Großbank erwartet für das laufende Jahr keinen Gewinnzuwachs
UBS fürchtet Enge im Investmentbanking

Nach Ansicht von UBS-Chef Marcel Ospel stößt die Konzentration im Investmentbanking an ihre Grenzen. Weitere Zusammenschlüsse seien schlecht für die Kunden. Dagegen erwartet Ospel schon bald grenzüberschreitende Fusionen unter den europäischen Großbanken. Die UBS selbst will ihre Position in den USA ausbauen.

FRANKFURT/M. Der Chef der schweizerischen Großbank UBS AG, Marcel Ospel, warnt vor einer übermäßigen Konzentration im Investmentbanking. "Es muss eine gewisse Mindestanzahl von Wettbewerbern geben", sagte der Verwaltungsratspräsident der größten schweizerischen Bank im Gespräch mit dem Handelsblatt. Eine weitere Verdichtung der Branche wäre für die Kunden "nicht sehr attraktiv". In diesem Falle drohe eine Situation ähnlich wie bei den Wirtschaftsprüfern. In dieser Branche häufen sich die potenziellen Interessenkonflikte, weil sich nur noch eine Handvoll größerer Anbieter um Aufträge rangeln und diese gleichzeitig auch noch im Beratungsgeschäft tätig sind.

Im Investmentbanking können sich Interessenkollisionen beispielsweise dann ergeben, wenn ein Institut für eine ganze Reihe von Firmen einer Branche tätig ist. Nach den zahlreiche Fusionen der vergangenen Jahre und der Konzentration des Geschäfts auf wenige Häuser hätten in schwierigen Zeiten die Branchenführer mittlerweile einen Marktanteil von fünf bis zehn Prozent, erläutert Ospel. Dies führe dazu, dass große Häuser bereits jetzt Aufträge ablehnen müssten, um Beratungskonflikte zu vermeiden.

Zwar geht der UBS-Chef davon aus, dass die eine oder andere Investmentbank noch zukaufen werde. Wahrscheinlicher sei es aber, dass sich Investmentbanken mit Häusern zusammenschlössen, die eine andere Fokussierung haben. Beispiele dafür gibt es bereits. So hat sich die US-Bank Chase Manhattan die Investmentbank JP Morgan einverleibt, während die Citigroup die Investmentbank Salomon Smith Barney schluckte. Die daraus entstandenen Gebilde verfügen einerseits über ein enormes Bilanzvolumen, das ihnen die Vergabe von Krediten erleichtert. Zusammen mit der Expertise im Investmentbanking ist das ein großer Vorteil.

Bei den Universalbanken in Europa rechnet Ospel dagegen schon bald mit weiteren, auch grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen. "Das muss kommen - da sind gewiss auch schon einige Töpfe am Kochen". Ähnlich hatte sich vor kurzem auch der frühere Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, geäußert. Seiner Meinung nach stoßen insbesondere die Banken in Frankreich, Großbritannien und Spanien in ihrem Heimatländern an Wachstumsgrenzen. Nach Ansicht Ospels leiden die europäischen Banken vor allem unter Überkapazitäten. Die Kosten seien zu hoch und die Margen zu niedrig. Dies gelte auch für deutsche Kreditinstitute, die Ospel im Gegensatz zu Breuer durchaus zu den Kandidaten für grenzüberschreitende Fusionen rechnet.

Für sein eigenes Haus hegt er dagegen offenbar keine Fusionspläne. Nach den zahlreichen Übernahmen der vergangenen Jahren habe UBS jetzt "eine Plattform, deren Größe weit über der kritischen Masse liegt. Dies erlaubt es uns, den Fokus auf organisches Wachstum zu legen". Durchaus vorstellen kann er sich aber kleinere Übernahmen zur Abrundung des Kerngeschäfts, sofern sie "kulturell und ökonomisch Sinn machen".

UBS versteht sich heute nicht mehr als traditionelle Bank, sondern als Finanzdienstleister mit den beiden Geschäftsfeldern Vermögensverwaltung (wealth management und Verwaltung von Geldern für institutionelle Kunden) und Investmentbanking. Eine klare Absage erteilte Ospel Spekulationen, UBS wolle zu einem Allfinanzkonzern ähnlich dem schweizerischen Rivalen Credit Suisse oder der Allianz in Deutschland mutieren. In Finanzkreisen wird Ospel gelegentlich unterstellt, er erwäge eine Übernahme von Versicherungen wie Swiss Life oder Zurich Financial Services. Zwar sieht auch Ospel Konvergenzen zwischen der Kapitalanlage und der privaten Altersvorsorge. "Aber deswegen müssen wir in unserem Fall keine Versicherung besitzen". Vielmehr könne man die Versicherungsprodukte zukaufen.

Verstärken will sich die Bank dagegen im amerikanischen Investmentbanking. "Hier haben wir überdurchschnittlichen Expansionsbedarf, wenn die Märkte wieder anziehen", betont Ospel. Derzeit sei die Bank jenseits des Atlantiks noch nicht groß genug. Der Grund: UBS habe sich relativ früh aus den einstigen Boom-Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) zurückgezogen. Damit sei UBS während der Börsenhausse zwar auf Unverständnis gestoßen, profitiere inzwischen aber von der richtigen Einschätzung. Bei der Anwerbung von Top-Bankern profitiert UBS Ospel zu Folge von der Übernahme des Vermögensverwalters und Fondsspezialisten Paine Webber, die den Ruf der Bank in den USA gefestigt habe. Kürzer treten wird UBS hingegen im Geschäft mit Firmenbeteiligungen (Private Equity), dass im vergangenen Jahr eine Verlust von 1 Mrd. einfuhr. Zwar werde man diese Sparte nicht aufgeben, um den Kunden weiterhin eine komplette Produkt-Palette anbieten zu können. Doch würden die Investitionen künftig auf "kleinerer Flamme" erfolgen als in den letzten Jahren.

Mit Blick auf das laufenden Jahr ist Ospel wegen der Schwäche der Finanzmärkte eher pessimistisch. "Es wird schwierig, die Ergebnisse des Vorjahres zu wiederholen". Im vergangenen Jahr war der Konzernertrag um 36 % auf knapp 5 Mrd. sfr geschrumpft. Im Vergleich zu anderen Großbanken, etwa der Deutschen, hatte sich UBS damit aber mehr als achtbar geschlagen.

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