Große Hersteller von Unterhaltungselektronik haben den MP3-Markt für sich entdeckt
Trickreiche Taschenspieler

Die große Freiheit kam mit dem Walkman. Jetzt revolutionieren MP3-Player den Markt für mobile Musik.
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Klangvolle Zukunft.

DÜSSELDORF. Die moderne Frau schmückt sich nicht mehr mit goldenen Klunkern. "Schon bald werden sich Frauen MP3-Player als Schmuck um den Hals hängen", beschwört Sudhir Bhatia, Chef der Duisburger Microboss AG, eine klangvolle Zukunft. Zumindest technisch keine Utopie. Mit dem vom Fraunhofer Institut entwickelten MP3-Verfahren lassen sich riesige Datenmengen auf kleinsten Raum quetschen. Schon jetzt sind MP3-Player am Markt, die kaum größer als ein Feuerzeug sind, weniger als 50 Gramm wiegen und mehrere Stunden perfekten Sound bieten. Und manche der kreisrunden, eiförmigen oder gediegen-geradlinigen Dinger sind mit ihrem poppig-bunten oder dezent-metallenem Außeren tatsächlich schon fast Schmuckstücke. Und weil im Innern keine beweglichen Teile stecken, bieten die trickreichen Taschenspieler selbst Extremsportlern ungetrübten Musikgenuss ohne Aussetzer.

Praktischer Datenspeicher.

Fast schon Standard sind Features wie große beleuchtete Displays, Adapter fürs Autoradio, elektronische Lesezeichen für den Lieblingssong und USB-Schnittstellen zum schnellen Überspielen von Musikdateien vom PC. Zudem können viele Geräte mehr als nur Musik abspielen. Manche Modelle dienen gleichzeitig als Diktiergerät, elektronisches Adressbuch oder praktischer Datenspeicher für die Westentasche. "In den Köpfen der Leute spukt herum, dass MP3 etwas mit Raubkopien und Internet zu tun hat", bedauert Microboss-Vorstand Bhatia. "Doch die Technologie bietet viel mehr, das wird irgendwann den gesamten Audiobereich beherrschen."

Tummelten sich am MP3-Markt anfangs vor allem Spezialisten wie Pine, Creative Labs, Pontis oder Sonicblue, so haben jetzt auch die großen Hersteller von Unterhaltungselektronik das Thema für sich entdeckt. Ob Samsung oder Thomson, Sony, Philips oder Grundig - sogar die dänische Edelschmiede B&O hat einen - 770 Euro teuren - MP3-Player im Programm. Allerdings konnte sich die Industrie bisher noch auf keinen gemeinsamen Standard bei den Speichermedien einigen. Sony arbeitet mit dem hauseigenen Memory Stick, andere Hersteller setzen auf Multimedia-, Smartmedia- oder Compact-Flash-Speicherkarten. All diese Medien haben zwei Dinge gemein: Sie bieten wenig Platz für viel Geld. So kann ein gängiger 64-MB-Chip mit Platz für eine einzige Stunde Musik bis zu 100 Euro kosten.

Musik für fünf Tage.

Eine Alternative sind tragbare MP3 Jukeboxen mit einer schockgelagerten Minifestplatte. So passt auf die zehn Gigabyte große Platte des Lyra PDP 2800 von Thomson (Preis rund 500 Euro) Musik für fünf Tage.

Kleiner, leichter und billiger sind portable CD/MP3-Player. Sie können auch CD-Rs lesen, die im MP3-Standard bespielt wurden. Auf eine einzige Scheibe passen bis zu elf Stunden Musik - genug für den nächsten Marathon oder den Flug nach L.A.. Hinkten die tragbaren CD-Player bisher der Erfolgsstory des Walkman hoffnungslos hinterher, so "gibt MP3 dem Thema jetzt einen ordentlichen Schub", freut sich ein Philips-Manager.

Darauf setzen jetzt auch andere Branchen. Inzwischen stecken die kleinen MP3-Player auch in Autoradios, Kassettenrekordern, DVD-Playern sowie in Mobiltelefonen, Organizern und Digitalkameras.

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