Großaktionäre zwingen Vorstand Tempo der Restrukturierung zu verschärfen
2004 könnte für Linde die Wende bringen

Für die Linde AG wird 2004 vermutlich ein entscheidendes Jahr. Es wird sich zeigen, ob es dem seit Januar amtierenden Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Reitzle gelingt, den Konzern profitabler zu machen auf. Mit Hilfe der erwarteten Konjunkturerholung und umfangreicher Kostensenkungs- und Restrukturierungsmaßnahmen könnte nach Ansicht von Analysten der Turnaround gelingen. Schwachstellen im Konzern und die Großaktionäre zwingen Reitzle, das Tempo für die notwendige Restrukturierung zu verschärfen.

HB DÜSSELDORF. Die Großaktionäre Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank, die zusammen fast die Hälfte des Linde-Kapitals halten, machen Druck auf Reitzle und fordern schnelleres Handeln. Sie wollen ihre Anteile lieber heute als morgen versilbern, die schlechte Performance hindert sie aber derzeit daran. Die Großaktionäre hätten hohe Erwartungen an Reitzle, wollten dem Manager allerdings noch 2004 Zeit geben. Bis dahin müsse es Reitzle gelingen, die Börsenbewertung zu erhöhen, heißt es in Bankenkreisen.

Der Linde-Manager glaubt nicht an eine rasche Konjunkturerholung in Europa und setzt daher auf umfangreiche Maßnahmen, um die Produktivität im Konzern zu steigern. Er hege begründete Zweifel, dass die spürbaren Auftriebskräfte außerhalb Europas auch belebend auf die europäische Wirtschaft und damit auf die Binnenkonjunktur in Deutschland wirkten, sagte er im November. Um weiteres Wachstum zu generieren, will Reitzle daneben den internationalen Ausbau des Konzerns so vorantreiben, dass die bestehende "Europa-Abhängigkeit" des Konzerns weiter verringert wird.

Eine interessante Perspektive könnte nach Meinung von Vereins und Westbank-Analyst - Robert Czerwensky die mögliche Übernahme des US-Geschäfts des vor der Zerschlagung stehenden Gaseanbieters Messer Griesheim sein. Der Kauf des Nordamerika-Geschäfts von Messer mit einem Umsatzvolumen von etwa 340 Mio EUR dürfte, so die Beobachter, im Gegensatz zu einer Übernahme der britschen BOC kaum kartellrechtliche Probleme mit sich bringen. Einem Magazin-Bericht zufolge soll Reitzle eine Fusion unter Gleichen mit dem britischen Gaseanbieter BOC Group anstreben. Das Unternehmen hatte den Bericht allerdings als "reine Spekulation" bezeichnet.

Linde rangiert mit ihrer Industriegase-Sparte weltweit unter den ersten 5 Anbietern und ist in Deutschland die Nummer 1 vor der französischen Air Liquide und der britischen BOC. Weltweit hat Air Liquide die Nase vorn, vor BOC und dem US-Unternehmen Air Products. Mit einer Fusion von Linde (Marktanteil weltweit: 11%) und BOC (14%) würden die beiden Industriegaseanbieter Air Liquide (19%) an der Spitze ablösen.

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