Großbank zahlt 33 Milliarden Dollar
Chase Manhattan kauft renommiertes Investmenthaus J.P. Morgan

Der Zusammenschluss zur drittgrößten US-Bank ist perfekt. Die Aktien beider Geldhäuser verloren am Mittwoch an Wert.

dpa-afx NEW YORK. Die US-Großbank Chase Manhattan übernimmt für knapp 33 Mrd. $ (75 Mrd. DM) das Investmenthaus J.P. Morgan und damit eine der ältesten und renommiertesten Finanzadressen an der Wall Street. Das teilten beide Banken am Mittwoch in New York mit. Chase Manhattan zahlt demnach 3,7 eigene Aktien für jeden Anteilsschein von JP Morgan, was eine Morgan-Aktie mit rund 207 USD bewertet.

Die Aktie von JP Morgan wurde am Mittwochnachmittag an der Wall Street bei einem Kurs von 179,18 $ umgesetzt, dies ist ein Minus von 3,4 % zum Vortag. Chase Manhattan verloren unterdessen 4,73 % auf 50,31 $. Außer dieses Preisaufschlags soll auch eine Bevorzugung beim neuen Firmennamen JP Morgan den Verlust der rund 150 Jahre lang gepflegten Unabhängigkeit erleichtern: Ungeachtet der Größenverhältnisse wird der neue Bankkonzern JP Morgan Chase & Co heißen. Angeblich hatte auch die Deutsche Bank über den Kauf von JP Morgan verhandelt.

Drittgrößte Bank der Vereinigten Staaten

Durch den Zusammenschluss der drittgrößten Bank in den USA mit dem altehrwürdigen Investmenthaus entsteht ein Konzern mit einer Bilanzsumme von 660 Mrd. $ (1,5 Bio. DM), einem zusammengerechneten Umsatz von 31 Mrd. $ und einem Pro-forma-Gewinn von 7,5 Mrd. $. Die erhofften Einsparungen gaben die Häuser mit 1,9 Mrd. $ an. Analysten gingen von hohen Stellenverlusten bei beiden Banken aus, da sich weite Bereiche überschnitten. Sie sagten auch einen schwierigen Integrationsprozess voraus: Bei J.P. Morgan herrsche ein hohes Identitätsbewußtsein vor. An der New Yorker Börse verloren die Anteilsscheine beider Unternehmen.

US-Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen

Die Finanzhäuser selbst betonten, sie verfügten gemeinsam über "außergewöhnliche gute Wachstums- und Rentabilitätsperspektiven". Die von den Vorständen bereits abgesegnete Transaktion solle im ersten Quartal 2001 abgeschlossen sein. Eingeholt werden muss noch die Zustimmung von Aktionären und den US-Wettbewerbsbehörden.

Chef des neuen Finanzriesen wird Chase-Manhattan-Chef William B. Harrison. S ein Pendant bei J.P. Morgan, Douglas "Sandy" Warner, wird dem Aufsichtsrat vorstehen. J.P. Morgan soll vornehmlich für Investmentbanking und Vermögensverwaltung verantwortlich zeichnen, während Chase Manhattan weiter das Massengeschäft, die Kundenkreditvergabe, den Versicherungsbereich, den Mittelstand und das Hypothekengeschäft betreuen wird.

Warner sagte dem US-Sender CNBC, der Verlust der unternehmerischen Unabhängikeit sei zwar schmerzlich, JP Morgan habe aber eines "gänzlich neuen Niveaus" bedurft, um weiter wachsen zu können. Das Finanzhaus war 1854 von Junius Morgan als J.S. gegründet und 1861 von dessen Sohn J. Pierpont Morgan in JP Morgan umbenannt worden. Die Bank war einer der wichtigsten Geldgeber bei der Industrialisierung Amerikas.

In den letzten Jahren fiel JP Morgan aber hinter Konkurrenten wie Morgan Stanley Dean Witter zurück. Firmenchef Warner gelang es mit einer Modernisierungkampagne schließlich, das Ruder herumzuwerfen; J.P. Morgan überraschte Analysten zuletzt mit starken Zahlen für das zweite Quartal.

Mit der JP-Morgan-Übernahme setzt sich die jüngste Welle von Aufkäufen im Investmentbank-Bereich fort. Zuletzt hatte die Schweizer Credit Suisse Group für 13,4 Mrd. $ Donaldson, Lufkin und Jenrette (DLJ) geschluckt. Presseberichten zufolge steht auch die Dresdner Bank vor einem Milliardenkauf in den USA. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete unter Berufung auf Bankenkreise, das drittgrößte deutsche Finanzinstitut wolle noch in dieser Woche für bis zu 1,5 Mrd. $ das US-Investmenthaus Wasserstein, Perella and Co übernehmen, um seine Investment-Filiale Dresdner Kleinwort Benson zu stärken.

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