Großbritannien
Träumen vom schottischen Schlaraffenland

Es war nur ein Spiel. "Reality TV". Doch mehr als 60 Prozent der Zuschauer stimmten bei dem "Fernsehreferendum" in der nordenglischen Grenzstadt Berwick-upon-Tweed für die Sezession von England und den Anschluss an Schottland. Warum Schottland aus englischer Perspektive zum Schlaraffenland geworden ist.

LONDON. Schottlands Studenten müssen keine 3 000 Pfund Gebühren pro Studienjahr zahlen, ihre Großeltern haben kostenlose Alterspflege und Krebskranke erhalten die teueren Medikamente, die Engländern vorenthalten werden.

Um die Sache abzurunden, hat Schottlands "First Minister" Alex Salmond auch die Abschaffung der Gebühren für Rezepte und Zahnuntersuchungen versprochen. Bis 2010 will er die verhassten Gemeindesteuern durch eine "sozial gerechte" Einkommenssteuer von drei Prozent ersetzen. Dabei sind die Kommunalsteuern in Schottland schon jetzt durchschnittlich zehn Prozent niedriger als in England. "Wir arbeiten daran, dass die Unterstützung und das Selbstvertrauen für die Unabhängigkeit wachsen", fasste der kleine, pausbäckige Mann unlängst vor der Londoner Auslandspresse seine Wohlstandsstrategie zusammen. Er glühte vor Zuversicht.

Skeptiker glaubten, der Chef der nationalistischen Minderheitsregierung werde sich mit seinen nur 47 von 129 Mandaten im schottischen Parlament nicht lange halten. Doch ein Jahr nach der Wahl sitzt er fest im Sattel und ist dabei, den politischen Gegner, die Labourpartei, an die Wand zu spielen. 2010 soll das Unabhängigkeitsreferendum stattfinden. "In zehn Jahren wird Schottland unabhängig sein", verspricht Salmond.

Nach einer Umfrage des Glasgower "Sunday Herald" stehen schon 41 Prozent der Schotten hinter dem Unabhängigkeitskurs. Im vergangenen Sommer waren es noch 31 Prozent. Der schottische Politologe John Curtice nennt Salmond einen "Politiker mit AAA Ranking".

Salmonds Schottland soll Teil eines "Bogens des Wohlstands" werden, der sich von Irland über Schottland nach Skandinavien zieht. Nach irischem Vorbild verzückte er gleich nach der Wahl 150 000 schottische Mittelstandsunternehmen mit Steuersenkungen von 120 Mill. Pfund. Bis zum Ende seiner Amtszeit will er die Wachstumslücke zu England schließen. "Schottland hat massive Naturreserven, Öl, Wind und Wellen, eine blühende Finanzindustrie und eine exzellente Infrastruktur. Wir werden Irland überrunden und ein keltischer Löwe werden", sagt Salmond.

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