Großbritannien bekommt die Tierseuche nicht in den Griff
Europas Angst vor der Maul- und Klauenseuche

Die Maul- und Klauenseuche hält immer mehr europäische Staaten in Atem. Während die britischen Behörden am Wochenende 15 neue Seuchenfälle bestätigten, wurden in Belgien und Frankreich je ein Hof unter Quarantäne gestellt. In Irland fielen am Wochenende viele Sportveranstaltungen aus. In Portugal fürchteten die Behörden, zu dem UEFA-Cup-Spiel zwischen Liverpool und Porto anreisende britische Fans könnten die Seuche einschleppen.

ap/ddp BRÜSSEL/BERLIN. Bis zum Sonntag bestätigten die britischen Behörden 15 neue Fälle der Maul- und Klauenseuche. Die Zahl der betroffenen Betriebe stieg auf insgesamt 57. Die Regierung in London einigte sich am Samstag mit der EU auf eine rasche Entschädigung der betroffenen Bauern. Landwirtschaftsminister Nick Brown sagte, die EU werde bis Ende Mai 156 Mill. Pfund (245 Mill. Euro) bereitstellen, um britische Bauern zu unterstützen. Die ersten Zahlungen sollten bereits in diesem Monat erfolgen.

Großbritannien tötete bislang 53 000 Tiere

Unterdessen gingen die Verbrennungen notgeschlachteter Tiere auf Scheiterhaufen weiter. Bislang wurden allein in Großbritannien 53 000 Tiere getötet. Aus Furcht vor der Ausbreitung der Seuche wurden Viehtransporte vorerst verboten, betroffene Höfe abgeriegelt, Großveranstaltungen abgesagt sowie Parks und Wandergebiete geschlossen.

In Belgien wurde um den betroffenen Hof bei Diksmuide, 90 Kilometer westlich von Brüssel, ein Sperrbezirk von 19 Kilometern errichtet, nachdem bei drei Schweinen Symptome der Viruskrankheit festgestellt worden waren. 323 Schweine wurden notgeschlachtet. Am Samstag verhängte die Regierung ein dreitägiges Verbot für Viehtransporte. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums erklärte, der betroffene Hof habe vor kurzem Schweine aus Großbritannien importiert. Auch wenn die vorläufigen Testergebnisse negativ ausgefallen seien, bleibe der Verdacht weiter bestehen.

Frankreich riegelt einen Hof ab

In Frankreich wurde ein landwirtschaftlicher Betrieb in Roche-la-Moliere im Departement Loire vorsorglich abgeriegelt. Aus Großbritannien importierte Schafe des Betriebes hätten Symptome der Krankheit gezeigt, hieß es. Erste Tests seien negativ ausgefallen, mit endgültigen Ergebnissen sei am Montag zu rechnen.

Das Bundesverbraucherministerium appellierte an die Landwirte, innerdeutsche Transporte von Klauentieren so weit wie möglich einzuschränken. Zudem wurde empfohlen, die Sperrung von Viehmärkten und Sammelstellen zu verlängern. Belgien verlängerte die Schließung aller Viehmärkte um eine weitere Woche bis zum 19. März, zudem wurden die Grenzkontrollen für Reisende aus Großbritannien verstärkt. Im deutschen Grenzgebiet werden die Hauptverkehrswege nach Belgien verstärkt auf Tiertransporte kontrolliert.

Erster Verdachtsfall in Dänemark

In Dänemark haben die Behörden einen ersten Verdachtsfall von Maul- und Klauenseuche ausgemacht. Eine Kuh von einem Bauernhof in der Nähe des westdänischen Ortes Lemvig sei bei einer ersten Untersuchung am Samstag negativ getestet worden, meldete die dänische Nachrichtenagentur Ritzau am Sonntag. Eine endgültige Bestätigung sei jedoch nicht vor Montagabend zu erwarten.

Der Chef des britischen Bauernverbands (NFU), Ben Gill, erklärte, es sei falsch, den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche mit dem Anstieg der intensiven Landwirtschaft in Verbindung zu bringen. "Solch populistischen Erklärungen zu verbreiten, die in dieser Woche zumeist aus Deutschland gekommen sind, ist total unsinnig", sagte Gill. Es sei kein Zufall, dass der asiatische Stamm der Seuche zum ersten Mal seit 20 Jahren auftrete, kurz nachdem auch der asiatische Stamm der Schweinepest nach 15 Jahren wieder aufgetaucht sei.

Deutschland bislang ohne die Tierseuche

Die Furcht vor einem Fall von Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland hat sich bislang als unbegründet erwiesen. Wie ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums am Samstag in Düsseldorf mitteilte, hat sich der Verdachtsfall im Kreis Aachen nicht bestätigt. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) befürchtet jedoch weiterhin einen Ausbruch von MKS in Deutschland. Das Bundeslandwirtschaftsministerium verstärkt derweil die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Seuche. Unterdessen kritisierten sowohl CDU-Chefin Angela Merkel als auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der BSE-Krise.

Der mit Blick auf MKS gezogene Verdachtssperrbezirk im Kreis Aachen mit einem Radius von drei Kilometern rund um den betroffenen Bauernhof wurde aufgehoben. Mitte Februar waren Schafe von einem britischen Hof mit MKS auf zwei Betriebe in den Kreisen Aachen und Neuss gelangt. Das endgültige Ergebnis für Neuss werde Anfang nächster Woche erwartet, teilte der Sprecher weiter mit. Erst dann lägen die Testergebnisse für jene Tiere vor, die nicht aus Großbritannien stammten.

Lage sei aber weiterhin "sehr besorgniserregend"

Höhn bezeichnete die Lage unverändert als "sehr besorgniserregend". Grund für die weiterhin bestehende Gefahr sei die unbekannte Zahl von Tieren, die über Drittländer aus Großbritannien nach Deutschland gekommen seien. Diese ließen sich durch die vorhandenen Datensysteme nicht identifizieren.

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium am Samstag mitteilte, sollte sämtliches Frischfleisch von Klauentieren, das nach dem 1. Februar aus Großbritannien importiert wurde, vernichtet werden. Eine Vernichtung von ausreichend erhitzten oder verarbeiteten Erzeugnissen sei nicht erforderlich. Das Ministerium appellierte zudem an Landwirte und Unternehmen, auf Transporte von landwirtschaftlichen Gütern aus Großbritannien zu verzichten.

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