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Große Differenzen bei Atomgesprächen mit NordkoreaDPA-Datum: 2004-06-26 10:33:59

Peking (dpa) - Die dritte Sechser-Runde über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms ist am Samstag in Peking mit unverändert großen Differenzen zu Ende gegangen. Die Delegationen einigten sich auf eine neue Gesprächsrunde vor Ende September.

Peking (dpa) - Die dritte Sechser-Runde über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms ist am Samstag in Peking mit unverändert großen Differenzen zu Ende gegangen. Die Delegationen einigten sich auf eine neue Gesprächsrunde vor Ende September.

So früh wie möglich soll zuvor eine Arbeitsgruppe über «erste Schritte» für eine Entnuklearisierung beraten. Der vermittelnde chinesische Chefunterhändler Wang Yi sagte, alle Teilnehmer betrachteten ein «Einfrieren» des Nuklearprogramms als ersten Schritt, doch fehlt das Wort auffälligerweise in der gemeinsam verabschiedeten «Erklärung des Vorsitzenden», die der chinesische Vizeaußenminister vorlas.

Hintergrund ist offenbar der Streit über die Vorwürfe der USA, dass Nordkorea neben seinem Plutoniumprogramm noch ein geheimes Urananreicherungsprojekt zum Bau von Atomwaffen verfolgt. Wang Yi räumte «ernste Differenzen» über den Umfang der Atomanlagen, die nötigen Inspektionen und die Entschädigung wie Energiehilfen oder Gespräche über ein Ende der Sanktionen ein. Damit werde sich die Arbeitsgruppe befassen. Die Nuklearfrage sei «hoch kompliziert». Es gebe unverändert «einen ernsten Mangel an gegenseitigem Vertrauen».

Er sprach aber auch von «Fortschritten» in der dritten Runde, die zeigten, dass sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen Nordkorea und den USA verkleinerten. Beide Seiten wollten jetzt die jeweiligen Vorschläge des anderen sorgfältig studieren. Die US-Delegation sehe «gemeinsame Elemente». Während Nordkorea aber mehr Gewicht auf den ersten Schritt eines Einfrierens lege, konzentrierten sich die USA auf die umfassende Entnuklearisierung, stellte Wang Yi fest. Beide Vorschläge seien eine wichtige Grundlage für weitere Diskussionen.

Zu den Fortschritten zählte Wang Yi ferner, dass sich Nordkorea erstmals «ausdrücklich» zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und zu Inspektionen bereit erklärt habe. Die USA wiederum hätten beteuert, keine «feindliche Politik», wie Nordkorea immer beklagt, gegenüber Pjöngjang zu verfolgen. Trotz des fehlenden Durchbruchs bewertete auch die US-Regierung in Washington die Gespräche positiv. «Unsere Sicht ist, dass dies sehr konstruktive Gespräche waren, dass die Vorschläge ernsthaft geprüft werden und dass wir eine gute Basis haben, weiterzumachen», sagte der Vize-Außenamtssprecher Adam Ereli.

Chinas Unterhändler Wang Yi hofft, dass die Differenzen über den Umfang des Atomprogramms «schrittweise geklärt und ausgeräumt werden können». Pjöngjang bestreitet die Vorwürfe der USA über eine Urananreicherung, die 2002 den seit 20 Monaten schwelenden Konflikt ausgelöst hatten. Auch China hat keine Erkenntnisse darüber. Die Atmosphäre der Gespräche nannte Wang Yi «freundlich, inhaltsreich und tiefgehend». Die Haltung aller Teilnehmer, darunter auch Südkorea, Japan und Russland, sei «positiv und pragmatisch» gewesen.

Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) ist Nordkorea derzeit von allen Atom-Aspiranten das gefährlichste Land überhaupt, weil es sich jeglicher Kontrolle entzieht.

Nach der ergebnislosen neuen Gesprächsrunde in Peking zur Entnuklearisierung Nordkoreas sagte IAEO-Sprecherin Melissa Fleming am Samstag im DeutschlandRadio Berlin, anders als Iran oder Pakistan befände sich Nordkorea nun außerhalb jeglicher Kontrollsysteme. Das Land sei aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgestiegen, drohe mit Atomtests und gebe zu, dass es den Besitz von Atomwaffen anstrebe.

Für Spekulationen um ein nordkoreanisches Urananreicherungs-Programm gebe es nach wie vor keine Beweise, sagte die Sprecherin der Aufsichtsbehörde weiter. «Aber wir haben gesicherte Informationen über ihr Plutoniumprogramm.» In seinen technischen Möglichkeiten sei Nordkorea weit vorangeschritten. «Es würde uns also nicht wundern, wenn sie bereits in der Lage wären, Atombomben zu bauen. Das ist durchaus möglich», so die IAEA-Sprecherin.

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