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Großbritannien: Finanzaufsicht fordert saubere Trennung der Kosten für Transaktionen und Analysen

Die britische Fondsindustrie steht vor einem dramatischen Wandel ihrer Provisionsstruktur, doch ...

Die britische Fondsindustrie steht vor einem dramatischen Wandel ihrer Provisionsstruktur, doch die Asset Manager halten am Widerstand gegen neue Regeln fest. Der Vorsitzende des Branchenverbands IMA, Richard Saunders, sagte dem Handelsblatt, so eine Meldung vom 7. 10. 2003, die Finanzaufsicht FSA habe "versäumt zu zeigen, warum die jetzigen Regeln nicht funktionieren." Deshalb wende sich die IMA, deren Mitglieder Vermögen von mehr als 2000 Mrd. Pfund verwalten, "gegen Veränderungen".
Die britische Finanzaufsicht feilt an einem Entwurf, der Fondsmanager dazu verpflichtet, für Dienste wie Wertpapieranalysen extra zu bezahlen (vgl zu diesem Thema auch den Beitrag von Locarek-Junge / Berge / Hofmann, Soft Dollar Standards in der Juni-Ausgabe des FINANZ BETRIEB). Bislang fallen diese Kosten nur indirekt an. Mit seinen Äußerungen widerspricht Saunders Medienberichten, wonach Fonds ihre jahrelange Praxis im Umgang mit Brokern und Kunden unter großen öffentlichen Druck freiwillig ändern.
Die Debatte dreht sich im Kern um fehlende Transparenz. Bislang kennen institutionelle wie private Fondskunden nur die Management-Gebühren. Die Höhe der Kommission, die Fonds selbst für Transaktionen bei Brokern bezahlen, bleibt durch Praktiken wie "Softing" oder "Bundling" ungewiss. So ist es eine der Eigenheiten des Londoner Marktes, dass Broker Dienstleistungen, die sie Fondsmanagern zur Verfügung stellen, selbst bezahlen (Softing). Dazu gehört etwa das Bereitstellen von Daten-Terminals, unabhängiges Research oder Computer-Dienste. Im Gegenzug sichern die Fonds zu, ein bestimmtes Volumen des Geschäfts über diese Broker abzuwickeln. Beim Bündeln der Kosten (Bundling) wiederum fassen Broker Handelskosten und Research zusammen. Die britische Finanzaufsicht schätzt, dass bis zu 40% der Kommissionen aus Zusatzdiensten wie Bundling und Softing besteht.
Kritiker wenden sich schon seit Jahren gegen diese Intransparenz. Denn Fondsmanager haben durch das Softing einen Anreiz, die Höhe der direkten Kommissionen zu senken und damit selbst bei konstanten Management-Gebühren höhere Gewinne einzufahren. Zudem könnte das Softing dazu verleiten, Broker mit den besten Zusatzdiensten zu bevorzugen - und nicht mit den besten Transaktionspreisen. Im März 2001 hatte Paul Myners, Ex-Chairman des Fondsmanagers Gartmore, in einem aufsehenerregenden Bericht über institutionelle Investoren den Vorschlag, Kommissionen und Management-Gebühren zusammen zu veröffentlichen und so mehr Transparenz zu schaffen.
Die FSA versucht nun, diese Vorschläge umzusetzen und wird vermutlich im nächsten Jahr neue Regeln einführen. In welche Richtung diese gehen, deutete der neue FSA-Chef John Tiner kürzlich an. In einer Rede sprach er davon, dass Softing und Bundling den Markt verzerrten und Interessenkonflikte provozierten. Werden die Regeln geändert und müssten die Fondsmanager für Research direkt bezahlen, dürften sie wohl deutlich weniger in Anspruch nehmen. Das könnte die Fondsindustrie revolutionieren. Die Kosten für Kunden könnten sich nach Schätzung einiger Beobachter um bis zu 300 Mio. Pfund im Jahr verringern.

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