Großbanken sparen an IT-Ausgaben
Bankenkrise wirft Schatten auf IT-Industrie am Main

Mit T-Systems, CSC-Ploenzke und EDS haben gleich drei der großen IT-Dienstleister ihren Sitz in der Umgebung der Mainmetropole. Vor allem die Banken der Frankfurter City haben in den vergangenen Jahren für eine enorme Nachfrage gesorgt.

FRANKFURT. Das Herzstück moderner Großbanken sind riesige Computernetzwerke. Und Frankfurt hat viele davon. Mit der Deutschen, Dresdner- und Commerzbank haben drei von vier Großbanken ihren Sitz in der Mainmetropole, zählt man alle Banken in Frankfurt zusammen ergibt sich ein Zahl von mehr als 500.

Tag für Tag schwappen zwischen den Türmen und Büros in der Frankfurter City riesige Datenmengen hin und her. Ein- und Auszahlungen, Aktienaufträge, Risikorechnungen, Zinserträge oder Devisentransaktionen - auf Knopfdruck lassen sich in wenigen Sekunden Millionenbeträge bewegen. Um die geschäftskritischen Daten zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu machen, hat die Finanzindustrie im Rhein-Main-Gebiet in den vergangen Jahren Milliardenbeträge investiert; nicht nur in Computerhardware und Softwareprogramme, sondern auch in Spezialisten, die für ein reibungsloses Funktionieren der IT-Systeme sorgen.

"Manche Großbanken beschäftigen heute mehr Softwareentwickler als SAP", bekannte kürzlich Henning Kagermann, Vorstandschef Chef des größten deutschen Softwarehauses. So sind allein bei der Industrie- und Handelskammer im Raum Frankfurt rund 5 900 Unternehmen aus dem Bereich IT- und Telekommunikation gemeldet. Am Himmel über der Bankenstadt sind dunkle Wolken aufgezogen. Die Finanzinstitute müssen sparen und bauen Arbeitsplätze ab. Und während Bankmanager in der Zeit des Aktienbooms und der Internethysterie - nicht selten wahllos - in Informationstechnologie investierten, wird heute jede Investition peinlich genau überprüft.

Das bekommen auch die IT-Unternehmen der Region zu spüren. Allen voran die Mitarbeiter in den Rechenzentren der Deutschen Bank. Diese werden künftig aller Voraussicht nach bei IBMarbeiten, dem weltweit größten Anbieter von IT-Dienstleistungen, der in Frankfurt mit rund 1 200 Mitarbeitern präsent ist. Die Deutsche Bank hat beschlossen, dass sie um Kosten zu sparen, den Betrieb ihrer Rechenzentren künftig in die Hände von IBM legen will. Erweist sich dieses Modell als erfolgreich, könnten andere Banken nachziehen.

Doch nicht nur Banken und Börse, sondern auch eine ungewöhnlich hohe Dichte an großen Industrieunternehmen wie Opel in Rüsselsheim oder das Verkehrskreuz Frankfurter Flughafen sind der Grund dafür, dass sich mit EDS in Rüsselsheim, CSC-Ploenzke in Wiesbaden und T-Systems in Frankfurt-Niederrad gleich drei der größten IT-Dienstleister ihre Hauptquartiere in das Rhein/Main-Gebiet gelegt haben.

Laut Angaben des Vereins Wirtschaftsförderung Rhein-Main befinden sich von den 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands über 60 in der Region Rhein-Main. "Die Rhein-Main-Region liegt auch geographisch gesehen sehr zentral", sagt Peter Strabel, Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters CSC-Ploenzke. So sei es kaum möglich "in jeder Niederlassung das gesamte Spektrum an Spezialisten zu beschäftigen. "Doch durch die Nähe zum Flughafen sowie die Anbindung an das Bahn - und Fernstraßennetz können unsere Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit an den meisten Orten in Deutschland sein."

Rund 30 Kilometer südlich von Frankfurt liegt die südhessische Stadt Darmstadt. Mit knapp 140 000 Einwohnern, einer Technischen Universität und drei Fachhochschulen hat sich Darmstadt zu einem Schwerpunkt in der deutschen Softwareentwicklung gemausert. Mit der Software AG, Computer Associates (CA), MIS und dem Internetprovider T-Online haben mehrere IT-Unternehmen ihren Sitz in Darmstadt. Bekannt ist auch das Darmstädter Fraunhofer-Instituts, dessen Forschungsergebnisse im Bereich graphischer Datenverarbeitung in Simulationen wie in dem Kinofilm "Jurassic Parc" zu bestaunen sind.

Noch weiter südlich liegt in der Nähe von Heidelberg das kleine Städtchen Walldorf. Vor genau 30 Jahren gründeten dort eine Hand voll IBM-Aussteiger ein Unternehmen, das es sich zum Ziel gesetzt hatte betriebliche Standardprozesse wie Buchhaltung durch Software effizienter zu gestalten. Das Unternehmen erhielt den spröden Namen "Systeme, Anwendungen, Produkte in der Datenverarbeitung", besser bekannt unter SAP. Mittlerweile gehört SAP zu den fünf größten Softwarehäusern der Welt und beschäftigt weltweit mehr als 28 000 Mitarbeiter.

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