Große Flugzeugbauer stemmen sich gegen die schwache Konjunktur
Luft- und Raumfahrtunternehmen sind bereit zum nächsten Höhenflug

Wann funktioniert Internet im Flugzeug? Wie weit ist der Airbus A380, der bald bis zu 800 Passagiere bequem in einen einzigen Flieger packen will? Wie lange dauert es, bis unbemannte Kampfflugzeuge den Dienst von Militärpiloten übernehmen? Auf diese Fragen wollen Flugzeugbauer, Rüstungskonzerne und Zulieferer Antworten geben. Auf der Luftschau "Paris Air Show" stellen mehr als 1 100 Firmen aus 43 Nationen ihre Prachtstücke aus.

HB DÜSSELDORF. Die Börse zeigt sich optimistisch, bisweilen gar euphorisch, was die Zukunftsaussichten der Branche anbelangt. "Aktien der Luft- und Raumfahrtunternehmen haben sich zuletzt sehr gut gehalten. Vor allem wenn man bedenkt, wie volatil die Märkte seit dem vergangenen Jahr sind", sagt Mathias Christmann, Luftfahrt-Analyst bei Delbrück Asset Management. Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing unterstreicht diese Entwicklung eindeutig: Innerhalb eines Jahres sind die Aktien des US-Konzerns um über 60 % in die Höhe geschossen - ein durchaus seltener Höhenflug für ein Branchen-Schwergewicht, das viele der Old Economy zurechnen.

Tatsächlich aber hat der US-Konzern die Wandlung zu einem innovativen Technologiekonzern vollzogen, der sich vom zyklischen Flugzeugbau zusehends unabhängiger macht. Boeing versucht mit Luftfahrt-Dienstleistungen zu punkten, verkauft Navigationskarten, Datenbanken und ist inzwischen auch ein führender Satellitenhersteller in der Welt. Die Börse zeigt sich begeistert, Analysten sind es auch. Martina Jung vom Bankhaus Metzler findet es "erstaunlich, wie schnell Boeing auf die Konkurrenz durch EADS reagiert hat". Und Mathias Christmann von Delbrück Asset Management empfiehlt die Aktie auf diesem Niveau weiter zum Kauf.

Der Europa-Konkurrent EADS hat dem weltgrößten Flugzeugbauer mit seinem Trumpf-As Airbus offenbar Beine gemacht. Seit der erfolgreichen Einführung des A380, der das Boeing-Monopol im Segment der Großflugzeuge brechen will, wird Airbus als gleichwertiger Partner im zivilen Luftfahrtgeschäft angesehen. Im militärischen Bereich dominieren hingegen weiterhin US-Konzerne wie Boeing oder Lockheed Martin das Geschäft. Schon allein deshalb, weil in Amerika die Ausgaben für Rüstung wieder anziehen, während Europas Staaten zusehends weniger Geld für militärische Zwecke zur Verfügung stellen. Dennoch: Der aktuelle Auftragsbestand sichert sowohl Boeing als auch Airbus Beschäftigung auf Jahre hinaus. Ein Wermutstropfen ist nur die schwache Konjunktur in den USA, die viele Airlines dazu zwingt, ihr Flugzeugkontingent zu prüfen - und notfalls zu kürzen.

Branchenprognosen erwarten dennoch ein rasantes Wachstum des Luftverkehrs bis hin zu einer Verdoppelung der Flugbewegungen innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre. Das lässt vor allem auch das Geschäftsfeld der Business- und Regionalflieger an der Börse von weiteren Höhenflügen träumen: Unternehmen wie die kanadische Bombardier oder die französische Dassault Aviation glänzten in der Vergangenheit mit starken Wachstumsraten. Der anhaltende Boom bei Regionalflugzeugen wird durch die Überlastung der Großflughäfen angefacht, die zum Entstehen kleinerer Flughäfen und regionaler Fluggesellschaften geführt haben. Bombardier etwa hat trotz schwacher Konjunktur Gewinn und Umsatz im ersten Quartal 2001 deutlich steigern können. Das schafft Luft für den nächsten Höhenflug.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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