Große Katastrophe
4800 Tote nach Beben in Afghanistan befürchtet

Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen: Nach zwei schweren Erdbeben im Norden Afghanistans befürchten die Vereinten Nationen 4800 Tote.

dpa KABUL. Nach Angaben von Helfern stieg die Zahl der Opfer stündlich. Die Regierung in Kabul rechnete am Dienstag mit 4 000 Verletzten und 20 000 Obdachlosen. Der Norden des Landes war am Montag von zwei Beben der Stärke 6,0 und 5,0 auf der Richterskala heimgesucht worden. Die Altstadt von Nahrin wurde verwüstet.

Das UN-Büro zur Koordinierung von humanitären Maßnahmen (Ocha) teilte am späten Dienstagnachmittag in Genf mit, es seien 4 800 Tote zu befürchten. "Momentan haben wir noch überhaupt keinen Überblick, wie viele Tote es gibt", sagte UN-Sprecher Yusuf Hassan der dpa in Kabul. Er sprach von einer "großen Katastrophe". Erst vor drei Wochen hatte es in der Region ein Erdbeben der Stärke 7,2 gegeben, bei dem 70 Menschen ums Leben kamen.

Nahrin liegt in Schutt und Asche

Die Altstadt von Nahrin in der Provinz Baghlan lag nach den Beben in Schutt und Asche. "Unsere Mitarbeiter dort sagen uns, dass 90 % der 3 850 Häuser zerstört wurden", berichtete Ehsan Zahine von der französischen Hilfsorganisation ACTED in Kabul. Am Dienstag lief die Hilfe für die Überlebenden und Obdachlosen an. Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen brachten erste Konvois auf den Weg, unter anderem mit Decken und Zelten.

Die 250 Kilometer lange Fahrt von Kabul nach Nahrin im Norden dauert jedoch einen Tag, und die abgelegenen Dörfer in den Bergen des Hindukusch sind nur schwer zu erreichen. Aus der Umgebung Nahrins kämen zahlreiche Verletzte auf der Suche nach Hilfe, sagte Zahine. Die Bundesregierung bot Afghanistan sofortige Hilfe an. In Kabul trat ein Krisenstab zusammen, um die Hilfe zu koordinieren. Beteiligt sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin die Deutsche Botschaft in Kabul, die Vereinten Nationen (UN), das in Afghanistan befindliche Bundeswehr-Kontingent und das Technische Hilfswerk. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen baute in Nahrin für Verwundete drei Versorgungszelte auf - sie seien bereits "völlig ausgelastet".

Außenminister Joschka Fischer sprach seinem afghanischen Amtskollegen Abdullah Abdullah das Beileid der Bundesregierung aus. Bundespräsident Johannes Rau versicherte Übergangsregierungschef Hamid Karsai, "dass Deutschland Ihnen bei der Bewältigung der Katastrophe zur Seite stehen wird".

UN-Flüchtlingshilfswerk schickte erste Notausrüstungen

An den Hilfsmaßnahmen wird sich auch die in Kabul stationierte Internationale Schutztruppe (ISAF) beteiligen. Ihr gehören auch deutsche Soldaten an. Wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte, wird sich die ISAF vor allem mit Pionieren und Sanitätern in die Hilfsmaßnahmen einschalten. Bei den Beben, das auch in Kabul zu spüren war, wurden keine Soldaten verletzt.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schickte erste Notausrüstungen, darunter 500 Zelte, in das Erdbebengebiet. Die Internationale Föderation der Rot-Kreuz und Rot-Halbmondgesellschaften IFRC entsandte Notärzte in die Region.

Die Europäische Union ließ 500 Zelte und 1 000 Decken in die Krisenregion bringen. Es sei eine weitere Lieferung von 1 500 Zelten und 1 500 Notlagern vorgesehen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Auch Russland bot Afghanistan Hilfe an. Karsai schickte Gesundheitsminister Suhaila Siddik in die Region und verschob eine geplante Reise in die Türkei.

Nach Angaben der US-Erdbeben-Informationsstelle in Denver lagen die Epizentren in nur 33 Kilometern Tiefe nahe beieinander. Das Beben vor drei Wochen war weniger verheerend, weil es fast 200 Kilometer tief lag. Vor vier Jahren waren bei zwei Erdbeben in den Nachbarprovinzen Tachar und Badachschan 10 000 Menschen getötet worden.

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