Großbäcker will im Übernahmekampf an bisheriger Strategie festhalten – Barilla schließt Aufstockung des Angebots nicht aus
Kamps muss Privatanleger überzeugen

Den Übernahmekampf zwischen dem Großbäcker Kamps und dem Nudelkonzern Barilla werden die Kleinaktionäre entscheiden. Vor allem ihr Vertrauen muss Vorstandschef Heiner Kamps auf der Hauptversammlung am Dienstag zurück gewinnen. Spekulative Großinvestoren setzen weiter auf ein höheres Angebot von Barilla.

FRANKFURT/M. Im Kampf um die feindliche Übernahme von Europas größter Bäckereikette durch den weltgrößten Nudelhersteller werden die Privatinvestoren das Zünglein an der Waage spielen. Nach Informationen aus Bankenkreisen halten Kleinanleger mehr als die Hälfte der Aktien des Düsseldorfer Großbäckers Kamps. Um die Privaten auf seine Seite zu ziehen, hat der italienische Barilla-Konzern bereits eine breitangelegte Werbekampagne gestartet, die sich das Unternehmen nach Schätzungen aus Branchenkreisen jeden Tag rund 300 000 Euro kosten lässt. Kamps sieht dagegen bisher noch keinen Anlass, einen eigenen Werbefeldzug zu starten. Die Düsseldorfer wollen zunächst die morgige Hauptversammlung als Plattform nutzen.

Dabei wird Vorstandschef Heiner Kamps nach Informationen des Handelsblatts vor allem auf das bisherige Konzept des Konzerns setzen. Ein grundsätzlicher Strategiewechsel ist offenbar nicht zu erwarten. Über konkrete Abwehrmaßnahmen gegen die feindliche Übernahmeofferte wird Kamps wohl erst nach Veröffentlichung des offiziellen Barilla-Angebots entscheiden. So lange der Kurs der Bäckeraktie über dem bislang gebotenen Preis liegt, fühlt sich der deutsche Konzern auf der sicheren Seite.

Kamps will den Aktionären auf der Hauptversammlung klar machen, dass sein Konzern nicht zum Verkauf steht und Barilla als Partner nicht braucht. Allerdings weiß der Vorstandschef auch, dass er verlorenes Vertrauen zurückgewinnen muss. Viele Kleinanleger und institutionelle Investoren hat die unerwartete Gewinnwarnung und der dadurch ausgelöste Kurssturz im vergangenen Jahr tief verunsichert.

Am vergangenen Montag hatte Barilla Kamps nach dem endgültigen Scheitern monatelanger Verhandlungen zwischen beiden Konzernen mit einem feindlichen Übernahmeversuch überrascht. Die Italiener wollen 12 Euro je Aktie bieten. Kamps lehnt die Offerte als zu niedrig ab. Der Börsenkurs der Düsseldorfer kletterte darauf hin deutlich und liegt seit Tagen klar über dem gebotenen Preis von 12 Euro. Vor allem spekulative Hedge Funds hätten sich in der Hoffnung auf eine Aufstockung der Offerte bei Kamps engagiert und den Kurs in die Höhe getrieben, ist aus den Handelsabteilungen großer Banken zu hören.

Jetzt hat der italienische Nudelkonzern bis Mitte Mai Zeit, sein offizielles Angebot vorzulegen. In Bankenkreisen geht man allerdings davon aus, dass Barilla schneller agiert und spätestens in der nächsten Woche die Einzelheiten seiner Offerte vorlegt. Derzeit kontrollieren die Italiener nach Informationen aus Finanzkreisen rund 9% der Bäcker-Aktien. Kamps habe rund 25% auf seine Seite gebracht. Rund 11% liegen bei institutionellen Anlegern.

Kamps hatte die Ablehnung des Angebots vor allem mit dem zu niedrigen Preis begründet. Wie aus unternehmensnahen Kreisen zu hören ist, ergibt sich bei einem Zusammenschluss beider Konzerne ein Synergiepotenzial von rund 4,5 Euro je Aktie. Davon sei noch kein Cent in der Offerte berücksichtigt. Am Wochenende deutete Konzernchef Guido Barilla in einem Interview die Möglichkeit an, die Übernahmeofferte nachzubessern, sollte ein Mitbewerber für das deutsche Unternehmen auftreten. "Wenn tatsächlich jemand ein höheres Angebot abgibt, werden wir unsere Reaktion darauf überlegen." Bislang seien konkurrierende Bieter allerdings nur als Gerücht aufgetaucht, betonte Barilla. Bei Kamps haben sich nach Informationen des Handelsblatts mittlerweile mehrere internationale Lebensmittelkonzerne gemeldet. Unter den Interessenten soll auch das US-Unternehmen Sara Lee sein. Die Gespräche gehen aber offensichtlich über eine erste Kontaktaufnahme noch nicht hinaus.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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