Große Kassen: Erneuter Mitgliederschwund

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Große Kassen: Erneuter Mitgliederschwund

Der Mitgliederschwund bei den großen Krankenkassen hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Allerdings verloren die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und Ersatzkassen wie Barmer, DAK oder Techniker nicht mehr ganz so viele Beitragszahler wie in den Vorjahren an die durchweg billigeren Betriebskrankenkassen. Insgesamt hatten die Gesetzlichen Kassen im Januar 2002 noch 50,96 Millionen Mitglieder – gut 35 000 Mitglieder weniger als vor Jahresfrist.

dpa BERLIN. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte dazu am Montag in Berlin auf Anfrage: "Wir wollen den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Die Wechselbewegungen der Mitglieder zeigen, dass diese von ihrem Recht Gebrauch machen." Das Ministerium habe die Weichen dafür gestellt, dass der Wettbewerb "wieder auf gesunde Füße gestellt" werde. Dies sei mit der Reform des kasseninternen Finanzausgleichs geschehen, die seit Jahresbeginn schrittweise umgesetzt werde und über die neuen Behandlungsprogramme für chronisch Kranke Anreize für einen "Wettbewerb der Kassen um Gesunde" schaffe.

Nach der offiziellen Statistik für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) haben die Betriebskrankenkassen im vergangenen Jahr 5,8 % Mitglieder dazugewonnen. Zum Jahreswechsel hatten sie gut 8,9 Millionen Mitglieder, knapp 500 000 mehr als ein Jahr vorher. Im Jahr 2000 hatte ihr Mitgliederzuwachs noch bei 17 % gelegen. Der BKK-Bundesverband wies am Montag in Berlin darauf hin, dass die Zahl der Überwechsler im Januar 2002 nur noch bei 26 000 oder 0,3 % gelegen habe. Dies sei auf die Beitragsanhebungen zum Jahreswechsel zurückzuführen.

Die Ortskrankenkassen büßten knapp 2 % ihrer Mitglieder ein und hatten demnach zum 1. Januar 2002 noch gut 19 Millionen Mitglieder. Die Angestellten-Ersatzkassen mussten einen noch stärkeren Aderlass hinnehmen, auch wenn sich der Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren etwas abschwächte. Ihr Mitgliederbestand schrumpfte um 0,5 % auf erstmals knapp unter 17 Millionen Mitglieder.

"Kein Grund zur Entwarnung"

Die Spanne der Beitragssätze reichte Anfang 2002 von 12,96 % im Durchschnitt der Betriebskrankenkassen bis 14,32 % bei den Angestellten-Ersatzkassen. Die Ortskrankenkassen waren aber mit 14,28 % nur wenig billiger.

Kassenvertreter sehen in der Entwicklung der Mitgliederwanderung keinen Grund zur Entwarnung für die Großkassen. Dass 2001 weniger Mitglieder die Kassen wechselten als in den Vorjahren, sehen sie eher als Folge der neuen Regeln: Der Stichtag 30. September für den Kassenwechsel zum Jahresende fiel 2001 weg. Seit Jahresbeginn können Versicherte nun – mit Kündigungsfrist – wieder zu jedem Monatsletzten wechseln. "Bei den großen Versorgerkassen geht der Erosionsprozess weiter", sagt der Sprecher des AOK-Bundesverbands, Udo Barske, der "Financial Times Deutschland". Man könne davon ausgehen, "dass nach wie vor die Jungen und Gesunden wechseln".

Nach einer Befragung des Verbands der Angestellten-Ersatzkassen setzen gerade die Versicherten auf die neuen Behandlungsprogramme für chronisch Kranke und dabei auf eine "aktive Rolle der Krankenkassen". Danach wünschen sich 70 % der Befragten Therapieempfehlungen von ihrer Krankenkasse. Ersatzkassen-Verbandschef Herbert Rebscher kündigte das flächendeckende Angebot von Chronikerprogrammen für den 1. Juli an.

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