Große internationale Marken auf dem Weg ins Oligopol
Autovermieter rangeln um Pole Position

Wer in ein paar Jahren in Deutschland einen Mietwagen buchen will, wird wohl oft nur noch die Auswahl zwischen Sixt, Europcar, Avis und Hertz haben.

DÜSSELDORF. "Wir bewegen uns auf ein Oligopol zu. Die kleinen Wettbewerber werden auf Dauer das veränderte Konsumentenverhalten nicht abdecken können", sagt Jörg Wissemann, Marketing-Chef der Hertz Autovermietung GmbH, Frankfurt.

Die Statistik des Bundesverbandes der Autovermieter untermauert diese These: Die Zahl der Unternehmen sinkt von Jahr zu Jahr. Am Jahresende wird es nur noch 700 Autovermieter geben - vor zehn Jahren waren es noch doppelt so viele. Ein typisches Mittelstandssterben, urteilt Verbandsgeschäftsführer Klaus Langmann-Keller.

Der Trend lässt sich noch weiter zurückverfolgen: 1988 hatten die vier Großen erst 36 % Marktanteil, im letzten Jahr waren es schon 62 %. Rund 190 000 Mietwagen werden in Deutschland zurzeit angeboten, laut Hertz sind das 19 % mehr als noch vor fünf Jahren. Das Marktvolumen stagniere in diesem Jahr bei 2,3 Mrd. Euro, nachdem es im Vorjahr um 5 % geschrumpft war. Auch für 2003 erwartet Wissemann eher einen Rückgang.

Gleichwohl halten sich die Klagen in der Branche in Grenzen. "Es läuft im Moment ganz gut", beobachtet Langmann-Keller. Europcar - Deutschland-Chef Philippe Guyot sah sich schon vor einigen Wochen beim Vermietumsatz "deutlich erfolgreicher" als seine Wettbewerber: "Wir haben unser Ziel erreicht. Europcar Deutschland ist dieses Jahr die schnellsten Rundenzeiten gefahren." Hertz spricht von "profitablem Wachstum" im zweistelligen Prozentbereich. Avis hat vor wenigen Wochen zwar europaweit einen Gewinneinbruch vermeldet, sieht aber speziell in Deutschland positive Ansätze: Das Geschäft mit US-Kunden, die in Deutschland einen Wagen mieteten, sei gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 % gestiegen, so ein Sprecher.

Die Münchner Sixt AG will heute Quartalszahlen bekannt geben. Die Strategie auf unrentablen Umsatz zu verzichten, scheint sich auszuzahlen. Brancheninsider rechnen damit, dass die Münchner ihre Prognose halten werden. Bei stagnierendem Umsatz von 2,3 Mrd. Euro plant das Unternehmen eine Gewinnsteigerung von 15 % auf knapp 35 Mill. Euro. Sixt gilt in der Branche als Marktführer, auch wenn Guyot die "Pole Position" schon für Europcar beansprucht. "Die rechnen da nicht ganz ehrlich", kommentierte ein Brancheninsider diesen Anspruch: "Mietwagen-Geschäft ist ein Verdrängungswettwerb, eine Schlacht. Wer da nur ein Prozent holt, hat schon viel gewonnen."

Sixt reagiert sensibel auf die Avancen von Europcar. "Wir sind beim Umsatz weiter mit Abstand Marktführer", versichert ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Sixt werde 2002 knapp 500 Mill. Euro bei der Autovermietung einnehmen, und Europcar nach eigenen Angaben nur knapp 420 Mill. Euro.

Wichtigstes Segment in der Autovermietung ist mit 35 % der Geschäftsreisemarkt. Der hat sich allerdings verändert. "Statt der S-Klasse häufiger die C-Klasse", beschreibt der Verband den Trend. Hertz beobachtet, dass die durchschnittliche Mietdauer von 2,8 auf 2,5 Tage sinkt. Extrem sei dies, so Avis, im Flughafen-Geschäft: "Die Leute wollen früh morgens ihren Wagen und liefern ihn abends wieder ab."

Quelle: Handelsblatt

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