Große Geldnot
Noch keine Beweise für Piloten-Selbstmord

Das spektakuläre Mailänder Flugzeugunglück vom Donnerstag mit drei Toten und Dutzenden Verletzten gibt weiter Rätsel auf. Es lägen keine Beweise für einen Selbstmord des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Piloten vor, erklärten die Ermittler am Sonntag mit Blick auf entsprechende Berichte in den italienischen Medien sowie Aussagen von Politikern.

dpa MAILAND. "Wir können die Selbstmord-These nicht teilen", sagte der Polizeichef von Mailand, Enzo Boncoraglio. Man untersuche aber alle möglichen Szenarien, auch jene, die als unwahrscheinlich eingestuft würden. Einzig ein Terroranschlag könne mit Sicherheit ausgeschlossen werden, sagte der Polizeichef.

Italienische Medien hatten berichtet, der 67-jährige Pilot Luigi Fasulo sei absichtlich mit seinem Kleinflugzeug gegen das Pirelli-Hochhaus gerast. Auch Politiker hatten von der Möglichkeit eines Selbstmordes gesprochen. "Er hat das Hochhaus genauer getroffen als die Attentäter von New York", wurde etwa der Präsident der lombardischen Regionalbehörde, Roberto Formigoni, zitiert.

Neue Erkenntnisse sollen die Untersuchungen des Wracks und der Leiche des Piloten bringen, fügte Boncoraglio hinzu. Ein technischer Defekt der Maschine oder ein Gesundheitsproblem des Piloten seien die wahrscheinlichste Unglücksursache, hatte die Mailänder Staatsanwaltschaft bereits am Freitag erklärt.

Trotzdem hatten sich in der Öffentlichkeit die Spekulationen über einen Freitod des Piloten verstärkt. Italienische und Schweizer Zeitungen berichteten, die Fahnder suchten nach einer Lebensversicherung in Millionenhöhe, die Fasulo vor seinem Tod abgeschlossen haben könnte. Der Flugunternehmer soll bei einem illegalen Geldgeschäft, bei dem es um die Einlösung von Schecks zweifelhafter Herkunft ging, um 1,7 Mill. ? betrogen worden sein. Er hatte deshalb wenigen Stunden vor seinem Tod Anzeige bei der Polizei im italienischen Como erstattet. Daraufhin war im französischen Nizza ein 65-jähriger Italiener festgenommen worden. Er soll zugegeben haben, Fasulo Geld geschuldet zu haben.

Fasulo soll wegen illegaler Geldleihgeschäfte und dem Schmuggel von Kunstwerken mehrmals mit der Justiz in Konflikt geraten sein. Er war Medienberichten zufolge auch an einer großen Kunstgalerie beteiligt. Möglicherweise habe er den Handel mit Kunstgegenständen auch zur Geldwäsche verwendet, hieß es.

Die Familie des Unglückspiloten hat zwar dessen massive Finanzprobleme bestätigt, sich jedoch nicht eindeutig dazu geäußert, ob sie an einen Selbstmord glaube. Sie halte es nicht für möglich, dass sich ihr Mann das Leben genommen habe, wurde Fasulos Witwe von italienischen Zeitungen zitiert. Er habe auch keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Marco Fasulo, einer der beiden Söhne des Verunglückten, sagte hingegen der Schweizer Zeitung "Sonntags-Blick": "Sie wollten ihn in den Ruin treiben. Deshalb hat er sich umgebracht."

Die Ermittlungen wurden dadurch erschwert, dass in Fasulos Sportflugzeug kein Rekorder eingebaut war, der alle Flugdaten und Gespräche des Piloten aufzeichnet. Der Mann hatte unmittelbar vor der Landung auf dem Mailänder Flughafen Linate ein Problem mit dem Fahrwerk gemeldet und war danach ohne Genehmigung des Kontrollturmes Richtung Innenstadt geflogen.

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