Großauftrag kommt nicht zum Kanzler-Besuch in Peking
China pokert beim Airbus um bessere Preise

Im elften Stock der China Aviation Suppliers Importer and Exporter Corp (CASC) hängt am Aufzug ein Riesen-Poster des Airbus A 330. Wenige Meter daneben geht es in das Büro des Vizepräsidenten des staatlichen Einkäufers. Der ist für die europäischen Flugzeugbauer ein überaus wichtiger Mann: Seit August verhandelt er über einen 2,7 Mrd.-$-Auftrag für bis zu 50 Maschinen des Typs A 320.

PEKING. Doch es scheint, als kämen die zähen Verhandlungen nicht rechtzeitig zum Abschluss. "Ich weiß nichts von einem Deal", sagte gestern Vizepräsident Gu Xiang Chu. Dabei sollte Bundeskanzler Gerhard Schröder heute abend in Peking von Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji von der Erteilung des Auftrags unterrichtet werden. Der Unterhändler der CASC, Li Yuan Ming, erklärte jedoch: "Wir verhandeln noch". Auch in der Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt in China, Civil Aviation Administration of China, sagt eine Sprecherin: "Wir haben keinen Hinweis für eine Unterschrift in den nächsten drei Tagen".

Diplomaten aus den am Airbus-Konsortium beteiligten Ländern rieten gestern ebenfalls zur Vorsicht. "Ich erwarte das während des Besuchs von Schröder nicht", sagt der Wirtschaftschef einer der Botschaften. Und bei Airbus China bestätigt die Sprecherin Lindsay Mee, "die Verhandlungen dauern an". Das Problem ist die desolate Lage der Airlines nach den Anschlägen vom 11. September. Die Flugzeugherstellerie Airbus oder auch Boeing müssen derzeit wegen der schwachen Nachfrage nach neuen Jets massive Preisnachlässe gewähren. China will davon profitieren und pokert hoch.

Vier chinesische Airlines haben vor einem Monat 30 Maschinen beim Konkurrenten Boeing im Wert von 1,6 Mrd. US-$ bestellt. Sie sollen zwischen 2002 und 2005 ausgeliefert werden. Airbus gelang 1996 der Durchbruch auf dem von Boeing dominierten chinesischen Markt mit einem Vertrag über 30 Flugzeuge des Typs A 320 im Wert von 1,5 Mrd. $. Airbus hat seitdem den Marktanteil in China von 7% auf 24% ausgebaut. Hongkong und Macau eingerechnet, hat Airbus nach Angaben seines Vorstandschefs Noel Forgeard seit 1996 bei neuen Bestellungen in China sogar 58% Marktanteil. In Hongkong hat Cathay Pacific 34 ihrer 72 Maschinen bei den Europäern gekauft. Die Tochter Dragon Air hat die gesamte Passagierflotte von 17 Jets auf Airbus umgestellt. Größter Kunde auf dem chinesischen Festland ist die China Eastern, die 42 ihrer 65 Maschinen bei Airbus kaufte. Insgesamt hat Airbus im Großraum China bislang 165 Flugzeuge verkauft.

Bereits jetzt produzieren vier chinesische Hersteller Teile der Airbus-Familie. Die Xi´an Aircraft Company macht Türen und Ruder, Shenyang Aircraft produziert Rippen für Tragflächen und Notausgänge. Guizhou Aviation stellt Werkzeuge für die Wartung her. Und bei Chengdu Aerospace werden Türen für den hinteren Teil der A320 gefertigt.

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