Großaktionäre planen Kapitalerhöhung – Yello soll 2005 die Gewinnzone erreichen: EnBW-Chef übergibt eine Baustelle

Großaktionäre planen Kapitalerhöhung – Yello soll 2005 die Gewinnzone erreichen
EnBW-Chef übergibt eine Baustelle

Die Energie Baden-Württemberg AG muss in den nächsten Jahren die Milliarden schweren Zukäufe der letzten Jahre verdauen. Mit einem Fitness-Programm sollen außerdem bis 2006 die Kosten erheblich gesenkt werden.

brb STUTTGART. Der scheidende Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Gerhard Goll, kann zum Ende seiner Amtszeit keine glanzvolle Bilanz vorlegen: Das vergangene Jahr war für den drittgrößten deutschen Energieversorger schwierig und turbulent.

Fast 5 Mrd. Euro musste die EnBW 2002 für die vielen Zukäufe bezahlen, die Goll in den Jahren zuvor eingeleitet hatte. Der wegen der schwierigen Kapitalmärkte geplatzte Börsengang brachte gleichzeitig aber die Finanzierungspläne durcheinander. Statt günstigem Eigenkapital musste EnBW hohe Kredite aufnehmen, um die Mehrheit an den Neckarwerken (NWS) und den gemeinschaftlichen Erwerb des Gasversorgers GVS mit dem italienischen Konzern Eni zu finanzieren.

Einen Börsengang hält Goll jetzt "allenfalls 2004" möglich. Vorerst wollen die Großaktionäre, der französsische Energieriese Electricité de France (EdF) sowie baden-württembergische Kommunen über eine Kapitalerhöhung in diesem Jahr aushelfen. Die Höhe ist noch offen.

Der Umsatz der EnBW wuchs 2002 um 10 % auf 8,6 Mrd. Euro. Die höheren Kreditkosten belasteten das Ergebnis deutlich. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg zwar um knapp 38 % auf 421,9 Mill. Euro. Dies liegt aber an einer Reihe von Sonderfaktoren wie dem Verkauf von Anlagevermögen und der Auflösung von Rückstellungen für Kernkraftwerke.

"Das haben wir wegen der Umstellung der Bilanz auf IAS in diesem Jahr gemacht", sagte Goll. Analysten wie Christoph Keidel von der BW-Bank kritisieren jedoch schon länger die geringe Aussagekraft der EnBW-Bilanz.

Der EnBW-Chef hinterlässt seinem Nachfolger Utz Claassen eine ganze Reihe von Baustellen. Die Geschäftsfelder Entsorgung sowie Industrie und Services schreiben Verluste. Zum ersten Mal weist die EnBW keine Zahlen mehr für die Tochter Salamander aus. Der Schuh- und Dienstleistungskonzern wird verkauft und ist vor kurzem vom Börsenzettel verschwunden. "Wir haben hier eine schwarze Null erreicht", sagt Goll. Die inzwischen verkaufte Telekommunikationsfirma Tesion dürfte die EnBW mit 265 Mill. Euro in 2002 belastet haben.

Goll nennt inzwischen keinen Termin mehr, bis wann Salamander verkauft sein soll. Ursprünglich sollte das schon 2002 passieren. Offen ist für Goll auch, ob die Entsorgungssparte bei der EnBW bleibt. Dagegen gab er ein überraschend starkes Bekenntnis zur Billigstromfirma Yello ab. "Sie ist ein wesentliches Asset, mit der sich EnBW von der Stromkonkurrenz unterscheiden kann", sagte er. Yello hat jetzt 900 000 Kunden und soll statt 2003 jetzt 2005 in die Gewinnzone kommen.

Auch wenn Goll betont, dass die Einkaufstour der EnBW abgeschlossen ist, gibt es dennoch Ausbaupläne. Die Partner Eni und EnBW wollen die Gastochter GVS durch kleinere Zukäufe stärken. Zudem wird Eon im Zuge der Ruhrgas-Übernahme Beteiligungen an die EnBW abgeben. Noch ist unklar, welche das sein werden. Kein Geheimnis machte Goll aus den Gesprächen, die er seit letztem Jahr mit der Essener RAG führt. Die ehemalige Ruhrkohle, hat in der vergangenen Woche einen radikalen Umbau angekündigt und gibt unter anderem das Gasgeschäft der saarländischen Tochter RAG Saarberg, die Saar Ferngas AG, auf. Das Unternehmen ist nach RAG-Angaben der größte Ferngasanbieter Süddeutschlands.

Golls Nachfolger Utz Claassen, der im Mai bei der EnBW anfängt, wird sich zunächst jedoch auch einem anderen Thema widmen müssen. Die EnBW muß ihre Erträge verbessern. Im Konzern wird jetzt ein Fitnessprogramm gestartet, das bis 2006 eine Ertragsverbesserung von 700 Mill. Euro bringen soll.

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