Großaufgebot von Polizei und Bundesgrenzschutz
Castor-Großtransport ist in Gorleben eingetroffen

Am Ende geht alles wieder ganz schnell. Pünktlich zum Sonnenaufgang rauscht der bislang größte Castor-Transport aus Frankreich am Donnerstagmorgen um 07.24 Uhr ins Zwischenlager Gorleben.

HB/dpa GORLEBEN. Rund eine Stunde brauchen die zwölf Tieflader mit den Atommüllbehältern und die unzähligen Begleitfahrzeuge der Polizei für die 20 Kilometer lange Straßenstrecke von der Verladestation Dannenberg bis Gorleben. Ein Großaufgebot von Polizei und Bundesgrenzschutz sichert den Transport auch in der Schlussphase.

Lediglich zwei Dutzend Demonstranten haben es bis an die Absperrgitter geschafft. Sie empfangen die strahlende Fracht mit einem gellenden Pfeifkonzert. "Schämt Euch", rufen sie den Beamten empört entgegen, als sich das Tor hinter dem letzten Tieflader schließt. Einer der Demonstranten heult vor Wut.

Wut schlägt den Castor-Behältern auch schon wenige Kilometer vor Gorleben entgegen. Im kleinen Dorf Laase hat die Polizei auf einem Acker am Ortsrand einige hundert Castor-Gegner eingekreist. Auch sie stimmen ein Pfeifkonzert an, als die zwölf schneeweißen Behälter mit der schwarzen Aufschrift "www.Kernenergie.de" in hundert Metern Entfernung an ihnen vorbeirollen.

Die Festgehaltenen sind der Rest von rund 1000 Demonstranten, die der Polizei wenige Stunden vor der Ankunft des Transportes am Ziel noch einmal viel Arbeit abverlangt haben. Obwohl die Einsatzkräfte schon aufmarschiert sind und das Feld am Ortsrand wie einen Fußballplatz mit Scheinwerfern ausleuchten, können sie nicht verhindern, dass die Atomkraftgegner über eben dieses Feld auf die Transportstrecke stürmen. Von 23.30 Uhr an gehört ihnen die Straße, über die die Castor-Behälter rollen müssen. Erinnerung an den Transport vor einem Jahr werden wach, als ebenfalls in der Nacht vor dem Straßentransport an genau dieser Stelle die Route besetzt war.

"Ihr Verhalten ist rechtswidrig. Sie verstoßen gegen das Versammlungsverbot der Bezirksregierung. Dieses rechtswidrige Verhalten kann und wird die Polizei nicht dulden", teilt die Einsatzleitung den Blockierern per Lautsprecher mit. "Ihr Verhalten ist rechtswidrig. Sie verstoßen gegen das Grundgesetz und die allgemeine Menschenwürde", kontert per Megafon Jochen Stay von der Anti-Atom-Kampagne "X-tausendmal quer".

Am Ende behält die Polizei die Oberhand. Sie beendet die Blockade, indem die Beamten viele der Demonstranten von der Straße tragen und auf dem Feld umstellen. Um 04.35 Uhr ist die Strecke wieder frei. Zweieinhalb Stunden später rollen die Tieflader darüber. «Die Mauer muss fallen» und «Feierabend» rufen die festgehaltenen Demonstranten den Polizisten zu. Das sehen diese - kaum dass der Transport im Zwischenlager angekommen ist - genauso, packen ihre Sachen und ziehen ab.

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