Großbank gibt das Online-Brokerage in Deutschland auf
Spanische Bank Santander senkt Gewinnprognose

Die wirtschaftliche Schwäche in Lateinamerika hat bei Spaniens größter Bank Santander Central Hispano (SCH) einen Gewinnrückgang um 13,4 % im ersten Halbjahr verursacht. Auch für das Gesamtjahr geht SCH jetzt von einem schlechteren Ergebnis aus.

sk/pot MADRID. Auf Grund der "Volatilität der Märkte und den Währungsabwertungen in Lateinamerika" erwartet die Bank für 2002 nur noch einen Nettogewinn von 2,25 Mrd. Euro - ein Minus von 10 % gegenüber dem Vorjahr. Bislang hatte SCH ein Ertragsplus von 10% auf 2,7 Mrd. Euro prognostiziert. "Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass das nicht zu halten sein wird", sagte Carsten Werle, Analyst bei WestLB Panmure. "Aber dass die Bank so deutlich das Gewinnziel herunterfährt, kommt doch überraschend."

Die Probleme der Bank liegen vor allem in Lateinamerika. Nicht nur Argentinien wirkt sich auf die Zahlen aus. Auch die politische und wirtschaftliche Unsicherheit in Brasilien hat zunehmend Rückwirkungen auf die Bilanz der dort stark engagierten Bank. Analysten gehen davon aus, dass auch Spaniens zweite Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) ihre Gewinnprognosen zurückschrauben wird. Der BBVA, der bislang wie SCH von einem Ertragsplus von 10% ausging, legt morgen die Zahlen für das erste Halbjahr 2002 vor.

Während Santander den operative Gewinn im ersten Halbjahr leicht um 2,3% auf 3,1 Mrd. Euro erhöhen konnte, sank der Nettogewinn im Jahresvergleich um 13,4% auf 1,2 Mrd. Euro. Die Risikovorsorge wurde um 17,7% erhöht. Das Handelsergebnis gab um mehr als 40% nach. Auch die Erträge aus dem Beteiligungsgeschäft gingen markant zurück. Zudem sank der Gewinn im Nachbarland Portugal. Das Kerngeschäft des europäischen Retail-Banking dagegen "zeigte sich erholt", teilte die Bank mit. SCH gelang es, die Kosten um 11% zu senken. Dadurch sei das Kosten-Ertrags-Verhältnis um 3,4 Punkte auf 50,6% gesunken.

Spanische Banken machen Gewinne

Im Vergleich mit den meisten deutschen Banken stehen die spanischen Kreditinstitute sehr gut da. Die Banken südlich der Pyrenäen machen, trotz geringeren Wachstumstempos, immer noch gute Gewinne. Mittelgroße und auf den spanischen Markt konzentrierte Banken wie Banco Popular und Banesto haben auch im ersten Halbjahr 2002 zugelegt. Die SCH-Aktie gewann gestern in einem positiven Marktumfeld zeitweilig rund 4%. Allerdings ist der Kurs seit Jahresanfang um 25 % gesunken. BBVA verzeichnet seit Januar sogar einen Kursrückgang von knapp 30%. Neben der unsicheren Lage in Lateinamerika spielt bei BBVA allerdings die Diskussion um frühere Schwarzgeldkonten in Steuerparadiesen eine nicht unerhebliche Rolle. Ein Prozess droht auch SCH-Präsident Emilio Botín: Eine Staatsanwältin in Madrid will ihn der Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung überführen.

Die weitere Entwicklung bei SCH in 2002 "hängt in erster Linie an Lateinamerika", sagt WestLB Panmure-Analyst Werle. Sollte es keine weitere Abwertung in der Region geben, "kann am Jahresende sogar ein Plus-Minus-Null beim Gewinn herauskommen".

"Widriges Marktumfeld" für Santander Direkt Bank

In Deutschland stellt die Tochtergesellschaft Santander Direkt Bank zum 30. September das Online-Brokerage ein, das über das Anlageportal Patagon betrieben wird. Begründet wird dieser Schritt mit dem widrigen Marktumfeld. Die Marke Patagon bleibt aber am Markt. Aufgegeben werde lediglich der Aktienhandel per Internet sowie der Vertrieb von Drittfonds, hieß es aus Unternehmenskreisen. Die übrigen Produkte wie der Vertrieb konzerneigener Fonds sowie Währungs- und Tagesgeldkonten bleiben bestehen. Das Online-Portal Patagon wurde im August 2001 live geschaltet.

Quelle: Handelsblatt

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