”Großdeutschlands” Flop
Frankreich 1938: Italiens zweiter Streich

Nach dem unrühmlichen Titelgewinn vier Jahre zuvor polierte Italien bei der WM in Frankreich sportlich gesehen seinen Ruf auf und gewann zum zweiten Mal den "Coupe Jules Rimet". Deutschland schlug dagegen ein düsteres Kapitel seiner Geschichte auf.

dpa HAMBURG. Ein Vierteljahr nach der Annexion Österreichs durch Hitler blamierte sich Nerz-Nachfolger Sepp Herberger zudem mit der neu formierten deutschen Mannschaft, in der acht Spieler aus dem Nachbarland standen.

Die erzwungene Fusion der erfolgreichen Breslauer-Elf mit dem Wiener Wunderteam wurde zum Flop auf der ganzen Linie. Zwei Jahre nach der Pleite bei Olympia in Berlin gab es im Eröffnungsspiel im Pariser Prinzenpark für "Großdeutschland" gegen die Schweiz ein 1:1 nach Verlängerung. Doch beim zweiten Duell kam im Achtelfinal- Wiederholungsspiel das Aus - die Welt lachte über das 2:4 der "hässlichen Deutschen".

Im Finale trafen Italien und Ungarn aufeinander. Die Magyaren hatten Niederländisch Indien (6:0), die von den beiden Deutschland- Spielen ausgelaugten Schweizer (2:0) und Schweden (5:1) besiegt. Italien, das nur noch Meazza und Ferrari aus dem 34er-Team aufgeboten hatte, setzte sich mit 2:1 nach Verlängerung gegen Norwegen durch, besiegte Frankreich 3:1 und die Ballartisten aus Brasilien mit 2:1.

Als die verhassten Nazi-Deutschen ausgeschieden waren, entlud sich der ganze Widerwillen der Zuschauer an den Faschisten aus Italien. Beim Halbfinale in Marseille zwischen Italien und Brasilien ergoss sich eine unglaubliche Welle des Hasses der 35 000 Zuschauer über dem Titelverteidiger. Doch die Truppe von Erfolgstrainer Vittorio Pozzo blieb dank eines umstrittenen Strafstoßes mit 2:1 erfolgreich. Brasiliens Protest schmetterte der Weltverband ab, die Südamerikaner mussten die Heimreise antreten. Da nutzte es auch nichts, dass sie in Leonidas da Silva - den sie "Schwarze Perle" tauften - den erfolgreichsten Torschützen (7 Treffer) und überragenden Spieler des Turniers hatten.

Auch im Finale am 19. Juni wurden die Italiener von den 60 000 Zuschauern im Stade de Colombes reserviert bis ablehnend empfangen. Doch die von Pozzo glänzend vorbereiteten, in kein Schema gepressten Azzurri begeisterten. Mit 4:2 schlugen sie Ungarn, weil sie einfach noch besser waren als die Fußball-Künstler des Gegners. Das erkannten am Ende alle an. Und als der greise Staatspräsident Lebrun dem alten und neuen Weltmeister den "Coupe Jules Rimet" überreichte, brausten Beifallstürme durchs Stadion, als hätte Frankreich den Titel geholt.

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