Große Auswahl in den Supermärkten lockt immer mehr Anleger
Rettungsanker in der Fonds-Flut gesucht

Rund 5 000 Investmentfonds buhlen jetzt um die Gunst der Anleger. Die gestiegene Wahlfreiheit ist erfreulich. Allerdings steigt gleichzeitig der Bedarf an neutralem Rat beim Produktkauf.

BRÜSSEL/FRANKFURT/M. Das steigende Angebot an Investmentfonds stellt den Anleger bei der Auswahl der geeigneten Produkte vor eine schier unlösbare Aufgabe. Auch die einzelnen Berater offerieren immer umfangreichere Paletten - in Banken oft unter Einschluss von Produkten fremder Häuser. "Da ist der Normalanleger überfordert", konstatiert James Broderick in einem Handelsblatt-Gespräch. Der Leiter des europäischen Investmentfondsgeschäftes von J.P. Morgan Fleming Asset Management registriert verschiedene Ansätze in der Vermögensverwaltungsbranche, um "diese steigende Wahlfreiheit, die sicher zu begrüßen ist, auf intelligente Weise wieder einzugrenzen, wenn es um die Endauswahl der Produkte geht". Beispielsweise werde unabhängige Beratung immer wichtiger. Aus dem gleichen Grund begännen sich Ratings zu etablieren, die Fonds - als Ergebnis einer umfassenden Analyse - "gute" oder "schlechte" Bewertungen zuordneten.

Nicht nur die steigende Produktzahl, auch die erwartete Umorientierung der Anleger in ihrer Vermögensplanung forciert den Beratungstrend. Das unterstreicht Kenneth Dowd, bei der Citibank in London zuständig für das westeuropäische Geschäft, auf einem von der britischen Investmentgesellschaft Invesco organisierten Presseseminar in Brüssel. Laut Dowd haben die europäischen Haushalte bisher rund 3 000 Dollar in Investmentfonds gesteckt. Dieser Betrag soll in den kommenden fünf Jahren auf 5 900 Dollar ansteigen (Grafik). Der Schätzung zufolge würde der Fondsanteil am gesamten Finanzvermögen von 12 auf 15 % anwachsen.

Für Ben Phillips von Cerulli Associates markieren "die steigende Bedeutung der unabhängigen Beratung und die Ausweitung des Produktangebotes auf Fonds möglichst vieler Anbieter sogar zwei globale Trends". Nach Angaben des Experten der Finanzresearch- und Consultingfirma verliert der traditionelle Fondsverkauf in Europa, d.h. die Offerte konzerneigener Fonds in den Banken, an Bedeutung. Im Gegenzug wird der Absatz über unabhängige Berater mit größerem Produktangebot wichtiger. Diese wickeln laut Phillips schon fast ein Drittel aller Fondstransaktionen ab.

Stimulierend für das Geschäft der Berater sei auch die Ausbreitung so genannter Supermärkte, von denen jetzt rund 40 in Europa existierten. "Supermärkte sind elektronische Plattformen, die sich teilweise an Vermittler, teilweise an Endkunden wenden; sie sind äußerst komfortabel in Sachen Orderabwicklung und Depotführung bei Produkten verschiedenster Anbieter sowie bei der Berichterstattung für den Endanleger", erläutert der Cerulli-Mann. Das über Supermärkte eingesammelte Fondsvermögen dürfte von 20 Mrd. Euro im vergangenen Jahr auf 275 Mrd. Euro im Jahr 2005 klettern: "Der Aufschwung kommt sowohl aus dem Geschäft mit Beratern als auch durch Direktgeschäfte mit Endanleger, die auf Vermittler verzichten."

Den ersten Supermarkt in Deutschland etablierte die Citibank. Sie bietet ihr "Citichoice"-Modell laut Dowd inzwischen in 42 Ländern an. Kern ist eine Palette von Produkten verschiedener Investmentgesellschaften. Dazu kommt ein Beratungsangebot, das die Entscheidung unter mehreren Fondsportfolios mit unterschiedlichen Risiko/Ertragsprofilen erleichtern soll. In diesem Fall werden nur Produkte mit guten Noten durch die Ratingagentur Standard & Poor's berücksichtigt.

Dowd: "Die Produkt- und Informationsflut verwirrt die Anleger; Banken mit objektiver Fondsauswahl haben hier einen Konkurrenzvorteil." Das sei auch im Sinne des Kunden. "Der Anleger will Alternativen mit einem Profi diskutieren, die endgültige Entscheidung aber alleine treffen", erklärt er.

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