Zack in Not

Die drohende Pleite des Traditionsbankhauses Gontard & Metallbank könnte auch den Großaktionär, die Gold-Zack-Gruppe, in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Eine Verlustanzeige droht.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Schließung des Frankfurter Geldinstituts Gontard & Metallbank könnte auch ihren Großaktionär, die Gold AG, -Zack mit in den Strudel ziehen. "Im Augenblick prüfen wir, inwieweit das Auswirkungen hat", erklärte ein Sprecher des Finanzdienstleisters. Genaueres konnte er noch nicht sagen. Sollten allerdings neue Wertberichtigungen bei Gold-Zack erforderlich sein, hätte dies "weiter gehende Konsequenzen", räumte er ein. Gold-Zack hält eine Beteiligung von rund 45 % an der Gontard & Metallbank.

Unternehmensnahen Kreisen zufolge ist auch bei dem Investmenthaus aus Mettmann mit einer Verlustanzeige zu rechnen. Dies hänge von der Höhe der erforderlichen neuerlichen Wertberichtigungen ab. Sollte dadurch die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht werden, müsste man Verlustanzeige stellen, hieß es. In einem solchen Fall sei unverzüglich eine Hauptversammlung einzuberufen, um dies den Aktionären mitzuteilen. Eine Schließung wie der Gontard & Metallbank droht Gold-Zack aber nicht, da das Unternehmen keine Bank im Sinne des Gesetzes für das Kreditwesen ist und keiner Aufsicht unterliegt. Sollte Gold-Zack zahlungsunfähig werden, müsste ohne schuldhaftes Verzögern spätestens drei Wochen nach Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen droht Gold-Zack allerdings keine Zahlungsunfähigkeit .

Die Gontard & Metallbank hatte am Freitagabend einen neuerlichen Wertberichtigungsbedarf von knapp 20 Mill. Euro bekannt gegeben und eine Anzeige gemäß § 92 (1) Aktiengesetz veröffentlicht. Am darauf folgenden Montag wurde das Institut von der gerade gegründeten Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) geschlossen. Der Grund sind die Probleme im Kreditgeschäft. Das Frankfurter Traditionshaus hatte in großem Umfang Kredite an Neue-Markt-Unternehmer vergeben und diese mit Aktien der Unternehmen besichert. Diese Papiere verloren mit dem Verfall des Neuen Marktes rapide an Wert. Der Wertberichtigungsbedarf hat das Grundkapital der Bank zu mehr als der Hälfte aufgezehrt.

"Es würde nicht verwundern, wenn auch Gold-Zack in ernsthafte Schwierigkeiten geriete", heißt es aus Finanzkreisen. Das Institut befindet sich ohnehin schon in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Bereits Mitte April hatte die Gesellschaft mit einem vorzeitigen Umtauschangebot für die laufende Wandelschuldverschreibung eine recht ungewöhnliche Maßnahme eingeleitet, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Das Ergebnis ist ebenfalls kräftig eingebrochen. Nach vorläufigen Geschäftszahlen weist Gold-Zack im Konzern einen Fehlbetrag von 207,6 Mill. Euro aus. Ursache für den Verlust waren umfassende Neubewertungen des Engagements im Beteiligungsgeschäft.

Nun drohen neue Wertberichtigungen: Nach Angaben des Gold-Zack- Sprechers waren die Beteiligung an der Gontard & Metallbank mit 1,06 Euro (Kurs zum Bilanzstichtag 31.12.) und die neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung mit einem Euro bewertet. Aktuell stehen die Gontard-Aktien bei 0,21 Euro. Der drohende Wertverlust aus dem Kursrückgang ist noch nicht in den Wertberichtigungen enthalten, sondern kann die Bilanz des Jahres 2002 belasten. Die Hoffnungen in Mettmann ruhen nun auf den Verhandlungen mit potenziellen Investoren, die bei der Bank einsteigen wollen. Die Gespräche würden weitergeführt, hieß es bei Gold-Zack. Die Investoren seien sich natürlich darüber bewusst, dass bei Gontard noch "einiges schwelt".

Gontard selbst wird sich gemäß den Vorgaben des BAFin auf profitable Geschäftsfelder konzentrieren und den Personalbestand deutlich verringern. Ein Sprecher bestätigte, dass die Hälfte der rund 200 Mitarbeiterstellen abgebaut werde. Außerdem haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, das Kreditgeschäft der Bank zu veräußern.

Noch seltsamer erscheint angesichts der am Freitagabend bekannt gewordenen Gontard-Schieflage das vorgetäuschte Übernahmeangebot für Gold-Zack. Es war Freitagmorgen über eine dubiose E-Mail verbreitet worden, die kurzzeitig den Kurs der Gold-Zack-Aktien um über 86 % steigen ließ. Inzwischen ermitteln die Behörden in dem Fall, wie die Handelsaufsicht des hessischen Wirtschaftsministeriums gestern bestätigte.

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